Niederdorf
Grosser Ausverkauf in der «Mühle» in Niederdorf

Nach 17 Jahren verlässt René Wüthrich das Restaurant «Mühle» in Niederdorf, das die Gastronomie-Szene im Ort entscheidend mitgeprägt hat – für den Betrieb gibt es keinen Nachfolger

Seraina Degen
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«Alles ist schön, und es fällt mir schwer, mich davon zu trennen», sagt René Wüthrich. Seraina Degen

«Alles ist schön, und es fällt mir schwer, mich davon zu trennen», sagt René Wüthrich. Seraina Degen

Auf den Tischen befinden sich seit einer Woche keine Gedecke mehr. Der Kochherd ist abgestellt. Statt Messer und Gabel stapelt sich im Säli und im hinteren Teil des Restaurants Mühle das ganze Inventar, fein säuberlich sortiert.

Mit einem freundlichen «Guten Morgen» begrüsst René Wüthrich seine Kundschaft und lässt sie nachher in Ruhe die Ware besichtigen. An diesem Tag trägt er ein mit Hunden verziertes Hemd. Auch er gilt ein wenig als bunter Hund mit einem Flair für Dekorationen aller Art. So stehen Porzellanteller neben Weingläsern, daneben sind die Kerzenständer aufgestellt und auf dem Tisch vis-à-vis befinden sich Dutzende goldene Engel in allen Variationen.

«Augen zu und durch»

Dekorationsmaterial für den Herbst und Winter, diverse Kunstblumensträusse, Tischtücher en masse sowie das ganze Kücheninventar bietet René Wüthrich in diesen Tagen feil: «Bis jetzt bin ich zufrieden mit dem Ausverkauf. Die Leute kommen und gehen, und jeder nimmt etwas mit.» Wie viele einzelne Stücke zum Verkauf stehen, weiss Wüthrich nicht. Darauf angesprochen, ob ihm die Trennung von all seinen Sachen schwer falle, meint er: «Alles ist schön, und es fällt mir schwer, mich davon zu trennen. Nun schliesse ich diesen Zyklus ab, Augen zu und durch lautet meine Devise.»

Als einer von drei Wirten hat er 17 Jahre lang die Gastronomie-Szene im Dorf entscheidend mitgeprägt. Der zuvorkommende Wirt, der für seine Gäste stets ein freundliches Wort und ein Lächeln auf den Lippen hatte, ist in Niederdorf aufgewachsen. Während seiner Wanderjahre arbeitete er in Betrieben in der Innerschweiz, in Basel und Egerkingen. Als das Restaurant Mühle 1994 einen neuen Pächter suchte, bekam er den Zuschlag und kehrte in sein Heimatdorf zurück. Bereits als kleiner Junge half er den damaligen Pächtern aus und baute allein schon deswegen eine enge Bindung dazu auf. Seine persönlichen Highlights waren die Theateraufführungen im Säli: «Das war stets eine Herausforderung.» Aber auch Hochzeiten oder Taufen waren etwas Spezielles für René Wüthrich.

Abschied naht

In all den Jahren wurde er tatkräftig von seiner Familie unterstützt. Nun hört er per Ende Mai mit dem Wirten auf, bleibt aber Niederdorf als Einwohner erhalten. Er wird sich eine dreimonatige Auszeit gönnen, «um zu studieren, was ich in Zukunft machen will», wie er sagt. Die neue Tätigkeit muss ihm grundsätzlich Freude bereiten und nicht zwingend mit dem Gastgewerbe zu tun haben: «Ich bin für alles offen und hoffe auf ein gutes Angebot.»

So wenig, wie er sich über seine Zukunft bereits Gedanken gemacht hat, hat er auch noch keine Zeit gefunden, sich mit dem Abschied von der «Mühle» auseinanderzusetzen. «Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge. Aber fragen Sie mich im Juni wieder, wie es war, wenn hier alles vorbei ist.»

Der Ausverkauf des gesamten Inventars des Restaurants Mühle in Niederdorf dauert bis Samstag, 21. Mai.