Niederdorf
Hansjörg Thommen zieht es immer wieder in die Kälte

Hansjörg Thommen ist Feuer und Flamme für Expeditionen in Eis und Schnee

Simon Tschopp
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Expeditionen von Hansjörg Thommen

ZVG

Antarktis, Grönland, Spitzbergen, Franz-Josef-Land, Hundeschlitten-Touren – Hansjörg Thommen liebt die Kälte und die Exklusivität. Seit 20 Jahren unternimmt der Niederdörfer regelmässig Reisen in Gegenden, wo der Massentourismus (noch) fern ist. Badeferien am Strand sind nicht sein Ding.

Thommen mag die Abenteuerlust. Jährlich ein grosser Trip von sechs Wochen oder zwei mittelgrosse oder mehrere kleine Reisen, lautet sein Programm. Er ist 59-jährig und hat sich letzten Sommer frühpensionieren lassen, «um das Leben zu geniessen und mehr zu reisen», wie er unumwunden zugibt.

Hansjörg Thommen ist kein Weichei. An seinen bevorzugten Destinationen übernachtet er oft in Zelten und weiss im Voraus, dass er teilweise bis eine Woche der Natur ausgesetzt ist und nicht an die Wärme kann. «Landschaft und Tierwelt ziehen mich an solche Expeditionen», erklärt der grossgewachsene, stämmige Thommen, der früher als Informatiker bei einem grossen Lebensversicherer gearbeitet hat.

Eine grosse Weltkarte in Thommens Wohnung zeugt von den vielen Touren. Er hat seine bisherigen Reiseziele mit kleinen Fähnchen markiert – ganz nördlich oder ganz südlich. Viele Souvenirs und Fotos dokumentieren die Abenteuer.

«Die Tierwelt in der Antarktis
ist unschlagbar»

Bisheriger Höhepunkt war 2005 die Kreuzfahrt in die Antarktis. Auf einem alten russischen Forschungsschiff mit 40 Passagieren hatte Hansjörg Thommen ein eindrückliches Erlebnis. «Orkas jagten einen Pinguin. Dieser sah, um sein Leben zu retten, nur unser Schlauchboot und juckte zu uns hinein. Das war spannend, aber nicht ungefährlich. Denn Orkas sind grösser als das Boot», erzählt Thommen. Und die vielen Pinguine. Ein Heer von 300 000 auf einmal. «So was muss man mit eigenen Augen gesehen haben. Die Tierwelt in der Antarktis ist unschlagbar», meint der Niederdörfer begeistert, gibt jedoch zu bedenken: «Aber es ist mühsam, dorthin zu gelangen.»

Eine derartige Reise dauert viereinhalb Wochen und kostet pro Person derzeit rund 20 000 Franken; 2005 zahlte der Oberbaselbieter noch etwas mehr als die Hälfte. Sie ist keineswegs entspannend, sondern sehr anstrengend: viele Landausflüge, Eindrücke, ständig Vorträge. Das macht sehr müde, man braucht viel Schlaf.

Gerne würde Hansjörg Thommen nochmals in die Antarktis, «doch es ist zu teuer geworden». Heute werden solche Expeditionen nur noch auf grossen Schiffen mit 200 Passagieren durchgeführt. Dies macht die Landausflüge kompliziert, und sie dauern auch länger, weil von Gesetzes wegen nicht gleichzeitig alle Leute an Land gehen dürfen.

Thommen teilt die Reiseteilnehmer in drei Kategorien ein: Vermögende, Sparer und Naturliebhaber. Für Leute, die viel Geld für eine Exkursion sparten, sei diese in der Regel etwas Einmaliges. In der Antarktis waren eher ältere Leute über 50 Jahre dabei. Während dieser Zeit lebt man nah aufeinander.

Auf Spitzbergen musste Hansjörg Thommen 2009 während einer fünftägigen Hundeschlitten-Tour Temperaturen bis minus 45 Grad ertragen. Mit dem Schneesturm waren das gefühlte 60 Grad unter null. «Wir mussten das Zelt gut fixieren», erinnert sich Thommen und fügt an: Wenn man richtig ausgestattet sei, friere man nicht. Die Ausrüstung erhalten die Teilnehmer vom Veranstalter. Auf jeden Schlitten gehörte ein Gewehr – für den Notfall, dass ein Eisbär angreifen würde. Auch in Grönland musste man aufpassen. Begleitet wurde die Expedition von vier Eskimo-Jägern. Nächtigen konnte die Gruppe in Jagdhütten.

Die zahlreichen Fotos von seinen Reisen macht Hansjörg Thommen auf seiner Homepage öffentlich. Hin und wieder gibt er seine Erlebnisse an Vorträgen weiter und reichert diese mit einer Diashow an.

Nächste körperliche
Herausforderung im Sommer

Thommen ist auch ein ehrgeiziger Sportler. Das Verrückteste, das er vollbracht hat, ist der «Styrkeproven» (übersetzt: Stärkeprüfung), ein Radmarathon in Norwegen von Trondheim nach Oslo: total 540 Kilometer und 3400 Meter Höhendifferenz. Dreimal nahm Hansjörg Thommen teil, im Jahr 2000 beendete er den Wettkampf in 18:50 Stunden im 550. Rang, im ersten Drittel. «Eine reine Kopfsache», bringt es Thommen auf den Punkt. Die maximale Zeitlimite liegt bei 36 Stunden.

«Solches ist für mich eine Selbstbestätigung», gesteht der 59-Jährige, der seine nächste körperliche Herausforderung bereits plant. Er will diesen Sommer allein den Olavsweg, den Pilgerweg von Oslo nach Trondheim, als gewöhnlicher Wanderer unter die Füsse nehmen. Für die rund 600 Kilometer rechnet er fünf bis sechs Wochen. Thommen: «Ich habe alles gerne ein bisschen extrem.»

www.thommen.li