Entlastungspaket
Gysin spricht beim letzten Gefecht voreilig vom Sieg

Noch-Wirtschaftskammer-Direktor Hans Rudolf Gysin, der sich beim Abstimmungskampf zum Entlastungspaket im Pro-Komitee engagiert, zeigt sich sehr zuversichtlich.

Leif Simonsen
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Hans Rudolf Gysin hätte gerne die Grünen-Präsidentin Florence Brenzikofer im Pro-Komitee gesehen. Jun

Hans Rudolf Gysin hätte gerne die Grünen-Präsidentin Florence Brenzikofer im Pro-Komitee gesehen. Jun

Hans Rudolf Gysin, der mächtige Wirtschaftskammer-Direktor, geht Ende August in Pension. Noch ein letztes Mal steigt er beim Abstimmungskampf für das Entlastungsrahmengesetz in den Ring – im Pro-Komitee. Nächste Woche, so berichtet die «Basler Zeitung», soll es in Erscheinung treten. Die Zuversicht scheint grenzenlos beim FDP-Doyen: «Auf der Liste, die ich vor mir habe, sind ausser FDPlern, SVPlern und CVPlern auch noch BDPler. Und Brenzikofer steht auch drauf.»

Was wie eine faustdicke Überraschung klingt, entpuppt sich als Ente. Florence Brenzikofer würde es wohl nicht wagen, die eigene Parteibasis nach ihrer Wahl zur Grünen-Präsidentin zu vergraulen. Die hatte nämlich an der Mitgliederversammlung gegen das Entlastungsrahmengesetz gestimmt, das unter anderem einen Abbau in der Bildung sowie eine Steuerharmonisierung beinhaltet. Brenzikofer stellt richtig: «Ich bin gegen das Entlastungsrahmengesetz.» Vielmehr sitze sie im Nein-Komitee.

Ein Irrtum mit Aussagekraft

Gysin Absicht zu unterstellen, wäre vermessen. «Ich hatte die ganze Liste vor mir – darunter waren auch diejenigen, die abgesagt haben», entschuldigt er den Fauxpas. Von den Grünen ist bisher nur Landrat Klaus Kirchmayr im Komitee, von der BDP offenbar niemand. Eines aber zeigt der Irrtum: Gysin ist sich sicher, dass seine Abstimmungskampagne breit abgestützt ist und das Anliegen in der Bevölkerung eine Mehrheit finden wird.

Einerseits, weil es die Notwendigkeit des Sparens erkenne, andererseits, weil die Gegner des Entlastungsrahmengesetzes die Bürger vor den Kopf gestossen hätten. Gysin reibt sich vor allem am Wort «verlogen», mit dem die Gegner das Entlastungsrahmengesetz betiteln. Damit seien die «Regeln des Anstands» gebrochen worden.

Welchen Ton das Ja-Komitee wählt, will Gysin aber nicht verraten. Ebenso wenig das Budget. Eines ist aber sicher: Die Wirtschaftskammer wird in diesem Jahr den Kürzeren ziehen, was die Präsenz angeht. Das jedoch bereitet dem Noch-Wirtschaftskammer-Direktor keine Bauchschmerzen. «Die Bevölkerung bekommt das Gefühl, dass die Lehrer viel Geld haben», glaubt Gysin. Bei einer Abstimmung, wo es ums Sparen geht, sei das kein gutes Signal. Die Wirtschaftskammer müsse ihren Abstimmungskampf im Gegensatz zu den Spargegnern aus kleinen Beiträgen speisen: «Verschiedene Gewerbetreibende steuern etwas bei. Wir haben einen Fonds errichtet.»

«Extrem bescheidenes Budget»

Dass das Geld beim Nein-Komitee locker sitzt, streitet der Grünen-Landrat Jürg Wiedemann ab. Der Kopf des Komitees «Gute Schule Baselland» weist daraufhin, dass man mit 25000 Franken ein «extrem bescheidenes Budget» habe. Dass man eine derart grosse Kampagne fahren könne, hänge mit dem Engagement von Freiwilligen zusammen. Die Wirtschaftskammer müsse hingegen die Helfer entlöhnen.

Taktisch, da ist sich Gysin sicher, hat er nichts falsch gemacht. Auch, dass die Wirtschaftskammer die Kampagne erst kurz vor dem Versand der Abstimmungsunterlagen lanciert, sei kalkuliert. «Diese frühe Plakat-Aktion der Gegner musste man voll hängen lassen.» Eine Blösse will er sich auch beim letzten Gefecht nicht geben.