Taizé-Jugendtreffen
Grossaufmarsch von Christen im Joggeli

Bereits jetzt schon bereiten sich regionale Kirchgemeinden auf Zehntausende Gläubige an Silvester vor.

Bojan Stula
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Station auf dem Pilgerweg: Frère Alois im Kreis junger Gottesdienstbesucher am Taizé-Jugendtreffen 2007 in Genf, dem bisher einzigen in der Schweiz.Archiv/Keystone

Station auf dem Pilgerweg: Frère Alois im Kreis junger Gottesdienstbesucher am Taizé-Jugendtreffen 2007 in Genf, dem bisher einzigen in der Schweiz.Archiv/Keystone

KEYSTONE

Noch ist es nicht ins öffentliche Bewusstsein gerückt: Zum Jahreswechsel 2017/18 wird einer der grössten wiederkehrenden Jugendanlässe Europas in der Region Basel stattfinden. Für das Jugendtreffen der Glaubensgemeinschaft von Taizé werden rund 20 000 Jugendliche und junge Erwachsene aus allen Ländern Europas erwartet, welche das neue Jahr in gemeinsamen meditativen Gebeten begehen wollen.

«Die Teilnehmenden werden grösstenteils zwischen 18 und 35 Jahre alt sein. Sie werden von Gastgemeinden in der Region empfangen und wohnen während der Dauer des Treffens in Gastfamilien. Inhalt des Treffens ist das gemeinsame Gebet, der Austausch zwischen den Gastgebern und den Besuchern, die Begegnung untereinander und das gegenseitige Anteilnehmen am Leben des anderen», schreiben die Veranstalter auf der Homepage.

Ökumenisches Kloster: Der Taizé-Begründer wurde ermordet

Bis zur Austragung Ende Jahr werden in den Kirchgemeinden in Basel und Umgebung zahlreiche Vorbereitungsveranstaltungen und Taizé-Gebete stattfinden. Noch bis kommenden Sonntag weilen die beiden Taizé-Mönche Frère Bernhard und Frère Richard in der Region und im Dreiland, um den Kontakt mit der Bevölkerung aufzunehmen und mit den Kirchgemeinden über das Jugendtreffen zu diskutieren.

So nahmen sie am vergangenen Freitag an einem gut besuchten Gottesdienst in Hölstein und am Sonntagabend im Basler Münster teil. Bei der «Kommunität» Taizé im Burgund handelt es sich um eine in der christlichen Welt hoch angesehene Glaubensgemeinschaft, die im Zweiten Weltkrieg von Frère Roger gegründet wurde.

Zehntausende von jungen Leuten aus aller Welt pilgern jährlich in das ökumenische Kloster. Für Papst Franziskus steht Taizé für das «Gleichnis der Gemeinschaft, das bis heute einen wichtigen Beitrag leistet, Brücken der Geschwisterlichkeit zwischen den Christen zu bauen».

Am 16. August 2005 wurde Frère Roger während eines Gottesdienstes in Taizé von einer 36-jährigen Rumänin mit dem Messer ermordet.

Mitgetragen wird der Grossanlass von zahlreichen Kirchgemeinden der Region sowie den Landeskirchen, wie Thierry Moosbrugger, Verantwortlicher für Öffentlichkeitsarbeit in der katholischen Kirche Baselland und Basel-Stadt, bestätigt.

Von 28. Dezember bis 1. Januar werden sich in der St. Jakobshalle und der anliegenden St. Jakob-Arena mittags und abends Tausende Jugendliche zum Gebet treffen, wobei es eine Besonderheit der Glaubensgemeinschaft ist, dass dabei alle Teilnehmenden auf Teppichen am Boden sitzen, wie es auch in der Kirche im burgundischen Taizé keine Sitzbänke gibt. Der übliche Tagesablauf des fünftägigen Treffens sieht zudem vor, dass der Vormittag mit einem Morgengebet in der Pfarrei der Gastgemeinde beginnt. Silvester wird mit einem «Fest der Nationen» auf dem Joggeli-Areal begangen.

Es begann 1978 in Paris

Die Region Basel wird das bereits 40. Taizé-Jugendtreffen beherbergen, seit sich die ökumenische Glaubensgemeinschaft dazu entschlossen hat, mit einem «Pilgerweg des Vertrauens auf Erden» jährlich den spirituellen Austausch zwischen Menschen zu fördern. Das erste Treffen fand 1978 in Paris statt, 2007 war Genf Austragungsort.

Zuletzt machte der universelle Pilgerweg in der lettischen Hauptstadt Riga Station, wohin immerhin 15 000 junge Pilger strömten. Laut der Katholischen Nachrichten-Agentur KNA begründete Frère Alois, der Prior der Taizé-Gemeinschaft, die Wahl von Basel mit dem Wunsch, «zurück ins Zentrum von Europa» zu wollen.

Nach Valencia 2015 und Riga 2016 spreche zudem die Nähe zu Deutschland und Frankreich für Basel, wo besonders viele Anhänger der im Burgund beheimateten Bewegung leben. Dabei werde in Kauf genommen, dass Basel zu den kleinsten Städten zählt, die je ein Taizé-Jugendtreffen beherbergt haben.

Münsterpfarrer Lukas Kundert, den Kirchenratspräsidenten der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt, erfüllt es mit Stolz, dass «die Taizé-Gemeinschaft unsere Einladung angenommen hat». Für Basel mit seiner langen Geschichte der religiösen Toleranz sei es etwas Besonderes, 500 Jahre nach Beginn der Reformation ein derartiges ökumenisches Treffen beherbergen zu dürfen.

Übrigens gibt es Basler, deren Leben dank Taizé auf den Kopf gestellt wurde. So engagierte sich Basels ehemaliger Regierungspräsident Guy Morin nicht nur eine Zeit lang in Taizé, er lernte dort auch seine Frau kennen.