Waldspaziergang
Hier wird für den Naturschutz gerodet – trotzdem wächst das Unverständnis

Die Waldbesitzer der Region ernten jährlich weniger Holz als nachwächst. Trotzdem werden immer mehr Kritiker auf den Plan gerufen.

Tobias Gfeller
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Waldspaziergang beider Basel
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Der Lehrling Serge Götschmann legt eine Fichte um.
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... Holzschlag/Baumernte in den Wäldern um Liestal.

Waldspaziergang beider Basel

Roland Schmid

Der Anblick schmerzt. Die grosse Maschine – genannt «Vollernter» – zerlegt innerhalb von wenigen Minuten über ein Dutzend Bäume. Diese Art des Holzschlags ruft immer wieder Kritiker auf den Plan, die sich gleich vor Ort oder beim zuständigen Forstdienst beschweren. Die Kritik an den Holzschlägen nahm in den vergangenen Jahren merklich zu, betont Raphael Häner, Geschäftsführer von «Wald beider Basel», dem Verband der Waldeigentümer. Doch diese Art der Holzernte sei sicherer, für die Natur schonender und günstiger, als wenn während Tagen Forstarbeiter Baum für Baum mühsam mit der Kettensäge fällen.

Öffentliches Interesse

Auf der Sichtern ob Liestal ist der Vollernter dieser Tage im Einsatz. Im Gegensatz zum sogenannten Femelschlag, bei dem eine Fläche komplett gerodet und möglicherweise neu aufgeforstet wird, fällt er hier bei der Dauerwaldnutzung nur einzelne Bäume. Der Vollernter wird pro Waldabschnitt alle fünf bis zehn Jahre eingesetzt. Das Gefühl vieler Passanten, der Vollernter gehe dabei willkürlich und ziellos vor, sei falsch, stellt Häner klar. «Vor der Rodung wird genau bestimmt, welche Bäume gefällt werden. Auch darf sich ein Vollernter nur in der dafür vorgesehenen Rückgasse bewegen.»

Das Fällen einzelner Bäume dient der Lichtdurchlässigkeit des Waldes, damit sich dieser besser entwickeln und erneuern kann. Die Waldbesitzer wollen dem Unwissen der Bevölkerung entgegenwirken, in dem sie vor Ort und medial offensiver über die Holzernte informieren. Die stetige Erneuerung des Waldes sei essenziell, damit er seinen Aufgaben nachkommen kann, betont auch Ueli Meier, Leiter des Amts für Wald beider Basel. «Der Grossteil der Rodungen geschieht aus öffentlichem Interesse.» Die mit einem sich stetig erneuernden Wald verbundenen Ziele der Sicherheit, Biodiversität, Schutz und Schädlingsbekämpfung seien nicht unbedingt im Interesse der Waldbesitzer, gibt Meier zu bedenken.

Forstberufe mit Zukunftsperspektive

Mit wachem Auge überblickt Serge Götschmann die Umgebung und ruft: «Achtung!» Dann setzt er die Motorsäge an, hämmert den Keil rein und bringt die auf Brusthöhe 60 Zentimeter dicke Fichte gekonnt zu Fall. Der Knall beim Aufprall ist ohrenbetäubend. Blätter anderer Bäume fallen zu Boden. An einer Stelle im Röserental üben Lehrlinge die Waldbewirtschaftung. Der Forstwartberuf ist hoch angesehen, trotzdem kämpfen die Forstbetriebe um Nachwuchs. Jährlich beginnen 25 junge Menschen in den Kantonen Basel-Stadt, Baselland und Solothurn eine Lehre zum Forstwart. Das ist das Minimum, das die Betriebe brauchen. Zu den Lehrlingen gehört auch der 30-jährige Basler Serge Götschmann, der sich neuorientierte und sich eine Arbeit mit viel Bezug zur Natur suchte. Die Arbeit ist körperlich anspruchsvoll und gefährlich. Um als Arbeitgeber attraktiv zu sein, bieten die Forstbetriebe immer mehr Berufe neben der eigentlichen Waldarbeit an, bei denen die gelernten Forstwarte ihr Wissen auch im höheren Altern einbringen können.

Holzvorrat nimmt zu

Zum Interesse der Bevölkerung, den Wald immer mehr in der Freizeit zu nutzen, kommen die Eigeninteressen der Waldbesitzer, ihren Wald wirtschaftlich zu nutzen. Für Ueli Meier ist klar, dass diese so als Eigentümer nur ihr Recht wahrnehmen. Der Eindruck, es werde immer mehr Holz geschlagen, täusche. Durchschnittlich werden in den beiden Basel zusammen jährlich 135›000 Kubikmeter Holz genutzt. Weil im gleichen Zeitraum rund 175›000 Kubikmeter Holz nachwächst, nimmt der Holzvorrat seit Jahrzehnten zu.

Aufgrund der Trockenheit wird in diesem Herbst wohl mehr Holz geschlagen werden müssen. Wie sehr die Trockenheit den Wäldern wirklich zugesetzt hat, werde man beim nächsten Wintersturm sehen, mahnt Philipp Schoch, Präsident von Wald beider Basel. «Halten die trockenen Sommer auch in Zukunft an, ist das für die Buche verheerend.» Die Waldbesitzer sind seit Jahren daran, den Holzbestand zu diversifizieren und klimaresistenter zu machen. Auch dafür braucht der Wald mehr Licht, weil bei schattigen Verhältnissen vor allem Buchen nachwachsen.