Pratteln
Grosse Solidarität nach der Explosion im Längi-Quartier

Es ist ein grauer Sonntag für Pratteln. Die Wolken hängen tief über dem Längi-Quartier, der Regen prasselt unerbittlich auf die unzähligen Helfer, die auch einen Tag nach dem Unglück durch die Räumungsarbeiten stark herausgefordert sind.

Sebastian Moos
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Die Einsatzkräfte stehen im Dauereinsatz. Insgesamt sind es 357 Einsatzkräfte. Auch an diesem regnerischen Sonntag gehen die Räumungsarbeiten voran. Mulden werden angekarrt, in denen der Müll deponiert wird. Leute verschiedenster Rettungskräfte arbeiten Hand in Hand, gerade stossen ein paar Männer ein Auto auf Rollen aus dem Weg. Alle sind dick eingepackt, Mützen und Hüte schützen nur bedingt gegen den Regen.
In der Nacht hat der Zivilschutz bereits mit ersten Reparaturarbeiten begonnen. «Durch die Druckwelle hat es in den umliegenden Gebäuden rund 200 Scheiben eingeschlagen», erklärt Walther. Die Scherben müssen weggeräumt, die Fenster abgedeckt werden.
Freiwillig im Nacht-Einsatz
Drei Personen beobachten aus der Ferne die Aufräumarbeiten. Das Geschäft hinter ihnen liegt knapp 80 Meter vom Ort der Explosion entfernt: Trotzdem sind auch hier teilweise die Scheiben eingeschlagen. Frank Kamphausen arbeitet im Betrieb gleich nebenan. Er stellte sofort Strom für Rettungsarbeiten zur Verfügung und hat die ganze Nacht hindurch für die Hilfskräfte Kaffee gekocht. Die Halle im Untergeschoss stellt er als Unterkunft für sie zur Verfügung. Bänke wurden aufgestellt, die Helfer konnten sich aufwärmen, essen und trinken.
Kamphausen war selbst gerade draussen, als es zur Explosion kam. «In dem Moment wie ich rauskam gabs den Hieb», erklärt er. Von der Druckwelle blieb er allerdings verschont, ein Gebäude gab ihm Deckung. Nach der einmaligen Explosion habe es gequalmt, «ein Haufen Leute stand auf der Strasse, es war ein schreckliches Durcheinander». Bereits nach höchstens fünf Minuten seien die ersten Polizei-Fahrzeuge eingetroffen, schon bald stand ein ganzer Trupp im Einsatz.
Kamphausen stellt den Einsatzkräften ein sehr gutes Zeugnis aus: «Das war aus meiner Sicht top organisiert. Das war nicht besser machbar.» Die Rettungsarbeiten sind die ganze Nacht hindurch gelaufen, «bis 23 Uhr liefen sie in voller Besatzung.»
Nicht nur Kamphausen zeigte spontan Einsatz, auch sonst scheint die Solidarität in Pratteln mit den Betroffenen gross zu sein. «Man spürt eine grosse Hilfsbereitschaft», erklärt Walther. Anwohner hätten zuerst die Betroffenen betreut, die Disziplin aller Beteiligter sei gross gewesen.
Die Szenerie in Pratteln scheint auch ein Tag danach unwirklich. Kamphausen bringt es auf den Punkt: «Solche Szenen sieht man zigfach in Actionfilmen. Aber dass man das selber erlebt, ist schon verrückt.»

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