Portrait
Gewinnerin des Titels «Lehrling des Jahres»: Kinder bedeuten ihr die Welt

Hosanna-Joy Jayanadan ist Lehrling des Jahres beider Basel. Die Fachfrau für Kinderbetreuung lebt für ihren Beruf. Die bz stellt die Gewinnerin in einem Portrait vor.

Tanja Bangerter
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Hosanna-Joy Jayanadan hat den Titel «Lehrling des Jahres» gewonnen.
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Die harte Arbeit hat sich ausgezahlt. (30.10.19)
Lehrling des Jahres 2019
Lehrling des Jahres

Hosanna-Joy Jayanadan hat den Titel «Lehrling des Jahres» gewonnen.

Kenneth Nars

Vierzig Kinder wollte sie adoptieren, mindestens. Hosanna-Joy Jayanadan wird mit jungen Jahren in Sri Lanka, der Heimat ihrer Eltern, das erste Mal mit Kindern in Not konfrontiert. Zwei Jahrzehnte später kommt die 22-jährige Gewinnerin des «Lehrling des Jahres» ihrem Kindheitswunsch auf eine besondere Art nahe.

Ein Junge reibt sich verträumt die Augen und blickt uns staunend an. Ausnahmsweise singt die frisch prämierte Fachfrau für Kinderbetreuung an diesem Mittwochmorgen nicht im Morgenkreis, sondern stellt sich den Fragen diverser Medienvertreter. Die junge Frau empfängt die Glückwünsche von Aron Reichenbach, dem Leiter Tagesbetreuung bei Familea. Am Tag nach der Finalshow in der UBS-Schalterhalle wirkt Jayanadan inmitten der Euphorie wie ein ruhiger Pol. «Sie hat es verdient», freut sich die Geschäftsführerin der Familea-Kita beim Margarethenpark, Corinne Ruch. Schriftliche Glückwünsche mit einem Foto vom grossen Moment hängen am Infobrett. Bereits am Contest-Tag fiel sie mit ihrer Leidenschaft auf, die ihren Beruf zur Berufung macht.

Mit Jayanadan fieberte man sogar in Sri Lanka mit

«Es war ein Balanceakt», sagt Jayanadan und erzählt, wie sie die Teilnahme am Wettbewerb mit Prüfungsstress und Kita-Alltag vereinbart habe. Und wie die Frage nach der Beilage beim Raclette für ein elfsekündiges Schweigen unter den Finalisten gesorgt habe, sagt Jayanadan und lacht herzhaft. Sie bevorzuge Spezialitäten aus verschiedenen Kulturen. «Ich lerne gerne Menschen und ihre Geschichten kennen», betont Jayanadan, die sich selbst als introvertiert bezeichnet. Sie hält stets Augenkontakt und untermalt ihre Worte mit Anekdoten. Wie eines der Kinder die Naturverbundenheit an ihr schätze. Und ein anderes den Käse, den sie auf die Spaghetti streue. Wie sie mit ihren Kindern bei jedem Wetter nach draussen gehe – um den Regen zu schmecken, Schneeflocken zu spüren oder Herbstblätter aufzuspüren. Wie einer der Jüngsten, der gerade sprechen lernt, ihren Namen sagt. Die Kinder in der Kita hätten mitgefiebert – und ihre Eltern bei der Verwandtschaft in Sri Lanka für das Online-Voting geworben. Mit ihrem jüngeren Bruder wohnt Jayanadan bei ihren Eltern. Und setze bei wichtigen Entscheiden auf einen engen Kreis guter Freunde.

Ihre Berufswahl verlief nicht so geradlinig, wie ihre Passion es vermuten lässt. Nach Abschluss der FMS arbeitete sie als Springerin in mehreren Familea-Kita-Standorten. «Meine Berufsbildnerin hat mich darin bestärkt, mit der Lehre zu beginnen», sagt Jayanadan. Pascale Meyer, die sie seit Beginn ihrer Ausbildung begleitet, bezeichnet sie begeistert als Herzensmenschen, als jemanden, der seine Unvoreingenommenheit gegenüber Menschen lebe. Auch in der Arbeit mit den Kindern stehe das Individuum im Vordergrund. «Ihre Empathie für ihr Gegenüber ist echt», betont Meyer.

Die Entschlossenheit hat sie von ihren Eltern

Als Tochter eines tamilischen Pfarrers und einer singhalesischen Hauswirtschafterin wächst Jayanadan in Reinach auf. «Die gesunde Prise Entschlossenheit habe ich von meinen Eltern», sagt sie. Zielstrebig wirkt sie, als sie von ihrer Vision erzählt, Kitaleiterin zu werden. Nach Abschluss ihrer verkürzten Ausbildung beginne sie mit einer dreijährigen Ausbildung an der höheren Fachschule für Kindererziehung. Sie plane gerne im Voraus, betont Jayanadan, die bei ihrer Arbeit den Moment zelebriert. «Das Jetzt ist alles, worauf ich vertraue», sagt sie und lauscht dem Gesang aus dem Morgenkreis.

«Ein magischer Moment», schwärmt die Sängerin einer christlichen Band. Beim täglichen Anziehritual der Kinder überbrücke sie die Wartezeit mit Singen – eine der Neuheiten, die sie einführte. Am Freitagabend treffe sie sich nach ihrer Spätschicht zur Lerngruppe. Und da ist sie wieder, diese Selbstverständlichkeit, mit der sich Jayanadan vollkommen ihrem Beruf widmet.