Solarenergie
Grosse Dächer sind sexy für hiesige Solarstromversorger

Die drei grössten Stromversorger der Region wollen die Solarenergie ausbauen und setzen dabei auf Partner mit grossen Dächern. So bekommt die ungenützte Fläche eine wichtige Aufgabe.

F. Halbeisen und B. Burkhardt
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Die AAGL sammelt seit Mai Sonnenenergie auf ihrem Dach. niz

Die AAGL sammelt seit Mai Sonnenenergie auf ihrem Dach. niz

bz Basellandschaftliche Zeitung

Mit der Solaranlage auf dem Dach der Basler Rhenus AG in Kleinhüningen und jener auf den Dächern der Baselland Transport AG (BLT) in Oberwil entstehen in der Region zwei Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von zusammen rund 2200 Kilowatt. Die Anlage in Kleinhüningen wird künftig über eine Million Kilowattstunden jährlich Strom ins Netz der Industriellen Werk Basel (IWB) einspeisen; jene in Oberwil liefert der Elektra Birseck-Münchenstein (EBM) jährlich 1,2 Millionen Kilowattstunden (bz von gestern).

Beide Energieunternehmen bewarben ihre Anlagen bei den Presseterminen als die jeweils grösste in der Nordwestschweiz beziehungsweise der ganzen Deutschschweiz. EBM-Sprecher Joachim Krebs stellt klar: «Wir setzen natürlich nicht auf Behauptungen sondern auf Fakten. Die Anlage auf den Dächern der BLT in Oberwil hat eine Leistung von 1169 Kilowatt und ist damit grösser als die Anlage in Basel mit 1040 Kilowatt.»

«Nicht nur wegen des Images»

Gibt es nun einen Konkurrenzkampf um die grössten Dächer der Region? René Kindhauser von der Unternehmenskommunikation der IWB relativiert: «Ich denke nicht, dass man von einem Wettbewerb sprechen kann. Wir alle wollen im Bereich der Solarenergie zulegen; und solche Projekte dienen dazu, dass die Solarenergie an Bedeutung gewinnt.» Auch EBM-Sprecher Krebs sieht in den beiden Projekten die positive Seite: «Beide Anlagen sind sehr gross, was erfreulich ist.» So seien grosse Anlagen vorteilhafter, wenn es ums Einspeisen des Stroms ins Netz geht.

Den Wunsch nach Solarinvestitionen nahm auch die BLT dankbar auf. Mit der Garantie der EBM, den Strom abzunehmen, sagt BLT-Chef Andreas Büttiker, sei eine Photovoltaikanlage auf den ungenutzten Dächern des BLT-Depots auch wirtschaftlich interessant geworden. «Wir machen das nicht nur wegen des Images», gibt Büttiker zu: Die 50000 Franken jährliche Miete will die BLT direkt in die Anschaffung einer effizienteren Flotte und die Taktverdichtung investieren. Büttiker weiss das Engagement der EBM übrigens zu schätzen: «Es passiert selten in der Schweiz, dass Energieversorger die Kostenlose Einspeisungsvergütung (KEV) übernehmen.» Ein Transportunternehmen habe auch eine «gewisse Vorbildfunktion» in ökologischer Hinsicht.

«Der öV muss immer umweltfreundlich sein.»

Genauso dachte Hansruedi Bieri, beim Liestaler Busunternehmen AAGL zuständig für den grossen Depotumbau: «Der öV muss immer umweltfreundlich sein.» Auch die AAGL suchte nach einer «sinnvollen Verwendung» der Dachfläche mit 2500 Quadratmetern. Neben der Regenwassersammlung für die Fahrzeugwaschanlage blieben noch 1400 Quadratmeter für eine Photovoltaikanlage. Die AAGL verschenkte diesen Platz an die die befreundete Elektra Baselland (EBL).

Dort sieht sich Co-Geschäftsführer Urs Gerster schon eher im Konkurrenzkampf: «Die Nachfrage nach Photovoltaik hat stark zugenommen, was dazu führt, dass sich mehrere Firmen für die Dächer interessieren. Da ist es klar, dass ein gewisser Wettbewerb entsteht.» In einem Punkt sind sich jedoch IWB, EBM und EBL einig: «Die Solarenergie hat ein riesiges Potenzial nach oben», heisst es bei der EBM zum Beispiel. Auch die IWB planen neue Projekte und prüfen weitere mögliche Standorte in der Stadt.