Prozess
Gewalt-Opfer: «Leben ist nicht mehr wie vorher»

Die Opfer der Gewaltnacht an der Rebgasse gehen noch heute mit Angst aus dem Haus. Nun stehen die Schläger wegen mehrfachen versuchten Mordes, versuchter schwerer Körperverletzung und mehrfachen Angriffs vor Gericht.

Regula Vogt-Kohler
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Solothurner Zeitung

In einem Punkt sind sich Angeklagte und Zeugen einig: Es ging alles schnell. «Von einer Sekunde auf die andere hat es eingeschlagen», schilderte der heute 54-jährige X. (alle abgekürzten Namen geändert) gestern vor Gericht. X. war mit seiner heute 56-jährigen Partnerin Y. auf der rechten Seite der Rebgasse Richtung Wettsteinplatz unterwegs. Sie sahen auf der linken Seite vier Männer und zwei Frauen. «Ich hörte Schritte, taktaktak, dann erhielt ich einen Schlag von hinten», erzählte X.; es habe keinen Wortwechsel und kein Handgemenge gegeben. Er ist überzeugt davon, dass die Platzwunde am Hinterkopf nicht auf einen Sturz, sondern auf einen Schlag zurückzuführen ist.

Sie habe gesehen, wie mehrere Personen auf X. eintraten, berichtete Y.; auf sie selbst seien dann ebenfalls mehrere Personen losgegangen, «mit Fäusten und Füssen». Sie habe Todesangst gehabt, und auch heute sei noch eine «Riesenangst» da. «Das Leben ist nicht mehr wie vorher.» Sie getraue sich kaum noch, alleine wegzugehen. Auch X. ist verunsichert: Misstrauisch reagiere er vor allem auf Gruppen jüngerer Männer. Er habe gewusst, was nachts in der Stadt los sei und sei «nicht wahnsinnig schockiert» gewesen. «Es war einfach Pech, dass es mir passierte.» Präzise Aussagen, welcher Angeklagte was wann gemacht hatte, konnten die Opfer ebenso wenig machen wie ein Angestellter der Stadtreinigung, der die Gewaltorgie beobachtet, die Angreifer aber nur von hinten gesehen hatte.

Staatsanwältin fordert neun Jahre

Ein Begleiter der Angeklagten präsentierte als Zeuge vor Gericht eine etwas andere Version als bei früheren Einvernahmen. Er sei damals unter Druck gestanden, erklärte er. Früher hatte er von Tritten gegen den Kopf des am Boden liegenden X. gesprochen, dies verneinte er nun. Dafür sagte er, dass Daniel A. für die Rippenbrüche von Y. verantwortlich sei.

Staatsanwältin Franziska Frei hielt in ihrem Plädoyer an der Darstellung der Anklageschrift fest und forderte für alle Angeklagten einen Schuldspruch wegen mehrfachen versuchten Mordes, versuchter schwerer Körperverletzung und mehrfachen Angriffs. Die von ihr beantragten Freiheitsstrafen betragen neun Jahre und vier Monate für Roman S. sowie je neun Jahre für Daniel A. und Marco S. Aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens beantragte Frei, im Fall von Daniel A. die Strafe zugunsten einer Massnahme für junge Erwachsene aufzuschieben. Der Verteidiger von Roman S. beantragte, den Fall auszustellen und ein psychiatrisches Gutachten im Hinblick auf eine ähnliche Massnahme anzuordnen.