Baselbieter Schulen
Gschwinds Umbaupläne stossen in Muttenz und Liestal auf Widerstand

Regierungsrätin Monica Gschwind will die Baselbieter Schullandschaft umplanen. Muttenz aber fordert vom Kanton eine bessere Erschliessung, Liestal Ersatz für den Wegzug mehrerer Schulen.

Hans-Martin Jermann
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Innere Verdichtung: Auf dem bestehenden Muttenzer Schul-Campus mit Gewerbeschule (links) und FHNW-Altbau hätte es noch Platz für An- oder Neubauten. Ken

Innere Verdichtung: Auf dem bestehenden Muttenzer Schul-Campus mit Gewerbeschule (links) und FHNW-Altbau hätte es noch Platz für An- oder Neubauten. Ken

Kenneth Nars

Am 19. Juni wird die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind die Katze aus dem Sack lassen und ihre Pläne zur Reform der Sekundarstufe II – also der nach-obligatorischen Schulen – präsentieren. So gut wie sicher ist, dass die Gewerblich-industriellen Berufsschulen von Muttenz und Liestal zusammengelegt werden. Eine Fusion der beiden, heute unabhängig voneinander operierenden Gewerbeschulen hätte grosse Auswirkungen auf die Standortgemeinden. Schliesslich bilden die Gewerbeschulen je rund 1500 Lehrlinge aus und beschäftigen je knapp 150 Mitarbeitende.

Liestal: Uni-Campus erst recht

Deutlich äussert sich der Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott: «Den ersatzlosen Wegfall der Gewerbeschule und eine weitere Ausdünnung des Bildungsangebots in Liestal zugunsten von Muttenz könnten wir so nicht hinnehmen.» Die Pflegefachschule hat bereits vor Jahren den Baselbieter Kantonshauptort verlassen, die Pädagogische Hochschule wird 2019 wegziehen – ebenfalls nach Muttenz. Nun droht auch noch der Verlust der Gewerbeschule. Der Stadtpräsident sieht Liestals zentralörtliche Bedeutung als Bildungsstandort in Gefahr – dies ausgerechnet jetzt, wo endlich deutliche Entwicklungsimpulse spürbar sind. «Falls der Wegzug der Schule Realität wird, sehen wir den Kanton in der Pflicht, in Liestal für Ersatz zu sorgen», fordert Ott. Was dieser Ersatz sein könnte, ist bekannt: eine Ansiedlung substanzieller Bestandteile der Universität Basel. Ott erinnert daran, dass die Stadt der Regierung eine «Offerte für einen attraktiven Voll-Campus» am Bahnhof unterbreitet habe.

Für Liestal ist der Wegzug der Gewerbeschule indes nicht nur mit Risiken, sondern auch mit Chancen verbunden: So könnten freie Räume in der heutigen Gewerbeschule helfen, drohende Engpässe bei der stadteigenen Primarschule zu lösen. Dies anerkennt Lukas Ott, doch er sagt: Dazu sei nötig, dass Kanton und Stadt ihre Pläne aufeinander abstimmten. Leider hätten bisher keine Gespräche für eine gemeinsame Schulraumplanung stattgefunden. «Die Strategie des Kantons ist für mich nicht spürbar. Ich sehe keine Gesamtschau», kritisiert Ott.

In Muttenz präsentiert sich die Situation mit dem Schulraum ganz anders als in Liestal: Der bestehende Bildungs-Cluster im Gebiet Kriegacker wird in naher Zukunft eine Aufwertung erfahren – unabhängig davon, ob die Gewerbeschulen auch noch hier zentralisiert werden. Grund ist der Neubau der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) auf dem nahen Polyfeld, der 2018 eingeweiht und eine zusätzliche, vierstellige Anzahl FHNW-Studierender nach Muttenz bringen wird. Für die Schulbauten im Gebiet Kriegacker, darunter den FHNW-Altbau, die Gewerbeschule und das Gymnasium, hat der Landrat im Juni 2016 einen Projektierungskredit für ein Konzept mit Neubauten und Sanierungen gesprochen.

Muttenz: Platz für Gewerbeschule

Darin war die Zusammenlegung der Gewerbeschulen noch kein Thema. Der fürs Bauwesen zuständige Muttenzer Gemeinderat Thomi Jourdan sagt nun allerdings: «Für uns war immer klar, dass es dem Kanton möglicherweise um mehr geht als nur darum, den heutigen Bestand an Schulbauten zu sanieren. Was eine Zusammenlegung von Schulen für die laufende Planung bedeutet, ist aber noch zu prüfen.» Mit anderen Worten: Die nun angedachte Fusion der beiden Gewerbeschulen könnte wohl ins Muttenzer Sek-II-Programm aufgenommen werden. Laut Jourdan wäre im Geviert zwischen Kriegacker- und Gründenstrasse Platz für eine Ausdehnung der Gewerbeschule vorhanden. Eine solche «innere Entwicklung» würde vom Gemeinderat wohl gutgeheissen. Zugleich betont Jourdan: «Eine Ausweitung des Schulperimeters stellt für uns hingegen keine Option dar.»

Zudem pocht Jourdan auf eine bessere Erschliessung des Bildungs-Clusters Polyfeld und Kriegacker. «Planung und Bau eines Schulhauses hören nicht an deren Mauern auf. Der Schulweg gehört dazu», betont er. Die Kriegackerstrasse ist auf dem Papier eine Gemeindestrasse, wird aber auch von Lastwagen und anderem überkommunalen Verkehr genutzt. Die Trottoirs sind eng. Der Bahnhof vermag zu Spitzenzeiten morgens und abends die ab- und zufliessenden Schüler-Scharen kaum zu bewältigen. Mit dem FHNW-Neubau und der fusionierten Gewerbeschule würde sich die Situation noch verschärfen. «Für das Thema Schulweg ist ein Gesamtkonzept nötig. Der Kanton muss sich dafür zwingend in die Verantwortung einbinden lassen», fordert Jourdan.

Für ihren Masterplan wird Bildungsdirektorin Gschwind und mit ihr die Baselbieter Regierung in den Gemeinden Liestal und Muttenz noch einige Überzeugungsarbeit leisten müssen.

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