die Jungen
Giftpfeile und Stachel im Fleisch: Wahlkampf der Landratskandidierenden

«Die Linken sind oft Träumer», sagte der 24-jährige Philipp Völlmin (SVP), «zahlen dafür sollen am Ende die Steuerzahler und die sind zumeist bürgerlich.» Auch unter jungen Landratskandidierenden fliegen zuweilen die Giftpfeile.

Daniel Aenishänslin
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Mit einem Zitat, das Winston Churchill zugeschrieben wird, provozierte Stula die Kandidierenden: «Wer mit 20 Jahren nicht Sozialist ist, der hat kein Herz, wer es mit 40 Jahren noch ist, hat kein Hirn.»

Mit einem Zitat, das Winston Churchill zugeschrieben wird, provozierte Stula die Kandidierenden: «Wer mit 20 Jahren nicht Sozialist ist, der hat kein Herz, wer es mit 40 Jahren noch ist, hat kein Hirn.»

KEYSTONE/AP NY/CHARLES GORRY

Am Donnerstag trafen sich vier junge Landratskandidierende zu einem Podium in der Kantonsbibliothek in Liestal. Trotz der Giftpfeile war die von Bojan Stula, dem stellvertretenden Chefredaktor der basellandschaftlichen Zeitung, geleitete Runde oft amüsant und unterhaltend. Keine trockene Materie.

Mit einem Zitat, das Winston Churchill zugeschrieben wird, provozierte Stula die Kandidierenden: «Wer mit 20 Jahren nicht Sozialist ist, der hat kein Herz, wer es mit 40 Jahren noch ist, hat kein Hirn.» Die 23-jährige Naomi Reichlin (FDP) konterte mit einem gewinnenden Lächeln: «Ich finde das Zitat gut, weil es für beide fies ist.» Linke Anliegen würden junge Menschen ansprechen, «wir müssen aber immer mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben».

Politik als Schulfach

Die 24-jährige Julia Baumgartner (SP) machte sich nach eigenem Bekunden nicht «wahnsinnig» Sorgen um ihr Hirn. Im politischen Sinne wollte sie dieses bereits in der Schule angeregt wissen. Jungparteien sollten noch sichtbarer werden. «Ich bin für ein Schulfach Politik, in dem auch zu debattieren gelernt wird», forderte sie. Unterstützung erhielt Baumgartner von Reichlin, während Völlmin einschränkte, «aber Lehrpersonen dürfen den Schülern nicht ihre eigene politische Ideologie indoktrinieren».

Sich über neue Wege Gedanken zu machen, über die junge Wählerinnen und Wähler erreicht werden können, regte der 31-jährige Aram Naderi (Grüne) an. Er plädierte dafür, vermehrt den Zeitgeist aufzunehmen. «Der Briefkasten ist etwas Böses, denn da hat es Rechnungen drin», beschrieb er den herkömmlichen Weg politischer Information beziehungsweise Werbung. «Wir müssen die Jungen auf Ebenen erreichen, auf denen sie zuhause sind», denn heute sei die ganze Welt digital vernetzt. Naomi Reichlin appellierte an die Eigenverantwortung: «Junge sollten wählen gehen, sonst bestimmen Männer mit grauen Haaren.»

Knochenarbeit

Mehrheitlich positiv beurteilten die Kandidierenden die aktuellen Klimastreiks. Mehrheitlich, denn Philipp Völlmin bemerkte, «es gibt bessere Aktionen als einen Streik». Was diametral der Sicht von Julia Baumgartner gegenüberstand. «Was wir erleben, ist der beste Beweis dafür, dass der Streik als Protestform nicht ausgedient hat», entgegnete sie. Politik bedeute nicht nur Wahlkampf, sondern Jahre lange Knochenarbeit. Reichlin machte gar eine «Stimmung von Stillstand» aus, die vorherrsche. Sie wolle bewegen.

Zum Ende des Podiums war nicht zu verbergen, dass der Graben zwischen links und rechts auch junge Landratskandidierende trennt. Die Bürgerlichen warfen der linksgrünen Seite vor, ideologisch zu argumentieren. «Die Geschichte zeigt, was der Sozialismus alles verursacht hat», versuchte Völlmin den Beweis zu führen.

Naderi hingegen wollte aufzeigen, dass es nicht immer einfach ist, mit der SVP zu sprechen. Er erzählte von einer Begegnung mit einem SVP-Politiker, der sich weigerte, zu diskutieren, ob ein lesbisches Paar ein Kind aufziehen dürfe. Etwas versöhnlicher meinte Naomi Reichlin: «SP und Grüne sind oft ein Stachel im Fleisch der Bürgerlichen, aber es braucht einen Gegenpol.»