Theater Basel
Guy Morin: Baselland soll 1,4 Millionen mehr ans Theater zahlen

Die Regierungen beider Basel beraten derzeit über ein politisch heikles Dossier: den Subventionsantrag des Theaters Basel für die kommenden Spielzeiten. Der Beitrag aus Baselland soll um 1,4 Millionen Franken pro Jahr steigen.

Hans-Martin Jermann
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Die Gesamtausgaben erhöhen sich so auf 72 Millionen Franken.

Die Gesamtausgaben erhöhen sich so auf 72 Millionen Franken.

Keystone

Eine kleine Bombe liess der Basler Regierungspräsident Guy Morin im bz-Interview von gestern Montag platzen. Er forderte konkret eine Aufstockung des Baselbieter Beitrags an das Theater Basel um 1,4 Millionen Franken jährlich. Dies sagte Morin im Gespräch, in dem es um die anstehende Fusions-Abstimmung ging. Derzeit behandeln die Regierungen beider Basel den Subventionsantrag des Theater Basel für die vier Spielzeiten 2015/16 bis 2018/2019. Inhaltlich wollen die Beteiligten derzeit keine Stellung nehmen zu den Verhandlungen. Ein Entscheid der Baselbieter Regierung sei «voraussichtlich innert Monatsfrist» zu erwarten, teilt Kulturdirektor Urs Wüthrich auf Anfrage mit.

Ein positives Signal aus Baselland

Wie die bz weiss, sieht der Antrag des Theaters eine Erhöhung der Subventionen um die genannten 1,4 Millionen Franken vor (siehe Text unten). Demnach müsste Baselland den zusätzlichen Subventionsbedarf tragen. Morin begründet dies im Interview mit dem aktuellen Ungleichgewicht bei den Kantonsbeiträgen: Baselland hat in der 2015 ablaufenden Subventionsperiode via Kulturvertragspauschale rund 4,5 Millionen Franken pro Jahr ans Theater bezahlt, seitens von Basel-Stadt waren es total 47 Millionen – mehr als das Zehnfache. Neben der Subvention von rund 30 Millionen übernimmt der Stadtkanton Unterhaltskosten und leistet Vorsorgebeiträge. Demgegenüber stammen die Theaterbesucher zu gleichen Teilen aus Stadt- und Landkanton.

Das Theater-Dossier ist ein Minenfeld: Im Februar 2011 lehnte das Baselbieter Volk in einer Referendumsabstimmung knapp eine Subventionserhöhung um 4,25 Millionen Franken pro Jahr ab – also 17 Millionen für die gesamte Subventionsperiode 2012 bis 2015. Der neue Antrag kann als Versuch interpretiert werden, Baselland mit einem Kompromiss stärker in die Theaterfinanzierung einzubinden. Ein Versuch, der politisch nicht aussichtslos ist: Der Landrat hat im vergangenen März einen Vorstoss von Hans Furer (GLP) gutgeheissen, wonach die Regierung prüfen soll, inwiefern eine tiefere Subventionserhöhung als die damals abgelehnten 4,25 Millionen Akzeptanz fänden. Kulturdirektor Wüthrich machte sich im März ebenfalls für eine neue Theatervorlage stark.

SVP-Landrat Paul Wenger, Präsident der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission (BKSK), ist allerdings skeptisch. Er verschliesse sich dem Gespräch nicht. «Aber ich setze einige Fragezeichen dahinter, ob Baselland mehr Geld ans Stadttheater sprechen soll.» Schliesslich habe vor nicht allzu langer Zeit eine Mehrheit des Volks höhere Beiträge abgelehnt und damit auch kulturpolitisch ein Zeichen gesetzt.

Wenger könnte sich vorstellen, die kantonale Kulturpauschale, mit welcher Institutionen in der Stadt mitfinanziert werden, zu erhöhen; davon profitieren sollen laut Wenger aber andere – seiner Ansicht nach weniger elitäre – Einrichtungen als das Theater Basel. Abgesehen von den Äusserungen des BKSK-Präsidenten ist der Meinungsbildungsprozess im Landrat nicht weit fortgeschritten. Mehrere von der bz angefragte Parlamentarier wussten gar nicht, dass die Regierungen über das Subventionsgesuch des Theaters beraten.

Springt Basel in die Bresche?

Wie würde Basel-Stadt auf ein neuerliches Nein zu höheren Theaterbeiträgen aus dem Baselbiet reagieren? Nach der aus Sicht des Theaters negativen Volksabstimmung sprach der Basler Grosse Rat für einen Teil des Fehlbetrags einen jährlichen Zusatzkredit. CVP-Grossrat Oswald Inglin, Präsident der Bildungs- und Kulturkommission (BKK), mag nicht die Hand ins Feuer legen, dass der Stadtkanton schon wieder in die Bresche springen würde. «Das gäbe schwierige Diskussionen im Grossen Rat», prophezeit Inglin. Er selber hätte mit höheren Beiträgen des Stadtkantons keine Mühe: «Wenn Baselland den Zusatzbeitrag verweigert, so haben wir schlicht Pech gehabt. Jedenfalls sollten wir nicht von diesem Beitrag abhängig machen, wie das Theater finanziell aufgestellt ist.»

Im Gegensatz zu Grossrat Inglin will sich Morin in dieser Frage nicht exponieren – wohl auch aus taktischen Gründen: Ein zu frühes Einlenken könnte Liestal signalisieren, dass die Stadt schon bezahlen werde. Im Gegenteil nimmt Morin gegenüber der bz die Baselbieter in die Pflicht: «Seitens des Kantons Basel-Stadt ist das Ziel eine solide partnerschaftliche Entwicklung des Theaters, dessen Zukunft und Entwicklung dem Kanton sehr am Herzen liegt und wichtig ist für die ganze Region.»