Birsfelden
Hauptstrasse soll Flaniermeile werden – die BVB ist gar nicht begeistert

Die Birsfelder Hauptstrasse ist in die Jahre gekommen. Der Kanton möchte sie nun zum Boulvevard umgestalten. Die Gemeinde ist hocherfreut. Doch die Basler Verkehrs-Betriebe finden die Pläne gar nicht gut: Sie fürchtet Verspätungen.

Benjamin Wieland
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Neue Kaphaltestellen und zwei Kreisel erhält die Birsfelder Ortsdurchfahrt, aber keine durchgängig getrennten Fahrspuren für Autos und Trams.

Neue Kaphaltestellen und zwei Kreisel erhält die Birsfelder Ortsdurchfahrt, aber keine durchgängig getrennten Fahrspuren für Autos und Trams.

Büro Metron AG

Richtig «aamächelig» ist sie nicht, die Birsfelder Hauptstrasse. Parkplätze, Grünrabatten, eine Handvoll Läden und Cafés. Zudem trennt die stark befahrene Achse das Zentrum in zwei Hälften. Doch das alles soll sich jetzt ändern.

Der Baselbieter Regierungsrat hat am Mittwoch die Pläne für die Umgestaltung der Birsfelder Ortsdurchfahrt publiziert. Das Projekt hat es in sich. So soll laut der Landratsvorlage die neuntgrösste Gemeinde im Landkanton zwei neue Kreisel und einen neuen verkehrsbefreiten Platz erhalten, es ist der Vorplatz des Theaters Roxy. Zudem werden von vier Tramstationen deren zwei vollständig zu Kaphaltestellen umgestaltet und damit behindertengerecht.

Im Zentrum teilen sich künftig Tram und motorisierter Privatverkehr die Spuren. In der Mitte der Fahrbahn ist ein zwei Meter breiter «Mehrzweckstreifen» vorgesehen. Er soll laut Bericht «die Trennwirkung der Strasse minimieren und das Zentrum gestalterisch akzentuieren». Unter dem Strich bleibt mehr Platz für Fussgänger und Velos, aber auch Parkplätze.

Gebaut werden soll ab 2024. Die vorgesehenen Gesamtkosten: 40 Millionen Franken.

«Roxy»-Platz: Verschobene Kreuzung machts möglich

Die Gemeinde war an der Ausarbeitung der Vorlage beteiligt. Laut ihrer Vernehmlassungsantwort unterstützt sie die Pläne «vollumfänglich». Gemeindepräsident Christof Hiltmann präzisiert auf Anfrage, es gebe zwar noch einige technische Details zu klären. Doch mit dem «Grund-Setup» sei man zufrieden, also auch mit den wichtigsten Neuerungen: den neuen Kreiseln bei den Tramhaltestellen Bären und Schulstrasse und der neuen Begegnungszone vor dem «Roxy».

«Wir haben jetzt die Chance», sagt Hiltmann, «unser Ortszentrum zu entwickeln. Der Abschnitt zwischen Bären und Schulstrasse soll zum Boulevard werden.» Entscheidend sei, dass die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt mit der Zentrumsplanung der Gemeinde abgestimmt ist.

Birsfelden wird die Verwaltung an den Zentrumsplatz verlegen, der ebenfalls umgestaltet werden soll. Und es sind zwei neue Hochhäuser vorgesehen. Der Platz vor dem Roxy wird frei, weil die Planer die Einmündung der Muttenzerstrasse in die Hauptstrasse versetzt haben.

Keine Hoffnung auf weniger Verkehr – vorerst

Die gestern publizierte Vorlage hält auch eine Knacknuss bereit. Der Planungsperimeter erstreckt sich von der Birsbrücke bis zur Endstation des 3er-Trams, Birsfelden Hard, also von Basel-Breite bis zur Grenze zu Muttenz. Diese Achse gehört zum Kantonsstrassennetz. Deshalb müsse «der Verkehr im gleichen Masse wie heute flüssig gehalten werden», steht in der Vorlage.

Auf der Strecke Rheinfelderstrasse-Hauptstrasse sind an gewissen Tagen bis zu 11'500 Fahrzeuge unterwegs. Zum Vergleich: Den Gotthard-Tunnel durchquerten 2018 im Schnitt 17'500 Fahrzeuge pro Tag. Die Mindest-Kapazitätsvorgabe ist auch der Grund, weshalb das Tram nicht durchgehend eigene Trassees erhält. Lediglich in Fahrtrichtung Stadt werden die Gleise separat geführt, und nur in der Rheinfelderstrasse.

Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) sind deshalb in Sorge. Laut ihrer Vernehmlassungsantwort stehen sie der Umgestaltung «äusserst kritisch gegenüber».Mit dem Mischtrassee komme es wohl zu Verspätungen, weil das Tram im Stau steckenbleibt.

Im Bericht wird zwar in Aussicht gestellt, Birsfelden werde in Zukunft vom Ausweichverkehr der Osttangente/A2 entlastet. Das dürfte jedoch frühestens 2039 der Fall sein: Dann ist die Eröffnung des Rhein-Transittunnels vorgesehen.