Willkommenstafeln
Grossandrang beim Verwertungsdienst: Innert Minuten sind fast alle «Chirsibaum»-Tafeln weg

Der Kanton verkaufte am Donnerstag ausrangierte «Willkommen im Baselbiet»-Tafeln. Sie zieren jetzt Stuben und Hobbyräume. Ein besonders schönes Exemplar wird künftig an einem speziellen Platz zu sehen sein.

Benjamin Wieland
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Weil die Schilder zu wenig respektive gar keinen Braunanteil aufweisen, mussten sie ausrangiert werden. Doch das Altmetall ist begehrt.
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Die Versionen mit «Willkommen im Baselbiet» waren nach wenigen Minuten vergriffen. Bei den Platten mit «Auf Wiedersehen im Baselbiet» dauerte es etwas länger.
Lange Schlange vor der Kasse. Schon um Viertel vor 8 trafen die ersten Sammler ein, Türöffnung war um 8.30 Uhr.
bz Schilderverkauf Baselland
Berardino Barbati, Leiter des Verwertungsdienstes, sicherte sich eines der schönsten Exemplare. Es steht künftig bei Versteigerungen auf der Bühne.
Rund 50 Personen fanden sich pünktlich zur Türöffnung beim Verwertungsdienst an der Oristalstrasse in Liestal ein.
Pro Person durfte nur ein Schild gekauft werden, was einige Anwesende nicht goutierten.
Auch die bz sicherte sich zwei Exponate. Sie zieren jetzt die Redaktion in Liestal.

Weil die Schilder zu wenig respektive gar keinen Braunanteil aufweisen, mussten sie ausrangiert werden. Doch das Altmetall ist begehrt.

Landeskanzlei Kanton Baselland

Da kennt jemand sein Business – und seine Kundschaft. Der Verwertungsdienst des Kantons Baselland hat vorgesorgt. Mehrere Hinweisschilder vor und im Ladengeschäft an der Oristalstrasse 100 in Liestal weisen darauf hin: Pro Kundin und Kunde darf maximal eine Tafel mit dem prägnanten Chirsibaum mitgenommen werden.

Gäbe es die Regelung nicht, wären sie an einem Vormittag innert Minuten weggewesen, die rund 90 alten Strassenschilder, mit denen der Kanton Baselland jahrzehntelang Autofahrer begrüsst und verabschiedet hat. So aber musste niemand mit leeren Händen nach Hause gehen, jedenfalls niemand von den rund 50 Personen, die sich lange vor Türöffnung in die Schlange eingereiht hatten.

Berardino Barbati öffnete wie angekündigt Punkt 8.30 Uhr die Tür zum Verkaufsraum. Zuvor hatte der Leiter des Verwertungsdienstes und des Fundbüros die Spielregeln erklärt: 1 Person = 1 Schild.

Bundesamt für Strassen will nur noch braune Tafeln

Die allererste Tafel ergatterte Chrys Grauwiler. Er habe Nachtschicht gehabt, erzählt der 33-jährige Oberbaselbieter der bz. Deshalb sei es ihm gut möglich gewesen, sich früh einzufinden. «Es ist immer eine Art Heimkommen, wenn ich solch ein Schild sehe. Als ich erfuhr, dass sie verkauft werden, war für mich sofort klar: So eines will ich!» Die «Willkommen im Baselbiet»-Tafel erhalte «einen Ehrenplatz in der Wohnung».

Die rund 90 Metallplatten gibt es in zwei Grössen und zwei Versionen und kosten, je nach Zustand, zwischen 20 und 50 Franken. Rund die Hälfte der Quadrate ist mit «Willkommen im Baselbiet» beschriftet, die übrigen mit «Auf Wiedersehen im Baselbiet».

Die Tafeln standen seit 1983 entlang von Kantonsstrassen und Autobahnen. 2012 teilte der Bund dem Kanton mit, das Layout sei nicht mehr erlaubt, es fehle das Braun. Im vergangenen Mai stellte der Kanton den Siegervorschlag des Gestaltungswettbewerbs vor. Auf den neuen Sujets steht «Willkommen in Baselland», zu sehen ist eine Abbildung eines Baselbieterstabs aus Holz. Den Hintergrund bilden Fotos von Landschaften des Kantons. Neu stimmt auch der Braunanteil: rund ein Viertel. Die «Auf Wiedersehen»-Tafeln werden nicht ersetzt.

Pech hatte Adil Koller. Als er bei den Regalen eintrifft, sind alle «Willkommen»-Motive schon weg. Stattdessen ging der Landrat und Präsident der SP Baselland mit einem Verabschiedungsexemplar zur Kasse. Koller hat das «Chirsibaum»-Sujet schon privat verwendet. Auf seiner E-Mail-Signatur ist die Tafel zu sehen, eingesetzt in ein Foto, das Koller beim Wandern zeigt.

Der Chef reserviert sich ein Prachtexemplar

Ebenfalls etwas zu spät ist Peter Issler. Der Architekt und Muttenzer alt Gemeinderat muss sich wie Koller mit einem Verabschiedungsmodell zufrieden geben. Er kenne Eugen Spitteler, den Schöpfer des «Chirsibaum»-Motivs, persönlich, erzählt Issler. «Spitteler wohnt ebenfalls in Muttenz. Ich gehe ihm das Schild zeigen. Er hat sicher Freude!»

Am Donnerstag gingen alle Schilder weg. Vereinzelt stehen noch welche entlang von Autobahnen. Sie werden ebenfalls nach Liestal gebracht verkauft, wahrscheinlich im Herbst. Wegen der grossen Nachfrage plant der Kanton, Tafeln nachfertigen zu lassen.

Berardino Barbati sagt, der Schilderverkauf sei einer der spezielleren Aufträge gewesen. «Mehr los ist nur bei den Fahrzeugversteigerungen.» Barbati reservierte sich eine der schönsten Tafeln. «Die ist aber nicht für mich», sagt er. «Sie erhält einen Ehrenplatz: Wir stellen sie künftig bei Auktionen auf der Bühne auf.»