Volksinitiative
Gilt bald flächendeckend Tempo 30 für Pratteln?

Nach der Niederlage im Jahr 1997 wollen es die Grünen nochmals wissen. Sie lancieren eine Volksinitiative und wollen in ganz Pratteln Tempo 30 gelten lassen.

Patrick Rudin
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Einwohnerrat Stephan Ackermann (links) und Landrat Philipp Schoch an der ältesten Tempo-30-Zone in der Grabenmattstrasse. Patrick Rudin

Einwohnerrat Stephan Ackermann (links) und Landrat Philipp Schoch an der ältesten Tempo-30-Zone in der Grabenmattstrasse. Patrick Rudin

Manche Gemeinden haben schon längst generell Tempo 30 ausserhalb der Durchgangsstrassen eingeführt, bei anderen hingegen dauert es etwas länger. In Pratteln haben die Grünen jetzt genug und sammeln Unterschriften: Mit ihrer aktuellen Volksinitiative fordern sie generell Tempo 30 auf allen Gemeindestrassen, wobei in Einzelfällen Ausnahmen möglich sind.

Geduldig sprechen die Grünen am Samstagmorgen vor den Einkaufszentren Passanten an, und sie sind zuversichtlich, dass sie die nötigen 500 Unterschriften für ihre Initiative zusammenbringen. «Das Thema ist bekannt», kommentiert Landrat Philipp Schoch von den Grünen kurz und knapp. Einwohnerrat Stephan Ackermann von den Unabhängigen Pratteln sieht das genau so: «Vielen Leuten, die erst in den letzten Jahren nach Pratteln gezogen sind, ist es völlig unklar, weshalb nicht schon längst alle Quartierstrassen zu einer Tempo-30-Zone gehören.» Grosse Überzeugungsarbeit müssten sie daher nicht leisten: «An einem solchen Samstag kommen rund 100 Unterschriften zusammen. 450 haben wir bereits», so Ackermann.

Zone mit Pioniercharakter

Beide sind überzeugt, dass sich die Zeiten seit 1997 geändert haben. Damals hatten die Prattler Stimmberechtigten die flächendeckende Einführung von Tempo 30 abgelehnt. Genau dies verlangt nun aber die aktuelle Initiative, wobei der Gemeinderat Ausnahmen vorsehen kann. Ackermann und Schoch sind sich einig, dass beispielsweise die Oberemattstrasse ein Fall für eine Ausnahme ist: «Da ergibt Tempo 30 keinen Sinn», erklären sie unisono.

Bislang galt in Pratteln eine Art
Salamitaktik: Auch die bürgerlichen Parteien haben meistens zähneknirschend «punktuelle» Tempo-30-Zonen bewilligt, wehrten sich
aber bislang immer gegen die
flächendeckende Einführung von Tempo 30 -- gerade auch mit Verweis auf die Volksabstimmung im Jahr 1997. Pioniercharakter hatte die 1991 eingeführte Zone im Gebiet Vogelmatt, Hexmatt, Grabenmatt und Esterli.

Inzwischen ist das Wohnquartier Längi sowie der Dorfkern dazugekommen, im Vogelmatt wurden die Eingangstore sowie der Rechtsvortritt im Jahr 2006 an die aktuellen Bestimmungen angepasst. Im Fröschmatt-Quartier hingegen klappte die Einführung nicht: Im Mai 2006 lehnten die Stimmberechtigten die geplante Tempo-30-Zone mit 1254 gegen 1201 Stimmen haarscharf ab.

Bis Herbst einreichen

FDP-Fraktionschef und Einwohnerrat Mario Puppato meint auf Anfrage äusserst zurückhaltend, die Fraktion habe über die aktuelle Initiative noch keinen Beschluss befasst. «Sie wird aber bei uns sicher sehr umstritten sein», so Puppato.

Bei der SVP ist das Thema auch nicht sonderlich beliebt, doch zeichnet sich offenbar eine kleine Wende ab: So reicht SVP-Einwohnerrat Erich Weisskopf regelmässig Vorstösse zum «Schleichweg Neusatzweg» ein und fragt in einem Postulat vom vergangenen Mai gar, ob die Strasse nebst anderen Massnahmen wie Bauminseln oder Zubringerdienst-Tafeln nicht gar ein valabler Kandidat für eine 30er-Zone wäre.

Bis zu den Herbstferien wollen die Grünen ihre Initiative einreichen, voraussichtlich in rund einem Jahr dürfte die Frage dann zur Volksabstimmung kommen. Philipp Schoch und Stephan Ackermann räumen ein, dass die Ausnahmebestimmung im Gemeinderat wohl noch zur vielen Diskussionen führen wird, doch am grundsätzlichen Ja der Stimmbevölkerung zur Verkehrsberuhigung zweifeln sie nicht. Und den nächsten Pfeil haben sie bereits im Köcher: «Wir wollen künftig mehr Begegnungszonen mit Tempo 20», sagt Philipp Schoch.