Grossbaustelle
Der «Stabhof» mitten im Liestaler Stedtli wird weitgehend abgerissen und neu gebaut

Einzig das Erdgeschoss mit Coop drin und – falls statisch möglich – die Fassade Richtung Rathausstrasse bleiben stehen. Danach gibts 20 Wohnungen mit lauschigem Innenhof.

Andreas Hirsbrunner
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Die Schokoladenseite des erneuerten «Stabhof»: Die Wohnungen sind auf den ganz neu gestalteten Innenhof ausgerichtet.

Die Schokoladenseite des erneuerten «Stabhof»: Die Wohnungen sind auf den ganz neu gestalteten Innenhof ausgerichtet.

Bild: Visualisierung/zvg

Krane sind in Liestal mittlerweile beileibe keine Sensation mehr. Aber jener Kran, der letzte Woche in der Altstadt aufgestellt worden ist, weist auf eine ganz besondere Baustelle hin: Inmitten eines historischen Umfelds mit verschachtelten und beengten Verhältnissen startet diese Tage ein Projekt der Klasse XL, das alle Beteiligten fordern wird vom Lastwagenchauffeur bis zum Bauleiter.

Dieser heisst Matthias Hohler und steht in Diensten von Lenzin Partner Architekten in Laufenburg. Er sagt: «Das wird eine komplexe Grossbaustelle, bei der wir in mehreren Etappen vorgehen müssen. Deshalb benötigen wir auch zweieinhalb Jahre, bis wir fertig sind.»

Vor allem die zweite Bauetappe wird spektakulär

Das Projekt: Die in Frick ansässige Fuchs AG baut den «Stabhof» an der Rathausstrasse mit dem Coop-Einkaufscenter im Erdgeschoss sowie das damit unterirdisch verbundene Coop-Anlieferungsgebäude an der Kanonengasse weitgehend neu. Die Firma besitzt die beiden Liegenschaften seit 2018. In der ersten Etappe wird das Haus an der Kanonengasse praktisch ausgehöhlt und in den oberen Stockwerken neue Büroräume gebaut. Hier ziehen danach teils jene gewerblichen Mieter ein, die derzeit die oberen Stockwerke im «Stabhof» belegen; das sind laut der Bauherrin unter anderem der Kanton und eine Zahnarztpraxis. Das Erdgeschoss bleibt Anlieferungsstelle für Coop.

Die zweite Etappe wird die spektakulärste: Die oberen vier Stockwerke des «Stabhof» werden abgetragen, es bleiben nur das Erdgeschoss mit dem Einkaufscenter sowie die Fassade in Richtung Rathausstrasse – sofern statisch möglich – stehen. Danach werden die drei Ober- und das Dachgeschoss neu gebaut mit Raum für 20 grössere (Miet-)Wohnungen. Sollte auch die Rathausstrassen-Fassade neu errichtet werden müssen, so werde die heutige Gestaltung eins zu eins übernommen, sagt Hohler. Die Farbgebung hingegen erfolge so oder so neu und werte die Rathausstrasse optisch auf, wobei die genauen Farbtöne noch offen sind.

So eng, dass Autos nicht ohne Drehlift in die Einstellhalle kommen

Der Reiz der neuen Wohnungen liegt vor allem auf der Hinterseite: Hier entsteht auf dem Dach des Einkaufscenters ein begrünter Innenhof, auf den alle Balkone ausgerichtet sind (siehe Visualisierung). Dieser Innenhof bedeutet für alle umliegenden Bewohner eine Aufwertung gegenüber der heutigen, öden Situation und ist zugleich ein Zeitsprung zurück zum früheren Altstadtcharakter.

Aber auch die dritte Etappe ist nicht ohne: Unter das bestehende Untergeschoss unter dem Coop-Laden wird noch ein zweites gegraben, sodass das Gebäude zeitweise auf einem Provisorium aus 130 Eisenträgern stehen wird. Die beiden Untergeschosse dienen nach der Fertigstellung als Autoeinstellhalle mit 34 Plätzen für die Mieter und die Mitarbeiter im «Stabhof» und an der Kanonengasse sowie als Veloabstellraum, Keller, Technikraum und Lager für Coop. Die beengten Verhältnisse bedingen auch ein nicht alltägliches Supplement: Die Autos fahren von der Kanonengasse her in einen Lift, der vor dem Öffnen in den Untergeschossen um 90 Grad dreht.

Coop bleibt langfristig im «Stabhof»

Aufgewertet werden soll auch die Passage, die heute als dunkler, unattraktiver Schlauch entlang des Coop-Ladens von der Rathausstrasse Richtung Kanonengasse führt. Dies durch eine teilweise Öffnung, indem das erste Stockwerk etwas versetzt wird und so natürliches Licht in die Passage dringen kann. Die Details stünden aber noch nicht alle fest, sagt Bauleiter Hohler. Man sei wie auch bezüglich Farbgebung der Fassade im Gespräch mit der Liestaler Farb- und Reklamekommission.

Insgesamt investiert die Fuchs AG einen zweistelligen Millionenbetrag in die Erneuerung der beiden Bauten an der Rathausstrasse und der Kanonengasse. Das Projekt aus der Feder des Büros Bühler & Partner in Bottmingen sei das Resultat eines Architektenwettbewerbs mit zehn Projektstudien, teilt die Bauherrin mit. Dass das Siegerprojekt auch bei der Liestaler Stadtregierung gut ankommt, sagte Präsident Daniel Spinnler gegenüber der bz schon vor ein paar Wochen. Er sprach damals von einem hochwertigen Ausbau mit positiver Auswirkung für Liestal.

Und was macht Coop in Anbetracht der langen Bauzeit mit Störungen und wegfallenden Parkplätzen? Bleibt es dabei, dass der Grossverteiler wie einst angekündigt dem «Stabhof» treu bleibt, obwohl er im August eine zweite Filiale im nahen Büchelicenter eröffnet? Ja, sagt Dean Fuss von der Kommunikation Region Nordwestschweiz-Zentralschweiz-Zürich, man wolle «langfristig» am Standort Liestal Stabhof festhalten.