Basellandschaftliche Kantonalbank
«Haben viel Hirnschmalz, der vom Kanton positiv genutzt werden kann»

BLKB-Chef Beat Oberlin würde gerne den Landkanton künftig intensiver beraten. «Wir haben sehr viel Hirnschmalz, der vom Kanton positiv genutzt werden kann», sagt er. Man fühle sich absolut in der Lage den Kanton zu begleiten.

Daniel Haller
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BLKB-Direktor Beat Oberlin möchte lieber auf allen Klaviertasten spielen.

BLKB-Direktor Beat Oberlin möchte lieber auf allen Klaviertasten spielen.

Martin Töngi

Herr Oberlin, Sie kritisierten als Direktor der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB), das Steuerabkommen mit Deutschland sei administrativ für kleine Banken kaum zu bewältigen. Sind sie nun froh, wenn es scheitert?

Beat Oberlin: Als Bank muss ich den Willen der Politik entgegennehmen und intelligent umsetzen. Doch grundsätzlich habe ich als Kantonalbank keine Argumente für Konzepte, die darauf hinauslaufen, dass man Steuern nicht bezahlt. Ich habe deshalb wenig Sympathien für Abgeltungssteuern. Persönlich widerstrebt es mir, als Steuereintreiber für ein fremdes Land zu operieren. Ich bin nicht traurig, wenn das Abkommen nicht zustande kommt. Und die BLKB will in jedem Fall weiterhin nur Kunden, die ihr Geld versteuert haben.

Sie beschrieben im Sommer die Schwierigkeit, kurzfristig Vorschriften umzusetzen, zu denen es keine Wegleitung gibt. Ist das mittlerweile auf dem Schlitten?

Im Gegenteil: Vor ein paar Tagen wurde die Wegleitung erneut geändert. Nun wäre wieder eine andere Schnittmenge Kunden betroffen. Es ist, wie wenn man einen Frisbee wirft und versucht, der unberechenbaren Flugbahn nachzurennen. Solch dauerndes Nachbessern ist extrem teuer und unrentabel.

Kann man dies beziffern?

Beim Aufwand für die BLKB sprechen wir von einem sechsstelligen Betrag. Nun sind wir aber auf beide Fälle vorbereitet.

Neben dem Steuerabkommen bezeichnen Sie die «Regulationswut» des eigenössischen Parlaments als Risiko. Weshalb?

Nicht nur aus den Absichten des Parlaments, sondern auch der eidgenössischen Finanzaufsicht Finma resultiert ein Risiko für kleine Universalbanken. Die Eigenkapitalvorschriften betreffen auch uns...

... aber sind Sie da mit einer Eigenkapitalquote von 209 Prozent nicht auf der sicheren Seite?

Für sich allein genommen wäre dies für die BLKB auch nicht das Problem. Nun werden aber Liquiditätsvorschriften für Kredit gebende Banken diskutiert, die uns zwingen würden, langfristig 1Milliarde Franken zusätzlich aufzunehmen. Die Prüfungsvorschriften der Nationalbank und der Finma für das Hypothekarwesen sind unterschiedlich: In dieser unglaublichen Regelungsdichte muss man immer mehr rapportieren. Das ist aufwendig.

Dies betrifft doch alle Banken.

Ja. Aber Grossbanken können den Aufwand und die Anpassungskosten auf viele Kunden umlegen, die Kleinen nicht. Deshalb bevorzugen neue Regulierungen die Grossen und benachteiligen die Kleinen.

Die mit einem Top-Rating ausgestattete BLKB wird doch kaum in Existenznöte geraten.

Wir würden davon aufgrund unserer Stärke vielleicht sogar profitieren. Ich bedaure aber, wenn die Banken, die noch kleiner als wir sind, Probleme bekommen. Ursprünglich wollte die Politik doch etwas anderes: Das Problem «Too big to fail» lösen. Die Konsequenz ist nun ein «Too small to survive» – zu klein, um zu überleben!

Benötigt man mit einem Rating AA- respektive einem TripleA überhaupt eine Staatsgarantie?

Die Kunden haben ein grosses Bedürfnis nach Sicherheit, Vertrauen und Nachhaltigkeit. Die Staatsgarantie ist die Verpflichtung des Eigentümers, dafür einzustehen. Es ist aber absolut tabu, auch nur in die Nähe einer Situation zu kommen, in der wir die Staatsgarantie in Anspruch nehmen müssten. Zudem: Wir haben eine explizite Staatsgarantie, andere haben – wie wir gesehen haben – eine implizite. Der Staat kann die Grossbanken gar nicht fallen lassen.

Also ist die Abschaffung der Staatsgarantie für Sie kein Thema?

Die explizite Staatsgarantie ist fairer, denn wir bezahlen dafür. Die Voraussetzung ist, dass eine Bank mit Staatsgarantie auch ihr Risikoprofil entsprechend gestaltet. Sie sollte keine Geschäfte machen, die zwar sexy, aber risikobehaftet sind. Wir haben dies nie gemacht und werden es auch nie tun.

Sie bieten aber Hypotheken schweizweit via Swissquote im Internet an, also ausserhalb der im Kantonalbankgesetz genannten primären Geschäftsregion: Fressen Sie da nicht über den Zaun?

Nein, wir haben schliesslich auch sonst Kunden ausserhalb des Kantons. Die Idee hinter der Kooperation mit Swissquote ist, dass wir unsere Kernkompetenz, das Hypothekargeschäft, auch anderen Kunden anbieten. Und wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden: Im dritten Quartal konnten wir gegenüber dem Vorjahr das Volumen praktisch verdoppeln.

Die BLKB spielt im Kanton über ihre Funktion als Finanzinstitut hinaus eine Rolle, etwa beim Energiepaket, beim Schloss Wildenstein, beim Business Parc Reinach oder als Sponsor für Sport und Kultur. Wie definieren Sie die Position, welche der BLKB im Kanton?

Wir wollen als Bank die Nummer1 sein und zugleich die soziale Verantwortung einer Kantonalbank wahrnehmen. Wir haben einen volkswirtschaftlichen Auftrag.

Konkret?

Wenn der Staat als unser Eigentümer beispielsweise Gebäude energetisch sanieren will, liegt es nahe, dass er dafür mit seiner Bank privilegiert zusammenarbeitet. Dies könnte man meiner Meinung nach ausbauen.

Heisst «privilegierte Stellung» auch, dass die BLKB in der angekündigten Wirtschaftsoffensive des Kantons eine aktive Rolle spielen möchte?

Dies ist alles noch im politischen Prozess. Wir schliessen uns als Bank von politischen Prozessen aus. Erst bei der Umsetzung kommen wir ins Spiel und können beispielsweise Projektberatung anbieten. Und wenns um Finanzieren geht, bieten wir unsere Dienste an.

Die Wirtschaftskammer fordert, der Kanton solle für Arealentwicklung im Rahmen der Wirtschaftsoffensive Geld aufnehmen. Wäre dies ein Punkt, an dem Sie eine prominentere Rolle spielen könnten?

Wir stehen immer bereit, den Kanton aktiv zu unterstützen – wenn dies gewünscht wird. Wir mischen uns nicht aktiv in die Politik ein, aber es würde nicht schaden, wenn wir mehr beigezogen würden.

Sie trauen sich also mehr Sachverstand zu, als er bei vielen Politikern zu finden ist?

Jetzt wollen Sie mich aufs Glatteis führen! Aber wir vereinen in der Geschäftsleitung zu verschiedenen Aspekten des Finanzgeschäfts eine hohe Kompetenz. Diese ist bezüglich der Region grösser als etwa bei den Grossbanken. Diese Fähigkeiten liegen auf dem Tablett, der Kanton kann sich bedienen.

Der Kanton muss die Kompetenz also selbst abholen?

Natürlich stehen wir in einem Dialog. Aber es liegt mehr Potenzial drin, wenn man alle Klaviertasten spielen könnte. Der Kanton könnte mehr herausholen, wenn er mehr mit uns zusammenarbeiten würde. Wir gehören ihm ja.

Sie möchten dem Kanton also nicht nur Geld abliefern, sondern auch Hirnschmalz?

In jedem Fall. Wir haben sehr viel Hirnschmalz, der vom Kanton positiv genutzt werden kann.

Wie beurteilen Sie aus dieser Warte die Finanzlage des Kantons?

Der Kanton hat ein AAA-Rating, ist also absolut solide finanziert. Das Thema ist eher die Liquiditätsplanung: Welche Projekte werden wie alimentiert? Wie viele Schulden habe ich wann? Wie und wann setze ich die Liquidität für was ein? Wie sieht die Gesamtsicht aus, wenn man alle Projekte nebeneinanderstellt? Für dieses Asset Liability Management bescheinigt uns die Finma eine hohe Kompetenz. Da fühlen wir uns in der Lage, den Kanton zu begleiten.

Das könnte eine UBS sicher auch.

Aber diese verlangt dafür hohe Gebühren. Wir nicht. Uns kann man anrufen, und zwei Stunden später stehen unsere Leute auf der Matte. Wir müssen niemanden aus London kommen lassen, wir sind in Liestal. Das ist die Riesenqualität im Gesamtpaket der Staatsgarantie.

Was macht die BLKB in Zukunft?

Den Spagat zwischen und der traditionellen Welt und der modernen, schnelllebigen Kommunikationswelt zu schaffen, wird eine grosse Herausforderung. Deshalb gehört auch Innovation zu den Aufgaben einer Bank. In der Vergangenheit waren Banken vor allem «innovativ», wenn es um Abschöpfungsmechanismen ging. Dies hat meines Erachtens wenig mit Innovation zu tun. Dagegen ist die Zusammenarbeit mit Swissquote für uns ein Innovationsprojekt, denn wir versuchen, von Online-Prozessen zu lernen. Das wird uns in Zukunft stark bewegen. Dabei müssen wir Abschied von Vergangenem nehmen und doch die Wurzeln behalten.

Sie zeigen – wie auch der nun nach Zürich entschwindende Baselbieter Polizeikommandant Daniel Blumer – viel Selbstbewusstsein und stehen im Ruf, einen guten Job zu machen: Haben die Headhunter bei Ihnen auch schon angeklopft?

In meinem Alter wäre dies zwecklos. Ich habe null Ambitionen auf einen Wechsel.

Auch nicht für einen höheren Lohn?

Nein. Ich werde sehr fair honoriert und habe bei der BLKB einen absolut tollen Job.

Sie haben also in einem Staatsbetrieb die grössere Freiheit, das Geschäft Ihren Überzeugungen gemäss zu führen, als Sie dies in einer Grossbank hätten?

Bedingungslos ja. Die Kombination von Staatsgarantie, Respekt, Verantwortung und Sorgfalt ermöglicht ein sehr nachhaltiges Wirtschaften. Das gibt nicht immer gleich viel Ertrag, aber das macht nichts. Nachhaltigkeit ist für das Gemeinwesen der höhere Wert.