Jubiläum
Hansjörg Thommen bildet Kindersport-Leiter mit Herz fürs Kind aus

Sportamt-Mitarbeiter Hansjörg Thommen führt am Wochenende seinen 100. Leiterkurs für Kindersport in Liestal durch. Dem Seltisberger ist es wichtig, dass Leitende eine Herzlichkeit entwickeln, um die Kleinen für Sport zu begeistern.

Simon Tschopp
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Hansjörg Thommen: «Wichtig ist für mich, dass ich die Bewegung mit anderen teilen kann.»

Hansjörg Thommen: «Wichtig ist für mich, dass ich die Bewegung mit anderen teilen kann.»

Simon Tschopp

Er ist ein Bewegungsmensch durch und durch. Und gibt sein Wissen als Ausbildner gerne weiter: Der 60-jährige Hansjörg Thommen organisiert in Liestal am Wochenende seinen 100. Kindersport-Leiterkurs. Seit 1989 gibt der Seltisberger solche Kurse; damit ist der Kanton Baselland Vorreiter, schweizweit sind sie erst seit acht Jahren anerkannt. Thommens Ziel ist, dass «richtige Leute auf der richtigen Augenhöhe Kinder unterrichten».

Wer nimmt an Ihrem Jubiläums-Kurs teil?

Hansjörg Thommen: 33 Leiterinnen und Leiter von Sportvereinen aus der ganzen Nordwestschweiz. Er ist ein Basiskurs, ähnlich einem Grundkurs in Musik, und deshalb sportartenübergreifend. Die Teilnehmenden wollen sich das Rüstzeug holen, um Bewegungsgrundformen zu erlernen und damit fünf- bis zehnjährige Kinder für Sport zu begeistern. Im Gegensatz zu ausgebildeten J+S-Leitern, die Jugendliche betreuen, müssen Leitende für Kindersport ein anderes Gefühl und eine Herzlichkeit entwickeln, um die Kleinen zum Einstieg in den Sport zu bewegen und sie nicht zu überfordern.

Was vermitteln Sie den Kursteilnehmenden am Wochenende?

Praktisches Know-how, wie bei einem Kind grundlegend die Motorik verbessert werden kann. Die Unterrichtsmethoden sind spielerisch verpackt. Denn das Kind muss Spass haben und kleine Lernfortschritte machen können. Wichtig ist die Bildsprache: Wie läuft eine Eidechse? Wie rollt sich ein Igel ein? Und dass adäquate Materialien eingesetzt werden: Ballon statt harter Tennisball. Kinder sind Sporteinsteiger. Sie müssen in einer Turnhalle vertraut gemacht werden mit Fairness, Miteinander, Rücksichtnahme, Mut, Vorsicht. Lernen findet am besten über Bewegung statt. Kinder brauchen eine ganz besondere Begleitung – Leiter mit Herz fürs Kind.

Wer unterstützt Sie während des Kurses?

Ich bin froh, dass ich jeweils auf kreative und engagierte Mit-Expertinnen zählen kann. Meine Tochter ist beispielsweise eine Stütze des Kaders.

Sie bieten seit 1989 Kindersport-Kurse an. Wie vielen angehenden Leitern haben Sie schon Ihre Kenntnisse weitergegeben?

Rund 2600 Personen. Darunter sind Leute, die teils in fortgeschrittenem Alter noch diese Ausbildung absolviert haben, weil sie eigene Kinder oder Grosskinder betreuen. Auch junge Menschen besuchen meine Kurse. Die Spannweite bezüglich Alter und Sportarten ist gross. Manchmal darf ich treue Vereinsleiter als Kursbesucher begrüssen, die teils bis zehn Mal kommen.

Ändern Sie deshalb die Kursmodule regelmässig?

Ja, denn ich kann Mehrfachteilnehmenden nicht immer das Gleiche beibringen. Wenig mag sich wiederholen, jedoch in anderer Form. Wenn ich einem Kind etwas auf spielerische Weise vermitteln will, habe ich die Möglichkeit, die Herausforderungen höherzuschrauben.

Sind Kinder heute weniger fit als vor 25 Jahren?

So würde ich das nicht formulieren. Die Schere hat sich stärker geöffnet. Nicht alle Kinder sind für alles geeignet, weil nicht alle die gleichen Grundbedingungen haben. Das elterliche Umfeld ist entscheidend, ob sich ein Kind bewegt oder nicht. Die Gesellschaft muss Vorbild werden, zum Beispiel auf Rolltreppen verzichten. Und diese Botschaft muss bei den Kindern ankommen: «Mach es selber!»

Und es gibt schwächere Kinder, denen stärkere vor der Sonne stehen.

Das ist so. Schwächere haben je nachdem keinen glücklichen Einstieg in den Sport, weil andere besser sind. Ein Kind mit festerer Statur muss beim Fussball vielleicht deswegen ins Tor und ist dann der «Goaliesack» – ein schlechter Beginn. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass es auch Kindern mit Handicap möglich ist, sich zu entfalten. Sie müssen bloss die Sportart gezielt auswählen. Mehr Körpergewicht ist im Wassersport vorteilhaft.

Wie steht es um die Zukunft Ihrer Kindersport-Kurse?

Meine Nachfolge wird vorbereitet. Es ist sinnvoll, wenn sie ein Teilzeitangestellter des Sportamts übernimmt. Wir sind auch für ausgebildete Experten und Expertinnen zuständig.

Sie haben früher Leichtathletik betrieben und waren Mannschaftssportler.

Ich sprintete und bestritt Zehnkämpfe. Im Mehrkampf lernte ich, wenn mal was missglückt ist, sich auf die nächste Disziplin zu fokussieren, mit Stärken, Schwächen und Verletzungen umzugehen. Während des Winters spielte ich Eishockey in der 2. Liga. Hockey spiele ich noch heute. Ich war schon immer ein Bewegungsmensch. Wichtig ist für mich, dass ich die Bewegung mit anderen teilen kann – wie bei meinen Kindersport-Kursen.

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