Wittinsburg
«Hecken müssen periodisch gepflegt werden»

Auch Landwirte bilden sich weiter: Bäuerinnen und Bauern haben die Schulbank gedrückt und einen Heckenpflegekurs besucht.

Otto Graf
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Noch vor vier Jahren mussten Pro Natura Baselland und das Landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain Sissach (LZE) einen Heckenpflegekurs absagen, weil es an Anmeldungen mangelte.

Heuer wurde der ganztägige Kurs erneut ausgeschrieben, worauf sich 36 Bäuerinnen, Bauern und weitere Interessierte zur Tagung in Wittinsburg anmeldeten. Eine schlüssige Erklärung hatte Urs Chrétien, Geschäftsführer von Pro Natura Baselland, für das grosse Interesse nicht, dafür umso mehr Freude.

Im theoretischen Teil am Vormittag befassten sich die Teilnehmenden mit ökologischen und botanischen Fragen. Ausserdem wurden sie von Susanne Kaufmann, die am LZE für die Vertragshecken und die Bewirtschaftungsbestimmungen dieser Hecken zuständig ist, über die rechtlichen und finanziellen Aspekte der Heckenpflege orientiert.

Hecke nicht gleich Hecke

Nach einer kurzen Besichtigungstour zu ein paar Heckenstandorten in der Region und dem gemeinsamen Mittagessen griffen die Frauen und Männer aktiv ins Geschehen ein. «Hecken müssen periodisch gepflegt werden. Sonst kahlen sie aus und verlieren ihren ökologischen Wert», gab Reto Lareida seitens der Ökoplan Diegten zu verstehen.

Das heisst, dass die Flächen abschnittsweise weitgehend auf den Stock gesetzt werden. Dieser Vorgang wiederholt sich in den beiden folgenden Jahren, bis alle der etwa 20 Meter langen Abschnitte verjüngt sind. Der ehemalige Chef des Autobahnwerkhofs Sissach bezeichnete das gestaffelte Eingreifen als «Zahnlückenprinzip».

Für den Igel einen «Big Mac»

Das abschnittsweise Auslichten ermöglicht es den Heckenbewohnern – Vögel, Igel, Reptilien und andere Kleintiere – in die angrenzenden Zonen auszuweichen. Ebenso bleibt das Nahrungsangebot erhalten. Nach ein paar Jahren der Ruhe beginnt ein neuer Durchforstungsturnus.

Schnell wachsende und wuchernde Pflanzen werden generell bis auf den Boden zurückgeschnitten. Ökologisch wertvolle Gewächse werden schonend verjüngt oder bleiben stehen, wie dies bei einzelnen Waldbäumen, etwa der Eiche, der Kirsche, der Mehlbeere oder der Linde der Fall ist. «Was wir hier machen, sieht brutal aus. Aber es dient der Natur», gab Markus Rudin, der hauptberuflich die Hecken entlang den Nationalstrassen pflegt und in der Freizeit für Pro Natura arbeitet, zu verstehen.

Er griff zur Kettensäge und schlug in der Längsrichtung eine Schneise in die Hecke. Dann schnitt er die Ränder ab. Das Schnittgut bleibt an Ort und Stelle liegen oder wird als «Big Mac», als Unterschlupf für Igel und anderes Getier, aufgeschichtet. Dickeres Material eignet sich als Brennholz, auch in Form von Hackschnitzeln.

Kein Patentrezept für Krautsaum

Für die Pflege des Krautsaums als Übergangszone zwischen der Hecke und dem Offenland gibt es kein Patentrezept. Sie richtet sich nach dem Bewuchs der Fläche, hat aber auch der Bewirtschaftung des Kulturlandes Rechnung zu tragen. Hier eine einvernehmliche Lösung zu finden, war ebenfalls ein Kursthema, auf das seitens des Ebenrains Susanne Kaufmann und Philip Franke näher eingingen.