Hilfsgüter
Hochbetrieb am Euro-Airport: Zwei Antonov bringen Hilfsmaterial in die Ukraine

Das Eidgenössische Aussendepartement liess 20 Tonnen Hilfsgüter mit Zielort Ukraine via Basel-Mühlhausen verfrachten – für alle Beteiligten eine knifflige Aufgabe. Denn Kiew anfliegen ist schon länger ein No-Go.

Benjamin Wieland
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Die sieht man nicht alle Tage: Die zwei rot-blau lackierten Antonov An-12 mit ihren je vier Propellerturbinen-Triebwerken.

Die sieht man nicht alle Tage: Die zwei rot-blau lackierten Antonov An-12 mit ihren je vier Propellerturbinen-Triebwerken.

zvg

Die Planespotter-Szene rund um den Euro-Airport war verzückt ob dieser zwei Oldtimer. Gleich zwei rot-blau lackierte Antonov An-12 landeten vergangene Woche in Basel-Mülhausen. Die seltenen Gäste luden wertvolle Fracht, bevor sie sich wieder auf den Rückweg machten: Hilfsgüter mit Ziel Ukraine.

Die zwei Flüge der Cavok Airlines führten aber nicht nach Kiew, sondern nach Chișinău. Wie andere auch weicht die ukrainische Frachtfluggesellschaft derzeit auf den Airport der moldawischen Hauptstadt aus. Von Moldawien aus wird die Fracht dann auf dem Landweg, wohl via Rumänien, in die Ukraine überführt. Den Heimflughafen der Cavok Airlines, Kiew, anzufliegen, ist schon seit längerem nicht mehr möglich – das wäre zu gefährlich und würde wohl kaum bewilligt.

Zelte, Schlafsäcke, Kochutensilien und alte Armeewolldecken

Auftraggeberin der zwei Flüge war die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza), die zum Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) gehört. Zur Fracht gehören Zelte, mobile Küchen mit Rechaud-Kochstellen, Schlafsäcke und Wolldecken der Schweizer Armee.

Die Abwicklung der Flüge übernahm die General Transport AG aus Basel. «Wir erhielten den Auftrag abzuklären, welche Möglichkeiten es überhaupt noch gibt für den Transport», sagt Bernhard Zaugg, CEO des Logistik-Unternehmens, auf Anfrage.

«Uns war rasch klar, dass für einen solchen Auftrag unter diesen Bedingungen nur die Cavok Airlines mit ihren Antonov An-12 in Frage kommt.»

Chișinău als Bestimmungsort habe man deswegen gewählt, weil wegen des Ukraine-Kriegs derzeit sehr viele staatliche, aber auch private Unternehmen Hilfsgüter via Polen in die Ukraine bringen. «Der Flughafen Warschau ist zum Nadelöhr geworden», sagt Zaugg. «Auch der Weitertransport auf der Strasse gestaltet sich in Polen aktuell äusserst kompliziert.»

Viel Zeitreserve habe man nicht gehabt, sagt Zaugg: «Wir hatten die Anfrage erst wenige Tage vor den geplanten Flügen erhalten. Zudem sind solche Auftrage für alle Beteiligten eine grosse Herausforderung, weil es immer wieder kurzfristig zu Änderungen kommt.»

Basler Logistik-Firma mit illustrem Kundenkreis

Doch in diesem Fall hat alles reibungslos geklappt. Am Dienstag, 8. März, landete die erste der zwei Antonov An-12 in Basel-Mühlhausen, am Tag darauf folgte die zweite. In ihren Frachträumen wurden total 20 Tonnen Hilfsmaterial verstaut. Am Mittwochnachmittag hoben die zwei Propellermaschinen wieder ab, mit einem Abstand von einer Dreiviertelstunde.

20 Tonnen Hilfsgüter fanden in den Frachträumen Platz.

20 Tonnen Hilfsgüter fanden in den Frachträumen Platz.

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Weil die Starts in Richtung Westen erfolgten, kriegte man davon in der Nordwestschweiz kaum was mit - die zwei Maschinen wären sicherlich aufgefallen. Die Antonov An-12 wurde in diversen Versionen zwischen 1957 und 1972 gebaut.

Wenn der CEO selber mitanpackt

General Transport wickelte bereits am 1. März einen Hilfsgüterflug mit Ziel Ukraine ab; jener führte jedoch von Zürich nach Warschau. Weitere Lufttransporte dürften folgen.

Das Unternehmen mit 65 Mitarbeitenden hat jahrzehntelange Erfahrung mit humanitärer Hilfe. Laut Zaugg zählte, neben der Deza und anderen Organisationen, auch das Rote Kreuz zum Kundenkreis. In der heissen Phase der Coronapandemie organisierte General Transport unter anderem Flüge mit Beatmungsgeräten.

«Unsere Kunden sind in einem sensiblen Bereich tätig» sagt Zaugg. «Sie schätzen kurze Wege, und Vertrauen spielt ebenfalls eine grosse Rolle.» Wenn ein kurzfristiger Auftrag reinkomme wie jener für die Ukraine vergangene Woche, setze man alle Hebel in Bewegung, dass es klappte: «Dann packt auch der CEO mit an und schaut, dass die Fracht wie bestellt und heil an ihren Bestimmungsort kommt.»