Polizei
Hier werden die Baselbieter Polizisten ausgebildet

Beim jährlichen Besuchstag der Interkantonalen Polizeischule in Hitzkirch (LU) wollten sich 6000 Besucher informieren, wie heutzutage die Ausbildung von Polizisten aussieht. Auch die Baselbieter Polizisten werden dort geschult.

Lucas Huber
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Diese Demonstration zeigt, wie man sich aus dem Griff eines Angreifers wieder befreien kann.
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Das Wichtigste für diesen Bub ist offenbar die coole Taschenlampe an der Pistole und weniger die Pistole selbst.
Polizeischule Hizkirch
Ungefähr so wird ein Protestierender gegen seinen Willen verhaftet.

Diese Demonstration zeigt, wie man sich aus dem Griff eines Angreifers wieder befreien kann.

Lucas Huber

Wenn ein Vierjähriger mit einer Dienstwaffe der Schweizer Polizei hantiert und sogar eine Gesetzeshüterin dabei lächelt, weil es dem potenziellen Nachwuchspolizisten weniger um das Schiesseisen als darum geht, wie die Lampe daran funktioniert, dann ist etwas Spezielles im Gang. Und das ist der Besuchstag der Interkantonalen Polizeischule in Hitzkirch, kurz IPH, zu dem das grösste Polizei-Ausbildungszentrum der Schweiz am Samstag geladen hatte. Es machte, wenn auch nur für ein paar Stunden, das ohnehin friedliche Hitzkirch zum wohl sichersten Ort der Schweiz.

Trotzdem wurde das beschauliche Städtchen im malerischen Luzerner Seetal scheinbar zum Schauplatz handfester Krawalle. Demonstranten griffen eine Polizeibarrikade an, Gummischrot und Steine flogen, Pfefferspray sprühte, Vermummte johlten, böse Worte fielen. Und schliesslich klickten auch Handschellen, nachdem die Einsatzkräfte die letztlich entstandene Sitzblockade aufgelöst und die randalierenden Protestler abgeführt hatten. Der Kommentar eines Festgenommenen: «Immer zwei auf einen, das ist nicht fair, ihr Grittibänze.»

Spürhunde nicht drogensüchtig

Die Vorführung des Ordnungsdienstes der Polizeiaspiranten zeigt, dass auch bei der Polizei Humor im Spiel ist und sein darf. Dieser kam auch bei den beliebten Vorführungen der Polizeihundestaffel der Aargauer Kantonspolizei zum Einsatz. So seien, liess der Staffelführer wissen, Betäubungsmittelhunde keineswegs und wie gemeinhin oftmals angenommen drogensüchtig, sondern einzig in Perfektion abgerichtet. Und diese Abrichtung dauere rund drei Jahre.

Die Zuschauer wurden Zeugen, wie ein Fliehender in Schutzkleidung vom Spürhund niedergebissen, eine Vermisste vom Personensuchhund unbeschadet aufgefunden und ein Diebesversteck vom Schutz- und Suchhund aufgespürt wurde. Daneben informierten Rega, Grenzwache und andere Blaulichtorganisationen über ihre Tätigkeiten.

Hunde und Polizisten in Vollmontur waren mit Sicherheit die fesselndsten Vorführungen für die Besucher, die trotz verregnetem Wetter in grosser Zahl erschienen waren.

280 Aspiranten zeigen ihr Können

An seinem sechsten Besuchstag konnte das IPH, wie in den Vorjahren, rund 6000 Gäste zählen, darunter vor allem Familien und die Angehörigen der rund 280 Aspiranten, die allesamt im Einsatz waren, um ihre Schule zu zeigen, indem sie durch das Ausbildungszentrum führten, Dummies vermöbelten und Zivilisten zeigten, wie man ein Maschinengewehr richtig anlegt.

«He, kommt: Es gibt Kaffee und Donuts», ruft die Aspirantin ihren Kollegen zum Ende der Vorführung unter dem Titel «Persönliche Sicherheit» zu und erntet herzliche Lacher. Hier wurde die Wirkung von Teleskop-Schlagstöcken und die Techniken im Kampf Mann gegen Mann gezeigt.

Ein Aspirant erklärt schliesslich das eingesetzte Material, Schlagstock eben und Pfefferspray, Handschellen und schusssichere Weste – und auch die Dienstwaffen in einem der modernsten Schiessstände der Schweiz, wo ein Vierjähriger jauchzt, als die Lampe an der Knarre leuchtet. «Meine Wasserpistole ist aber schwerer», lässt er die Polizistin noch wissen – und hüpft davon.

Pascal Geiger: «Stossen an Grenzen»

«Wir stossen an Grenzen.» Das erklärt Pascal Geiger, Ausbildungsleiter der Baselbieter Polizei. Er meint den Zulauf von geeigneten Interessenten. Schweizweit leidet die Polizei an Nachwuchsmangel. Qualität und Quantität der Bewerber haben in den vergangenen Jahren abgenommen: «Je länger, desto weniger bringen die Bewerber das ganze Spektrum an Physis, Psyche, charakterlicher Stärke und geistiger Beweglichkeit mit», weiss Geiger. So kommt es, dass sich nicht einmal jeder sechste Bewerber für den Polizeiberuf eignet. Einen Grund für den minderen Zulauf sieht Geiger darin, dass Zweitausbildungen (wie jene zum Polizisten) deutlich attraktiver geworden sind und deren Bandbreite weitaus vielseitiger ist, sprich: Die Konkurrenz ist grösser. Mit einer Werbekampagne, die gegen Ende Mai lanciert wird, will die Polizei diesen Umstand ausbügeln. Rund 20 Aspiranten aus dem Baselbiet werden derzeit in Hitzkirch ausgebildet, die Erfolgsrate beträgt 100 Prozent. (lhu)