Globale Erwärmung
Der Wald bindet Klimagase – und damit verdient man im Baselbiet jetzt Geld

Der Forstbetrieb Frenkentäler verkauft als erster Waldbesitzer in der Region CO2-Zertifikate. Das hilft dem Klima, aber nicht nur.

Michel Ecklin
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Simon Czendlik, Leiter Forstrevier Frenkentäler, erklärt oberhalb von Waldenburg, wie die CO2-Zertifikate funktionieren.

Simon Czendlik, Leiter Forstrevier Frenkentäler, erklärt oberhalb von Waldenburg, wie die CO2-Zertifikate funktionieren.

Kenneth Nars

Unsere Wälder leisten vieles: Sie liefern Bau- und Energieholz, dienen der Erholung, schützen vor Naturgefahren, kühlen und reinigen die Luft, erhalten die Biodiversität, tragen zur sicheren Wasserversorgung bei – und sie binden das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2). Mit Letzterem könnten die Waldeigentümer Geld verdienen – eigentlich.

Denn bisher nutzen sie in der Schweiz dieses Potenzial kaum. Deshalb hat das Projekt, das jetzt der Forstbetrieb Frenkentäler lanciert hat, Pioniercharakter. Die 1710 Hektaren Wald binden jedes Jahr rund 5000 Tonnen Kohlendioxid. Jeweils Ende Jahr sollen diese in Form von Zertifikaten verkauft werden, für 35 bis 55 Franken pro Tonne CO2.

Idealalter der Bäume: 30 bis 40 Jahre

Mit dem Kauf erwirbt man die Sicherheit, dass die gewünschte Menge Kohlendioxid gebunden worden ist und es auch bleibt. Solche Zertifikate sind begehrt bei Firmen und Institutionen, die ihre Klimabilanz aufbessern wollen. Mit dem Geld will der Forstbetrieb sicherstellen, dass der Wald auch wirklich CO2 bindet, etwa indem mehr Bäume das Idealalter dafür, 30 bis 40 Jahre, erreichen. «Das sind zusätzliche Forstleistungen, die kosten», sagt Simon Czendlik, Leiter des Reviers.

Bäume binden am meisten CO2 wenn sie zwischen 30 und 40 Jahre alt sind.

Bäume binden am meisten CO2 wenn sie zwischen 30 und 40 Jahre alt sind.

Kenneth Nars

Das zusätzliche Einkommen schafft aber auch eine Quersubventionierung. In den vergangenen Jahrzehnten ist nämlich in der Schweiz der Verkaufspreis für Holz stark gefallen. Er reicht nicht mehr, um so in den Wald zu investieren, damit auch künftige Generationen ihn nutzen können. Dabei wären gerade jetzt wegen der Klimaerwärmung grössere Eingriffe nötig. So muss man die hitzeempfindliche Fichte ersetzen, etwa durch gezieltes Setzen von Eichen.

Lieber grosse Nutzbäume als Feuerholz

Mit dem Ertrag des Zertifikatsverkaufs können die Förster jetzt vermehrt solche Aufgaben decken.

«Wir sind auf diese Finanzquelle angewiesen, um mit dem Klimawandel umzugehen»,

sagt Czendlik. Dabei geht es nicht einfach darum, das Geld einzusacken, wie Philipp Schoch betont, der Präsident von Wald beider Basel, dem Verband der Waldeigentümer, der das Projekt initiiert hat. «Wir wollen unseren Wald auch aktiv erneuern.»

Denn die bisherigen Funktionen des Waldes, etwa die Biodiversität, sollen weiterhin aufrechterhalten werden. Und manche Massnahmen sind sowohl für die Bindung von Klimagasen als auch ökonomisch sinnvoll, etwa wenn gezielt grössere Bäume gepflegt und freigestellt werden, die als Nutzholz verbaut werden, anstatt viel kleineres Holz der Verbrennung zuzuführen.

Erster Kunde: Die Basler Kantonalbank

CO2-Zertifikate gibt es im Ausland bereits für wenige Rappen zu kaufen. «Da werden meist in Asien oder Südamerika Bäume gesetzt, ganz weit weg von uns», sagt Czendlik. «Das sieht oft nur auf dem Hochglanzprospekt gut aus.» Im Baselbieter Projekt geht es jetzt darum, dass die Wertschöpfung regional bleibt. Dass hier der Wald auch wirklich die gewünschte Menge CO2 bindet, wird gemäss internationalen Normen zertifiziert.

Die Basler Kantonalbank wirbt damit, dass sie Zertifikate des Forstbetriebs Frenkentäler kaufen wird.

zvg/Youtube BKB

Das Projekt ist auf 30 Jahre angelegt. Die Initiatoren streben langfristige Partnerschaften mit institutionellen Abnehmern an. «Wichtig ist, dass sie die Idee auch leben», sagt Czendlik. Man wolle kein Greenwashing unterstützen. Bereits hat die Basler Kantonalbank zugesagt, dem Forstrevier Frenkentäler eine grosse Menge an Zertifikaten abzunehmen. Schoch hofft, dass weitere Forstregionen mitmachen, wenn das Pilotprojekt der Frenkentäler Erfolg zeigt.

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