Augusta Raurica
Gladiatoren und Legionäre: Die grossen Helden des Römerfests

„Vita, vita“, schreit eine Mehrheit im Amphitheater und reckt die Fäuste in die Höhe. Das Publikum ist milde gestimmt und gewährt Antras sein Leben – obwohl er gegen Scaurus aufgegeben hat.

Andrea Mašek
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Römische Legionäre (v.l.n.r. Thomas Schaub, Dirk Linden und Yves Rüttimann).
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Patrik Pfüstl (Zenturio, l.) und Cyrill Wandeler (Optio, r.): Üben mit Kindern der überraschende Angriff (Sagitari).
Römerfest in Augusta Raurica
Römerfest in Augusta Raurica
Gladiatoren und Legionäre: Die grossen Helden des Römerfests
Zenturio Pullo: «Wer sagt hier, dass die Römer spinnen?»

Römische Legionäre (v.l.n.r. Thomas Schaub, Dirk Linden und Yves Rüttimann).

Juri Junkov

Die Gladiatorenschau ist eindeutig der Höhepunkt des Römerfests 2011. Gross und Klein erfreuen sich gleichermassen ob der Zweikämpfe, die nicht geschauspielert sind, sondern echt ausgetragen werden. Wer im Anschluss mit den Kämpfern für ein Foto posiert, sieht die Narben, Schnitte und blauen Flecken aus der Nähe.Tobias kriegt den Mund gar nicht mehr zu. Bewundernd schaut er zum Gladiator auf und dann an sich herab, er hat sich längst schon mit einem Schild und einem Schwert eingedeckt. Damit ist auch er für diesen Tag in Augusta Raurica gewappnet.

Richtig gegürtet den Schwertkampf üben

Ihm tun es die meisten Knaben gleich. Cedric schaut dann aber etwas skeptisch drein, als sein Vater sich als Römer einkleidet. Dies ist gar nicht mal so einfach. Es dauert eine Weile, bis alles richtig sitzt. Die gleiche Erfahrung machen die jungen Legionärinnen und Legionäre, die den ersten Tag ihres 25 Jahre dauernden Dienstes antreten. Erst richtig gegürtet dürfen sie den Schwertkampf üben. Anfänglich etwas zögerlich, zeigen sie sich aber bald als gewiefte und lernfähige Truppe. Die Väter sind mächtig stolz auf sie.

So richtig zur Sache gehen die erfahrenen Legionäre auf dem Feld daneben. Mit ihren Marsch- und Gefechtsübungen - die ausführlich kommentiert werden - ziehen sie viel Volk an. Dieses gibt sich auf andere Weise kämpferisch, es trotz jedem Regenschauer und jeder Windböe. Und zeigt sich an allem interessiert, vom Häppchen aus Brot, Schafskäse und Knoblauch über das Rundmühlespiel bis zum Zahnarzt.

Weil die Römer ihre Zähne mit den Fingern putzten und dabei das Zahnfleisch mitmassierten, besassen sie die besseren Zähne als wir heute. Aha. Während die einen sich über den römischen Alltag belehren lassen - insbesondere vom Haussklaven Geta erfährt man Spannendes - versuchen andere, sich dank ihres Wissens zur Sesterzen-Millionärin krönen zu lassen. „Welchen Fluss überschritt Cäsar mit den Worten: Alea iacta est?", fragt die Quizmasterin. „Den Rubicon", gibt die Kandidatin die richtige Antwort. Bravo.

Faszinierender Feuermacher

Viel Applaus erntet auch die „Jugendmusik Augusta Raurica", die mit einer Parade durchs Forum zeigt, was sie innert Kürze auf ihren Tubas und Panflöten gelernt hat. Tüchtig bläst derweil der Feuermacher, nicht einen Triumphmarsch, wie die Stadtmusik Basel, sondern auf die Funken, die er erzeugt. Diese springen sofort auf Knaben und Männer über, die stehen bleiben und gebannt zuschauen.

Mütter und Töchter sitzen solange im „Coiffeursalon". Dort werden Locken gedreht - für einmal nicht mit einem originalen Utensil, sondern mit einem modernen Lockenstab - und Zöpfchen geflochten. So schön zurechtgemacht gehen die Damen dann ins Theater. Gegen die Kälte haben sie vorgesorgt und tragen Hosen unter der römischen Toga. Für Kinderohren ist das Lustspiel über Wein, Weiber und Gedichte aber nichts. Doch die hören sowieso nicht zu, sie warten ungeduldig auf ihre Helden, die Gladiatoren.