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Heute fällt der Startschuss für die Herrenfasnacht im Baselbiet

Heute beginnt mit dem Schmutzigen Donnerstag in vielen Baselbieter Gemeinden die Fasnacht. Dabei gehts um Rollatoren, Postkutschen-Revivals und den Unterschied zwischen Ja und Nein.

Julia Gohl und Claudia Maag
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Die Guggen wie die Cosanostra Rugger in Allschwil fetzen am kommenden Wochenende wieder.

Die Guggen wie die Cosanostra Rugger in Allschwil fetzen am kommenden Wochenende wieder.

Martin Toengi

Es kann losgehen! Mit dem heutigen Schmutzigen Donnerstag beginnt in der Region die Fasnacht. Allerdings ist das Feiern vorerst jenen Gemeinden vorbehalten, die einst zum Fürstbistum Basel gehörten. Oder einfacher gesagt: den katholischen Gemeinden. Dazu gehören jene aus dem Birseck, Leimental, und Laufental sowie jene aus den Solothurner Bezirken Dorneck und Thierstein. Denn jetzt ist Herrenfasnacht, die Bauernfasnacht – also die Fasnacht der reformierten Gemeinden – findet erst in der Woche nach Aschermittwoch statt.

Ihre Daten beinahe verschoben hätten die Aescher – nicht bis zur Bauernfasnacht, sondern in die umgekehrte Richtung. Weil besonders der Fasnachtsmontag in Aesch eher spärlich besucht war, studierte das Komitee vergangenes Jahr an einem Terminwechsel herum: Statt von Sonntag bis Dienstag hätte die Aescher Version der «drey scheenschte Dääg» von Freitag bis Sonntag dauern sollen. Doch die Idee kam gar nicht gut an. So nahm man zwar ein paar Änderungen am Fasnachtsprogramm vor, von den Daten liess man aber die Finger. Und die gescheiterten Pläne wurden dieses Jahr gleich zum Sujet erkoren: «Aesch schiebt nit» lautet dieses.

Allschwil beschäftigt sich dieses Jahr wieder einmal mit einem Verkehrsthema. 2014 wollten sie noch eine U-Bahn, dieses Jahr eine Postkutsche. Letztere soll Abhilfe schaffen, wenn die Tramgeleise den Geist aufgeben. Dies könnte drohen, wenn der Kanton deren Sanierung weiterhin aufschiebt. Spätestens im Sommer müssten die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) dann auf einen Busbetrieb umstellen. Deshalb sagen sich die Fasnächtler: «Usgfahreni Gleis uf dr Baslerstross – Zrugg zur Poschtkutsche, das wär famos!»

In Reinach feiern die Fasnächtler dieses Mal mit ihrer Gemeinde mit. Diese durfte vergangenes Jahr auf 50 Jahre als Stadt zurückschauen. Denn 1965 überschritt Reinach die 10 000-Einwohner-Marke. Dies wurde vergangenes Jahr mit einem dreitägigen Stadtfest zelebriert. Die Fasnächtler lassen die Erinnerung daran noch einmal aufleben mit dem Sujet: «E Stadt ohni Fescht, derfür e Dorf mitere Fasnacht!»

Kritik mit Rollator

Mit dem «Rosenkavalier im Garten» gehen die Laufner Fasnächtler dieses Jahr auf das neu gebaute Altersheim Rosengarten ein. Ein Rosenkavalier samt Rollator spaziert durch den Garten des Neubaus. Das Sujet, so heisst es beim Komitee, sei durchaus kritisch zu verstehen: Ein solch teurer Neubau mit einer unnötig speziellen Fassade, obwohl das bisherige Altersheim es noch getan hätte – das stösst bei den Fasnächtlern nicht nur auf Verständnis.

Am letzten Banntag kam sie zum ersten Mal zum Einsatz: die schöne, repräsentative Fahne, die sich die Gemeinde Therwil angeschafft hat. Dazu inspirieren lassen hatte sich der Gemeinderat bei einem Besuch im Wallis, wo solche Fahnen noch üblicher sind. Ein erfahrener Fähnrich, der die Fahne jeweils trägt, war schnell gefunden. Doch die Gemeinde möchte ihm auch noch einen Stellvertreter zur Seite stellen. Kein einfaches Vorhaben. Andreas Marzetti hat dies mit dem Sujet «Mr zäige Fahne» und der passenden Plakette dazu gekonnt aufgegriffen.

Die Hofstetter Fasnacht – oder kurz Hofa – hat sich dieses Jahr den Hofstetter Leitfaden «Vademecum» zum Vorbild genommen. Dieser regelt das Zusammenleben der Dorfbevölkerung und wirbt für angepasstes Verhalten, Respekt und Toleranz. Da fragt sich doch der Fasnächtler, was an der Fasnacht erlaubt ist und was nicht. In Sujetform ausgedrückt: «Hofamecum».

Wer unterstützt, gehört dazu

In Breitenbach erwartet einem auf der Plakette dieses Jahr ein Spiegel. Das Sujet «Lueg di a, au du bisch e Fasnechtler» soll aussagen, dass jeder Plakettenkäufer eine alte Tradition unterstützt, was ihn wiederum auch zum «Fasnechtler» macht. 40 Formationen werden es den Käufern am Umzug am Samstag danken. Das Fasnachts-Komité Witterswil macht sich mit dem Sujet «Mir wüsse de Unterschiid zwüsche Jo und Nei» darüber lustig, dass im Wahlbüro letzten Juni die Ja- und Nein-Stimmen verwechselt wurden. In Nuglar-St. Pantaleon heisst es «Tütato, s Poschtauto», eine Anspielung auf die schlechten Busverbindungen im Zusammenhang mit dem Busfahrplan 2015 und die dadurch entstandenen langen Wartezeiten am Bahnhof Liestal.

Plaketten, Plagetten, Plagedden und Blaggedden

zVg

Allschwil

Das Sujet dreht sich um die ausgefahrenen Gleise an der Baslerstrasse. Sollten die maroden Gleise der Tramlinie 6 zwischen den Tramhaltestellen Morgartenring und Allschwil Dorf nicht erneuert werden, müssten die Passagiere stattdessen einen Bus benutzen. Die nostalgische Alternative der Fasnächtler: «Zrugg zur Poschtkutsche, das wär famos».

Umzug am Sonntag um 14 Uhr.
www.allschwiler-fasnacht.ch

zVg

Ettingen

Fleissige Frauenhände haben unter der Leitung von Pascale Beboux das diesjährige Fasnachtsabzeichen gefertigt. Diesmal wird ein Recycling-Produkt verwendet. Aus Nespresso-Kapseln entstanden so «Mannsgöggeli» in verschiedenen Farben und Variationen. Passend dazu das Motto: «mir chapsle is nid ab».

Umzug am Sonntag ab 14:30 Uhr.
www.gufa.ch

zVg

Laufen

Das diesjährige Sujet in Laufen dreht sich um den Neubau des Seniorenzentrums Rosengarten. Die Plakette zeigt den Rosenkavalier, der sich beim neuen Altersheim im Garten aufhält. Das Design stammt von der Gewinnerin des Wettbewerbs: Giuseppina Auciello.

Umzug am Sonntag um 14 Uhr.
www.laufnerfasnacht.ch

zVg

Reinach

Seit 50 Jahren darf sich die Gemeinde Reinach «Stadt» nennen. Die Fasnächtler gratulieren zum 50-Jahr-Jubiläum mit dem Motto: «E Stadt ohni Fescht, drfür e Dorf mitere Fasnacht». Die Jubelplakette zeigt die Jubiläumszahl; eine Alti Dante gratuliert standesgemäss mit einem Strauss Mimosen; ein Waggis klettert an der Zahl empor und will auch mitfeiern.

Umzug am Samstag um 14 Uhr.
www.fasnachtrynach.ch

zVg

Therwil

Erst gabs eine neue Fahne. Dann fand die Gemeinde Therwil einen neuen Fähnrich: Jürg Schertenleib. Die Suche nach einem Stellvertreter läuft noch. Die von Andreas Marzetti entworfene Plakette greift dieses Thema auf. Der Fähnrich hält die neue Therwiler Fahne. Auf der Fahnenstange liegt ein weiterer Waggis. Er symbolisiert, dass der gesuchte Stellvertreter noch auf der faulen Haut liegt, statt sich zu melden.


Umzug am Sonntag um 14 Uhr.
www.99er.ch

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