Biohof Spitzenbühl
Hier gibt es Käse von glücklichen Kühen im Abo

Gestern wurde die erste Baselbieter Hofkäserei in Liesberg eröffnet. Die Produkte gibt es im Abo.

Dimitri Hofer
Merken
Drucken
Teilen
Evelyn und Florian Buchwalder präsentieren Käselaibe aus hofeigener Produktion.

Evelyn und Florian Buchwalder präsentieren Käselaibe aus hofeigener Produktion.

Juri Junkov

750 Franken: So viel Geld ist in etwa nötig, um eine Woche lang billig Ferien in Osteuropa zu machen. Der Betrag reicht auch knapp für ein Jahres-Umweltschutzabo. Mittlerweile ist dafür sogar ein akzeptabler Flachbild-Fernseher zu haben.

Oder aber man setzt den Betrag ganz anders ein und erwirbt sich einen Anteilschein an der Genossenschaft Bergkäserei Spitzenbühl. Auf einer abgelegenen Juraterrasse oberhalb von Liesberg betreibt Florian Buchwalder gemeinsam mit seiner Frau Evelyn in fünfter Generation einen Biohof. Die Milch und die damit hergestellten Produkte der 20 behornten Kühe werden im Abonnements-System vertrieben. Am Wochenende erreichte die vor drei Jahren gegründete Genossenschaft ihr Hauptziel: Im Rahmen der Baselbieter Genusswoche eröffneten die rund 60 Teilhaber die hofeigene Käserei.

Behördenmarathon absolviert

Ganz fertiggestellt sei die Anlage zwar noch nicht. «Aber wir liegen endlich auf der Zielgeraden», erklärt Buchwalder. Die Planung und Erstellung habe lange gedauert, da die kantonalen Bewilligungsbehörden noch nie mit einem derartigen Projekt konfrontiert gewesen seien. Schliesslich handelt es sich bei der Käserei auf dem Hof Spitzenbühl um die erste Hofkäserei im Baselbiet. Der Biobauer wirft einen Blick in die nahe Zukunft: «Schon bald werden wir hier die unterschiedlichsten Käsesorten produzieren.»

Raclettekäse, Vacherin, Ricotta und Mozzarella sind nur einige der Spezialitäten des Hofs, das Angebot variiert im Laufe des Jahres. Florian Buchwalder, der einige Käserkurse absolvierte, hat den Käse bisher mit einer halbprofessionellen Einrichtung auf seinem Biohof hergestellt. Der Käsekeller sei voll, weshalb auch er für einen Ansturm von neuen Abonnenten gewappnet sei, meint der Präsident der Nordwestschweizer Sektion von Uniterre augenzwinkernd. Die Bauerngewerkschaft mit Sitz in Lausanne setzt sich für eine nachhaltige Landwirtschaft ein.

Bergkäserei Spitzenbühl
Evelyn & Florian Buchwalder, Hof Spitzenbühl, 4253 Liesberg, 032 422 01 29

Würste, Schnaps, Dörrfrüchte

Nicht-Abonnenten können den Käse aus Liesberg am jeweils freitagmorgens stattfindenden Laufner Bauernmarkt und im dortigen Milchhüsli kaufen. Ebenso gibt es am Stand Dörrfrüchte, Holzofenbrot, Most, Schnaps und Würste – alles wird selbstverständlich auf dem Hof produziert. Für die grossen Mischpakete des Schlachtviehs existiere eine Warteliste, meint der 42-Jährige, und man habe einige Stammkunden gewinnen können. Trotz der anderen Erzeugnisse handle es sich bei der Milchwirtschaft um den Haupterwerbszweig seines Betriebes. Milch von behornten Kühen sei nämlich nicht nur lecker, sondern auch gesünder als solche von hornlosen Tieren. «Es ist unbestritten, dass Hörner eine positive Wirkung auf das soziale Verhalten und damit auf das Wohlbefinden haben.» Kurz gesagt: Lässt man der Kuh ihre Hörner, ist sie glücklich und gibt bessere Milch.

Die Rohmilch sowie verschiedene Milchprodukte finden die Abonnenten in den drei Depots in den Laufentaler Gemeinden Röschenz, Laufen und Liesberg. Beinahe jede Woche steht dort für jeden der derzeit 30 Konsumenten ein Korb mit Bio-Produkten bereit. «Neben Käse und Milch häufig auch Joghurt und Quark», sagt Buchwalder. Ein weiteres Depot in Breitenbach ist angedacht, aber noch nicht umgesetzt. Neuerdings befindet sich auch eines im Hofladen-Lokal an der Basler Feldbergstrasse, wo verschiedene Erzeugnisse von regionalen Bauernbetrieben verkauft werden.

Dass Buchwalders gerade dort ein weiteres Depot ihres Liesberger Biohofs Spitzenbühl eingerichtet haben, ist kein Zufall. Seit Jahren hat die Genossenschaft Bergkäserei Spitzenbühl eine kleine, aber treue Stammkundschaft im Kleinbasel.