Spitalgruppe
Gesundheitsdirektor Weber: «Es gibt auch einflussreiche Befürworter»

Der Baselbieter SVP-Gesundheitsdirektor Thomas Weber stellt sich der Kritik an der geplanten Spitalgruppe mit Basel-Stadt.

Bojan Stula
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«Ich weiss nicht, wer zum jetzigen Zeitpunkt schon wissen könnte, wie das Ergebnis im Herbst ausfallen wird.»

«Ich weiss nicht, wer zum jetzigen Zeitpunkt schon wissen könnte, wie das Ergebnis im Herbst ausfallen wird.»

Martin Toengi

Thomas Weber, die «Basler Zeitung» befürchtet «ein Desaster», was das Konzept für die geplante gemeinsame Spitalgruppe mit Basel-Stadt angeht. Besonders im Basler Uni-Spital und in der Baselbieter Spitalärzteschaft soll der Widerstand sehr gross sein, was sich auch mit unseren Informationen deckt. Fahren Sie sehenden Auges dieses Partnerprojekt an die Wand?

Thomas Weber: Mein Basler Kollege Lukas Engelberger und ich haben einen grundlegenden Veränderungsprozess im regionalen Spitalwesen eingeleitet. Da ist es nur natürlich, dass es Widerstände gibt und einige Direktbetroffene das Glas eher halb leer statt halb voll sehen.

Der Vorwurf lautet, dass Sie wegen der internen Widerstände im Herbst bloss einen «unausgegorenen Projektentwurf» präsentieren werden, der das ganze Vorhaben von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Wir haben nicht vor, etwas «Unausgegorenes» zu präsentieren. Die Projektgruppen sind noch alle mitten in ihrer Arbeit. Alle Anspruchsgruppen bringen sich ein. Dort wird offen und kritisch diskutiert. Ich weiss nicht, wer zum jetzigen Zeitpunkt schon wissen könnte, wie das Ergebnis im Herbst ausfallen wird.

Wenn die Projektarbeit von einflussreichen Direktbetroffenen intern ausgebremst wird, dann lässt sich diese Vorhersage jetzt durchaus machen.

Es gibt auch mindestens so einflussreiche Befürworter. Die erwähnten Gegner sind mir namentlich nicht bekannt. Wir stecken jetzt mitten in der Phase B, in der die unterschiedlichsten Projektgruppen zahlreiche Teilaspekte und Details analysieren und Varianten der gemeinsamen Spitalgruppe prüfen. Hierfür braucht es eine offene Diskussion, in der die Meinungen auseinandergehen dürfen – ja, sollen.

Sie beschwichtigen.

Nein. Es ist wichtig, dass nun um die beste Lösung intensiv gerungen wird. In der ganzen Kritik wird ausgeblendet, dass es in diesem Herbst zuerst einen gemeinsamen Regierungsbeschluss über die dann vorliegenden Prüfungsergebnisse geben wird. Wie die Regierungen das vorliegende Resultat beurteilen werden, ist noch offen. Nur wenn das Konzept überzeugt, wird es von den Regierungen genehmigt werden.

Ein anderer Hauptkritikpunkt richtet sich gegen den viel zu knapp bemessenen Zeitplan. In zwölf Monaten könne ein so umfassendes Projekt gar nicht richtig aufgegleist werden.

Für die einen geht es zu schnell – für die anderen zu langsam. Aus meiner Sicht ist der Zeitplan gut durchdacht. Die Phase C mit der Erarbeitung der rechtlichen Grundlagen und der parlamentarischen Beratung und Beschlussfassung wird ohnehin mehrere Jahre dauern. Dazwischen kommt noch die Bruderholz-Initiative, über die voraussichtlich im Sommer 2017 abgestimmt wird. Die Zeit der Unsicherheit für die Spitäler und ihre Mitarbeitenden soll möglichst kurz sein, darum wollen die Regierungen noch vor den Herbstferien entscheiden.

Was werden Sie gegen die Widerstände unternehmen? Werden Sie sich persönlich einschalten?

Wir sind eng in die Projektorganisation eingebunden und tauschen uns mit dem Verwaltungsrat des KSBL im Rahmen der Eigentümergespräche aus. Wir stehen zudem in direktem Kontakt mit der Ärztegesellschaft, auch von dort kommen immer wieder konstruktiv-kritische Beiträge. Ich möchte betonen, dass alle drei Standorte des Kantonsspitals Baselland auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen werden, ganz egal, wie die künftige medizinische Ausrichtung ausfallen wird. Das Bruderholz wird auch in Zukunft ein Gesundheitscampus bleiben. Im Übrigen bestätigen mir alle Experten, dass die Transformation weg von der stationären hin zur ambulanten Behandlung so oder so die Zukunft sein wird. Die Entwicklung in anderen europäischen Ländern wie Holland oder Dänemark zeigt das grosse Potenzial, das wir auch bei uns nutzen wollen.

Stehen die Spitalleitung und die Regierung noch hinter ihnen?

Ja. Beide Spitalverwaltungsräte und -direktionen arbeiten engagiert am Projekt. Bevor meine Regierungskollegen einem Konzept zustimmen, werden wir den Nachweis erbringen müssen, dass die gemeinsame Spitalgruppe zu den übergeordneten Zielen des Projekts beiträgt, namentlich zur Kostendämpfung im Spitalbereich.

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