Projekt «Hopp Hase»
Hasen finden im Baselbiet den Tritt nicht mehr

Die Feldhasen-Population ist die am besten dokumentierte Tierart im Baselbiet. Die diesjährige Zählung zeigt: In Reinach gibt es mehr, in Laufen gleich wenige und in Wenslingen gar noch weniger Feldhasen.

Andreas Hirsbrunner
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Ein eindrückliches, aber kaum noch zu sehendes Schauspiel: Rammler kämpfen um eine Häsin. djv/Siegel

Ein eindrückliches, aber kaum noch zu sehendes Schauspiel: Rammler kämpfen um eine Häsin. djv/Siegel

Feldhasen in der Reinacher Ebene, im Laufener Becken und im Wenslinger Feld gehören zu den am besten erforschten Tieren im Baselbiet. Dafür sorgen Mitarbeiter, Doktorandinnen, Studenten und Helfer rund um das von Jägern und Naturschützern getragene Projekt «Hopp Hase». Doch obwohl dieses schon sechs Jahre läuft, geben die Hasen immer noch zahlreiche Rätsel auf.

Projektleiter und Wildtierbiologe Darius Weber sagt: «Unser Ziel ist, bis zum Projektende im Jahr 2016 Rezepte für die Hasenförderung zu liefern, die in die Liste mit den Landwirtschaftsmassnahmen für den ökologischen Leistungsausweis des Bundes einfliessen können.» Schaffe man das bis dann nicht, habe man das Ganze falsch angepackt und das Pulver von knapp 100000 Franken pro Jahr verschossen. Weber: «Dann müssen es andere probieren.»

Sicher ist: Das massive Dezimieren des einst grossen Baselbieter Hasenbestandes mittels der landwirtschaftlichen Intensivierung im letzten Jahrhundert war leichter, als ihn wieder aufzubauen. Doch es gibt nebst allen Fragezeichen auch erste Lichtblicke und etliche Erkenntnisse. Zu Letzteren gehört, dass das eigentliche Problem der tiefen Baselbieter Hasenpopulation bei der hohen Sterblichkeit der Jungtiere liegt. Und dass der Grund dafür nicht bei zu wenig fetthaltiger Nahrung für die Muttertiere, was sich auf die Qualität der Milch auswirken würde, zu suchen ist. Diese aufgrund österreichischer Erfahrungen aufgestellte These habe man nach einem grösser angelegten Fütterungsversuch im Laufener Becken «mit null Wirkung» fallen gelassen, sagt Weber. Fettreiches Futter wie Löwenzahn oder Rapskulturen sei bei uns eigentlich genügend vorhanden.

Heuen bleibt Todesfalle

Ebenfalls als Irrweg erwies sich der Ansatz, mittels Umstellungen beim Mähen die Hasen besser schützen zu wollen. Weber: «Eine hasengerechte Heuernte gibt es nicht – ausser Handarbeit. Und so etwas zu verlangen, wäre absurd.» Denn Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Wiese während der verschiedenen Arbeitsschritte vom Schnitt bis zum Aufladen des Grases zu 70 Prozent von Reifen überrollt wird. Junghasen, die nicht wegrennen, sondern sich ducken, haben also nur auf rund einem Drittel der Fläche eine Überlebenschance. Und wird ihnen dieses Glück zuteil, so liegen sie nachher auf der gemähten Wiese für Greifvögel, Graureiher, Störche, Füchse und Katzen «wie auf einem Präsentierteller», wie es Weber ausdrückt.

Vielversprechend sind dafür Versuche in der Reinacher Ebene angelaufen, den Junghasen sichere Ruheplätze anzubieten. Nach einem Experiment mit Hasenattrappen zeigte sich, dass diese an Feldrändern, aber auch inmitten von Wiesen und Äckern vor allem von Krähen, Katzen und Hunden gefunden werden. «Hopp Hase» setzt deshalb auf Getreidefelder und Buntbrachen.

Allerdings müssen diese gewisse Voraussetzungen erfüllen, um hasengerecht zu sein. Weber: «Wichtig ist, dass das Getreide nur etwa zwei Drittel so dicht wie normal eingesät wird, sonst wirkt es für die Hasen wie ein Palisadenzaun. Und die Buntbrachen müssen grossflächige Quadrate sein, die nach zwei Jahren umgepflügt werden.» Noch weiss Weber nicht, ob in der Reinacher Ebene die nach diesem Muster angelegten Buntbrachen oder die installierten Elektrozäune gegen Hunde oder beide Massnahmen zusammen für die erfreuliche Hasenentwicklung verantwortlich sind. Auf der knapp zwei Quadratkilometer grossen Beobachtungsfläche ist die Population von fünf Tieren im Jahr 2005 auf 15 in diesem Jahr angestiegen. Dazu komme, dass man bei der angewandten nächtlichen Zählmethode mit Autoscheinwerfern etwa die Hälfte der Tiere übersehe, ergänzt Weber. «Auch wenn wir noch nicht genau wissen wieso, sind wir hier so weit, wie wir wollten. Darauf sind wir stolz.»

Jetzt droht auch noch Hasenpest

Anders sieht es bei den beiden andern Referenzgebieten aus. In Laufen, wo vor zwei Jahren gezielt erste Buntbrachen angelegt wurden, dümpelt der Hasenbestand weiterhin auf kleinem Niveau vor sich hin. So wurden in diesem Jahr auf der 9,28 Quadratkilometer grossen Fläche wie schon 2007 zehn Hasen gezählt. Und in Wenslingen brach der ursprünglich schöne Bestand gar zusammen. Auf 6,5 Quadratkilometern zählte «Hopp Hase» vor zwei Jahren 45 Tiere, jetzt aber nur noch 23. Weber sagt: «Ich habe keine schlüssige Erklärung dafür. Landwirtschaftlich hat sich jedenfalls nichts geändert.»

Möglich sei, aber das sei reine Spekulation, dass die Hasenpest (Tularämie) vom Aargau her, wo mehrere Fälle aufgetreten seien, eingeschleppt worden sei. Die «Basler Zeitung» machte letzte Woche einen Hasenpest-Fall in Nenzlingen publik, den Ersten im Baselbiet seit langem. Weber sagt, dass sich die Forschung nicht sicher sei, ob die für Hasen tödliche und auch für Menschen gefährliche bakterielle Erkrankung über Insekten oder auch von Hase zu Hase übertragen werde. Eine solche Seuche wäre jedenfalls ein Tiefschlag für das «Hopp Hase»-Projekt.

Erfreulich ist andererseits, dass Pro Natura Schweiz vor kurzem beschlossen hat, drei grosse Versuchsgebiete in den Kantonen Baselland, Aargau und Solothurn mit dünn ausgesätem Getreide zugunsten des Feldhasen zu unterstützen. Die Organisation zahlt den betroffenen Bauern die (noch) nicht über den ökologischen Ausgleich abgedeckten Mindereinnahmen von rund 100000 Franken.