Coronakrise
Häusliche Gewalt: Baselland warnt vor Schulschliessungen

Während des Lockdowns im vergangenen Frühling nahmen in Baselland wie auch schweizweit Fälle von häuslicher Gewalt zu.

Michael Nittnaus
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Während des Lockdowns im Frühling nahmen schweizweit Fälle von häuslicher Gewalt zu.

Während des Lockdowns im Frühling nahmen schweizweit Fälle von häuslicher Gewalt zu.

Getty Images/iStockphoto

Diese Erkenntnis stützt die Baselbieter Regierung in ihrer neu publizierten Antwort auf eine Interpellation von SP-Landrätin Miriam Locher. Sie wollte im November wissen, was für Beobachtungen der Kanton während des Lockdowns gemacht und wie er darauf reagiert hat, um häuslicher Gewalt bei einem möglichen zweiten Lockdown vorzubeugen.

«Genau wie damals ist die Situation in der Schweiz heute wieder äusserst besorgniserregend und labil», leitet die Regierung ihre 13-seitige Antwort ein. Ihr Augenmerk richtet sich vor allem auf besonders gefährdete Kinder und Jugendliche. Nationale Studien kamen zum Schluss, dass der erste Lockdown besonders für Kinder unter zehn Jahren problematisch war, da sie auf sich allein gestellt kaum den Weg zu einer Beratungsstelle fanden.

In der Forschung würden sie als die «stummen Opfer des Lockdowns» bezeichnet

Schon Mitte Dezember verabschiedete die Baselbieter Regierung deshalb unter anderem die Empfehlung, dass obligatorische Schulen so lange wie möglich offengehalten werden sollten. Deren Schliessung im Frühling sei eindeutig die grösste Belastung für Familien gewesen. Zudem sei so ein wichtiges Sicherheitsnetz und Frühwarnsystem weggefallen.

Was den Baselbieter Behörden auch noch auffiel: Während des Lockdowns gingen Anfragen an Stellen wie die Opferhilfe beider Basel zurück, nur um danach enorm anzusteigen. Das deutet darauf hin, dass es den Opfern erst nach dem Lockdown möglich war, Hilfe zu suchen. Im Hinblick auf einen möglichen zweiten Lockdown zeigt sich die Regierung dennoch zuversichtlich, Hilfesuchende nun besser unterstützen zu können. Dies unter anderem, weil Schutzplätze ausgebaut wurden, etwa das Frauenhaus beider Basel mit nun 40 statt 17 Plätzen. Dessen wegen der Coronakrise geschaffene SOS-Notunterkunft solle zudem bis sicher Ende Juni weitergeführt werden.