Bundesgericht
Härtere Strafen für Laufner Sex-Orgie aus Lausanne

Die höchsten Richter stützen eine Beschwerde der Baselbieter Staatsanwaltschaft. In dem Fall geht es um Schändung und sexuelle Handlungen mit Kindern.

Urs-Peter Inderbitzin
Drucken
Teilen
Der Vorwurf aus Lausanne: Das Kantonsgericht stellte einseitig auf jene Aussagen ab, die für den Täter und dessen Freundin günstig waren.

Der Vorwurf aus Lausanne: Das Kantonsgericht stellte einseitig auf jene Aussagen ab, die für den Täter und dessen Freundin günstig waren.

Keystone/LAURENT GILLIERON

Eine Party in Laufen artete in eine Sex-Orgie aus, an der auch ein 14-jähriges, vom Alkohol gezeichnetes Mädchen teilnahm. Jetzt hat das Bundesgericht entschieden, dass die strafrechtlichen Folgen teilweise neu beurteilt werden müssen.

Die sexuellen Übergriffe fanden im Mai 2010 an einer privaten Party in Laufen statt. Das Fest mit rotem Wodka und Bier war schon lange im Gange, als nachts um ein Uhr ein 14-jähriges Mädchen zur Party stiess. Das bereits alkoholisierte Mädchen konsumierte weiterhin Alkohol.

Es musste sich in der Folge mindestens einmal vor dem Haus übergeben. Zurück in der Wohnung, nahm das Mädchen erneut Alkohol zu sich. Der Teenie begab sich sodann in ein Zimmer, wo sich zwei Männer und eine 20-jährige Frau aufhielten. Dort schlief das Mädchen stark alkoholisiert ein.

Danach kam es zu verschiedenen sexuellen Handlungen zwischen der 20-jährigen Frau, dem Teenie und den beiden Männern. Der Bruder der Gastgeberin zog dem betrunkenen und schlafenden Teenie die Hose aus und vollzog mit ihm den Beischlaf. Gleichzeitig hatten die 20-jährige Frau und ihr Freund, die daneben lagen, ebenfalls Geschlechtsverkehr. Später kam es auf Wunsch der 20-jährigen Frau zu einem Partnerwechsel; ihr Freund trieb es mit dem 14-jährigen Mädchen und sie mit dem Kumpel ihres Freundes.

Kantonsgericht bestätigt

Das Strafgericht Basel-Landschaft verurteilte den Bruder der Gastgeberin wegen Schändung und sexuellen Handlungen mit Kindern zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 2 Jahren. Zudem muss er dem Mädchen eine Genugtuung von 8000 Franken bezahlen. Dieses Urteil ist rechtskräftig. Noch Gegenstand juristischer Diskussionen ist das Verhalten der 20-jährigen Frau und die Handlungen ihres Freundes.

Das Strafgericht sprach die Frau vom Vorwurf der Schändung frei; ihr Freund erhielt wegen sexuellen Handlungen mit Kindern eine bedingte Freiheitsstrafe von sieben Monaten, zudem verpflichtete ihn das Gericht, dem Opfer eine Genugtuung von 1000 Franken zu bezahlen. Das Kantonsgericht Basel-Landschaft wies die gegen diese beiden Verurteilungen erhobene Berufung des Opfers beziehungsweise der Staatsanwaltschaft ab und bestätigte das Urteil des Strafgerichts vollumfänglich.

Willkürliche Beweiswürdigung

Für das Bundesgericht verstossen die milde Bestrafung und der Freispruch gegen Bundesrecht; Lausanne erkennt auf eine willkürliche Beweiswürdigung. Der Vorwurf aus Lausanne: Das Kantonsgericht stellte einseitig auf jene Aussagen ab, die für den Täter und dessen Freundin günstig waren und kam so zum Ergebnis, dass das 14-jährige Mädchen im Zeitpunkt der Übergriffe nicht widerstandsunfähig war und deshalb keine Schändung vorliegt.

Das Bundesgericht zweifelt aufgrund von anderen Zeugenaussagen an dieser Feststellung. Es hob deshalb das Urteil des Kantonsgerichts auf und schickte den Fall dorthin zurück. Das Kantonsgericht muss nun neu prüfen, ob das Opfer im Zeitpunkt der sexuellen Handlungen widerstandsunfähig war.

Ist dies der Fall, muss der Freund der 20-jährigen Frau wie bereits sein Kumpel wegen Schändung verurteilt werden; sollte das Mädchen nicht widerstandsunfähig gewesen sein, muss das Gericht prüfen, ob eine Vergewaltigung vorliegt. Auch die freigesprochene, 20-jährige Frau ist nicht aus dem Schneider. Da sie die treibende Kraft für den Partnertausch war, muss das Kantonsgericht prüfen, ob die Frau allenfalls als Anstifterin zu verurteilen ist.