Rothenfluh
Gut Ding will Weile haben: Endlich fällt der Startschuss zur Gesamtmelioration

Endlich kann die vor zwölf Jahren angestossene Gesamtmelioration in Rothenfluh beginnen. An der Gründungsversammlung werden die Vollzugs-, Schätzungs- und Rechnungsprüfungskommission gewählt sowie die Statuten genehmigt. Danach führt die Genossenschaft die Gesamtmelioration in enger Kooperation mit dem Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach durch.

Simon Tschopp
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Der für die Melioration zuständige Gemeinderat Albert Bürgi.

Der für die Melioration zuständige Gemeinderat Albert Bürgi.

Simon Tschopp

Freude herrscht in Rothenfluh. Nach jahrelanger Verzögerung fällt heute Abend der Startschuss zur Gesamtmelioration. In der Mehrzweckhalle wird die Genossenschaft gegründet. Das bereits 2005 initiierte Projekt kann anlaufen und beansprucht einige Jahre.

An der Gründungsversammlung werden die Vollzugs-, Schätzungs- und Rechnungsprüfungskommission gewählt sowie die Statuten genehmigt. Danach führt die Genossenschaft die Gesamtmelioration in enger Kooperation mit dem Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach durch.

Ex Landrat soll Präsident werden

Als Präsident der siebenköpfigen Vollzugskommission ist Heinz Aebi, ehemaliger SP-Landrat und früherer Gemeindepräsident von Nenzlingen, vorgeschlagen. Das einstige Mitglied der Meliorationskommission von Blauen ist mit der Durchführung von Meliorationen im Baselbiet vertraut. Der Laufentaler setzte sich schon als Landrat für die Zukunft des Meliorationswesens im Baselbiet ein. In gewisser Weise ist auch das grosse Vorhaben in Rothenfluh Aebis damaligem Engagement zu verdanken.

«Für unsere Gemeinde ist das ein ganz wichtiges Projekt; es ist umfangreich, kostet eine Stange Geld und wird über Jahre dauern», sagt der für die Melioration zuständige Gemeinderat Albert Bürgi. Der Vollzugskommission, der ein Gemeinderatsmitglied angehören wird, kommt besondere Bedeutung zu. Sie habe eine enorme Verantwortung, betont Bürgi, «und muss unterschiedlichste, konfliktbeladene Situationen durch Verhandlungen einvernehmlich lösen können».

Dazu sei Heinz Aebi der richtige Mann, ist Bürgi überzeugt. «Er ist als Auswärtiger neutral und interessenungebunden sowie kompetent, ein Gremium zu führen und einen komplexen Prozess zu leiten.» Das sei eine anspruchsvolle Aufgabe. Aebis Berufung kam laut Albert Bürgi durch diverse Kontakte zustande.

Kanton verzögerte Projekt

Wegen klammer Finanzen des Kantons Baselland war die Gesamtmelioration Rothenfluhs in den vergangenen Jahren auf die lange Bank geschoben worden. Das sorgte im Oberbaselbieter Dorf für reichlich Ärger. Umso grösser war die Erleichterung, als die Regierung die Landratsvorlage im vergangenen März verabschiedet und zwei Monate später das Kantonsparlament das Geld bewilligt hatte – einen Verpflichtungskredit von gut 2,8 Millionen Franken, verteilt über die Jahre 2018 bis 2028.

Die Gesamtkosten für die Melioration in Rothenfluh inklusive amtlicher Vermessung werden auf rund 8,3 Millionen Franken veranschlagt. Auch der Bund beteiligt sich mit rund 2,8 Millionen und hat seinen Beitrag schon 2010 zugesichert. Den Rest müssten gemäss Gesetz die Landeigentümer tragen. Die Gemeindeversammlung hat jedoch Ende September beschlossen, davon einen Drittel zu übernehmen. Denn die Einwohnergemeinde Rothenfluh erwartet von der Infrastruktur wie den Feldwegen einen grossen Nutzen. Weitere Vorteile sieht sie bei ökologischen Massnahmen und beim Angebot an Freizeitaktivitäten für Wanderer, Biker und Reiter.

Erste Gesamtmelioration

Durch eine gezielte Güterzusammenlegung werden kleine Parzellen, die eine Bewirtschaftung erschweren, zu grösseren Einheiten gebündelt. Die Erschliessung mit Wegen und die bestehenden Entwässerungsleitungen werden optimiert. Rothenfluh hat noch nie eine Gesamtmelioration durchgeführt und zählt zu den letzten Baselbieter Kommunen ohne Felderregulierung.

Der Perimeter von Rothenfluhs Gesamtmelioration umfasst eine Fläche von 575 Hektaren. 1520 Parzellen und rund 250 Landeigentümer sind davon betroffen.