Zwingen
Handwerkskunst, Kämpfe und Spiele aus dem Mittelalter beim Schlossfest

Darf es ein Schluck von diesem Liebestrank sein, fragt die Zauberhexe ihre Besucherin Eleonore, die gerne den Schlossherrn für sich gewinnen würde. Dieser ist zwar schon mit einer Dorfschönheit liiert, aber der Versuch ist es allemal wert.

Jürg Jeanloz
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Liebestränke und Liebesränke bei Schlossfest in Zeiningen
5 Bilder
Gemütliches Beisammensein der Burgmannschaft
Feuermacher Andy Müller aus Obwalden mit Zunder und Flintstein
Poulet braten auf dem Feuer
Fischen im Schlossbrunnen

Liebestränke und Liebesränke bei Schlossfest in Zeiningen

AZ

Tatsächlich: Sobald Eleonore den Trank einnimmt, wendet sich der Schlossherr abrupt von seiner Geliebten ab und hofiert Eleonore. Es folgt ein wunderschönes Balztänzchen, aber es ist nicht von langer Dauer.

Die verlassene Dorfschönheit fordert den Schlossherrn zum Duell mit dem Schwert auf, das auf Biegen und Brechen ausgefochten wird. Wie die ganze Geschichte ausgeht, wollen wir hier nicht verraten. Gespielt wird die ganze Episode vom «bunten Haufen», der Schauwettkämpfe, Aufführungen und Jonglierkünste zum Besten gibt. «Wir üben einmal pro Woche in Riehen und sind eine verschworene Gesellschaft von 15 Personen», meint der Leiter Michael Mittag. Hier in Zwingen am Schlossfest würden sie sieben Mal auftreten und im Schlosshof nach altem Brauch übernachten.

Das Feuer und seine Traditionen

Gleich nebenan demonstriert Andy Müller, wie man ohne Streichholz und Feuerzeug ein Feuer entfacht. Mit dem Feuereisen streicht er über den Flintstein, die kleinen Funken entzünden Baumwollreste, die er rasch in ein vorbereitetes Häuflein, das sogenannte Zundernestli, steckt. In Blitzeseile steigen Flammen aus dem Zundernestli, das nur noch unter den vorbereiteten Feuerhaufen gesteckt werden muss. «Im Mittelalter hat man die Dienstmädchen nach ihrer Fertigkeit mit dem Feuerentzünden ausgewählt», sagt der Feuermacher und Messerschmied Andy Müller. Er hat sogar ein Buch zum Feuer und seinen Traditionen geschrieben.

Die Kinder können sich mit einiger Geschicklichkeit zum Ritter oder Burgfräulein schlagen lassen. Bänder knüpfen, Büchsen werfen, Holzfische aus dem Brunnen ziehen und unbekannte Gegenstände ertasten sind die Bedingungen, um den Ritterschlag entgegenzunehmen.

Zuhinderst in einer Ecke hockt Meister Knieriem Stefan von der Heide, arbeitet an einem Paar Schuhe aus dem Mittelalter. Aus feinstem Leder stellt er die unförmigen Schnabelschuhe her, die genau auf den Fuss des Trägers angepasst werden. «Ein Paar Historische Schuhe kosten 275 bis 500 Euro», meint der Meister. Was wäre ein Schlossfest ohne Musik?

Das italienische Trio «Compagnia La Giostra» in Mittelalterlicher Kleidung dreht mächtig auf. Sie tanzen, spielen, singen und animieren die Zuhörerschaft zum Mitmachen. Mit Harfe, Geige, Flöte und Dudelsack veranstalten sie den lüpfigen Spektakel und ernten immer wieder grossen Beifall.

Wer vom Spielen und Zuschauen müde ist, genehmigt sich im schattigen Burgbeizli Kräuterspätzli mit einem kühlen Mass Met.