Tritec
Giorgio Hefti lacht mit der Sonne

Der Allschwiler Unternehmer Giorgio Hefti installiert Solarkraftwerke auf drei Kontinenten. Heute beschäftigt Tritec in Allschwil, Aarberg BE und Morges VD rund 50 Personen und 80 weitere im Ausland.

Daniel Haller
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Giorgio Heftis Tritec AG setzt auf Partnerschaft mit potenziellen Konkurrenten und wurde so zum Marktführer.

Giorgio Heftis Tritec AG setzt auf Partnerschaft mit potenziellen Konkurrenten und wurde so zum Marktführer.

Nicole Nars-Zimmer

«Herzblut» ist eines von Giorgio Heftis Lieblingsworten. Ob das Management einer Solarpanel-Fabrik echtes Engagement für Photovoltaik zeigt, ist mit ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl der Zulieferer.

Der zweite Begriff, den er oft benutzt, ist «professionell». Als er 1993 als junger Elektroingenieur die heute in Allschwil ansässige Tritec AG gründete, war sein Ziel, den Solarstrom vom Ökofreak-Image zu befreien: «Für neue Technologien braucht es Visionäre. Aber zum Durchbruch gelangt eine Technik erst durch die Industrie. Und da gelten andere Regeln als in der damaligen Birkenstock-Szene.»

Heftis drittes Zauberwort heisst «Partnerschaft». Tritec versucht, lokale Solarinstallateure nicht zu konkurrenzieren, sondern sie als Partner zu gewinnen. Anfragen für Solaranlagen leitet Tritec an ihre Partner weiter oder führt den Auftrag gemeinsam mit ihnen aus. Oft konzipieren Tritec-Techniker die Anlage, der regionale Partner installiert sie dann.

Nötig wäre Kontinuität

Dieses Geschäftsmodell ist nicht zuletzt eine Antwort auf die Politik: Da haben mal jene Kräfte die Oberhand, die Solarstrom fördern, dann wieder die Bremser: «Das Hüscht und Hott der Politik ist Gift für jeden Markt», berichtet Hefti. So komme es zu kurzfristigen Boomphasen, wo man nicht genug Installateure findet, die auf den Dächern arbeiten. Und kurz darauf mache die Bremserfraktion die Investoren kopfscheu. «Dann warten alle ab, die Aufträge bleiben aus.» So habe die deutsche FDP über 100 000 Jobs in der deutschen Solarbranche vernichtet, indem sie Unsicherheit schürte.

In solchen Phasen sei es besser, Tritec habe nicht zu viele Leute auf der Lohnliste. «Die regionalen Partner haben als Elektriker noch weitere Standbeine. So kann man vermeiden, Fachkräfte auf die Strasse zu stellen.»

Auch in der Schweiz mache das Auf und Ab zu schaffen. Dabei betont Hefti, der Begriff Subvention sei falsch: «Subventioniert wird eine Branche, die nicht zu marktfähigen Preisen produzieren kann, die man aber aus anderen Gründen erhalten will.» Förderung bezwecke dagegen, eine Technologie so zum Laufen zu bringen, dass sie später selbstständig aufblüht. Für die Photovoltaik erwarte er, dass man ab 2020 auf Förderung verzichten könne. «Bis dahin wäre es wichtig, dass die Förderung stetig in kleinen Schritten statt per Hauruck zurückgefahren wird.»

Dass derzeit die Strombranche über den Wertezerfall der Wasserkraftwerke jammert, beeindruckt ihn nicht: «Wir haben vor 15 Jahren gewarnt, dass wegen der Photovoltaik das Geschäft mit dem Spitzenstrom über Mittag wegfallen wird. Man hat uns ausgelacht.»

Rasanter Start in Chile

Seine erste Anlage installierte Hefti 1987. «Sie produziert immer noch.» Dann initiierte er einen gemeinsamen Einkauf von Photovoltaik-Komponenten, um günstigere Konditionen aushandeln zu können. Diesem Prinzip blieb er mit Tritec treu. Die Position als Grosshändler ergänzte er durch eigene Projektabteilungen, entwickelte Planungssoftware für Installationsfirmen, Montagesysteme, Messgeräte für Sonneneinstrahlung und den Wirkungsgrad von Anlagen. Regelmässig schult Tritec ihre Partner.

Heute beschäftigt Tritec in Allschwil, Aarberg BE und Morges VD rund 50 Personen und 80 weitere im Ausland. Der Umsatz liegt in einem tiefen dreistelligen Millionenbereich und weltweit wurden Solarpanels mit einer Gesamtleistung von mehr als 400 Megawatt installiert, darunter die Anlagen bei Feldschlösschen in Rheinfelden, auf dem Stade de Suisse in Bern oder die grösste Schweizer Anlage auf dem Migros-Dach in Neuendorf SO. Hefti wurde in diesem Jahr mit dem Schweizer Solarpreis ausgezeichnet.

Wegen des Winterwetters ist Tritec neben einem guten Dutzend europäischer Länder und den USA auch in Chile und Südafrika aktiv, wo dann Sommer herrscht: «Die Solarindustrie sucht kontinuierlichen Absatz ohne viermonatige Winterpause. Also haben wir günstigere Bedingungen, wenn wir das ganze Jahr Panels beziehen.»

Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Chile – dort für Anlagen bis 1 Megawatt – nehme Tritec eine führende Position ein, erklärt Hefti. In Chile – ohne Förderung, aber mit viel Sonne – habe Tritec innerhalb von drei Jahren 37 Jobs geschaffen. «Wir konnten unser Schweizer Geschäftsmodell eins zu eins auf Chile übertragen.» Brasilien sieht er als Zukunftsmarkt, da wegen des Klimawandels die Flusskraftwerke über immer weniger Wasser verfügen. Für das Jahr 2015 werde deswegen der Energiepreis in Brasilien um über 40 Prozent steigen. «Auch da ist Photovoltaik eine Riesenchance.»