«HINGUCKER» TEIL 20
Ein Mordsspass mit Moor und Gloor

Baselbieter Museen stellen sich mit einem Lieblingsstück vor. Diese Woche: das Birsfelder Museum.

Monika Zech*
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Durchhalten: «Skiläufer» von Christoph Gloor.

Durchhalten: «Skiläufer» von Christoph Gloor.

Birsfelder Museum

Das Birsfelder Museum über ein Lieblingsstück vorzustellen, ist nicht möglich. Denn es gibt nicht das eine. Oder anders gesagt: Das Birsfelder Museum hat viele Lieblingsstücke – immer wieder kommen neue dazu. Zwar wird, wie andernorts auch, die ortskundliche Sammlung gehegt und gepflegt, damit die Vergangenheit von Birsfelden nicht vergessen geht, aber vor allem stellen regelmässig Kunstschaffende aus der Region ihre Werke aus.

Aktuell sind vom 14. Januar bis 13. Februar die «Dioramen des unfreiwilligen Heimgangs» des Basler Künstlers Christoph Moor zu sehen, den die bz Basel im letzten Sommer in einem ganzseitigen Porträt würdigte. Der Musikwissenschafter hat übrigens eine besondere Beziehung zu Birsfelden – er dirigiert das örtliche Musikkorps.

Moors Arbeiten sind bis ins kleinste Detail ausgestaltete Szenerien, wie man sie von den Modelleisenbahnwelten kennt. Mit dem Unterschied, dass sich beim genaueren Blick auf die perfekt scheinenden Idyllen Schreckliches offenbart. Da liegt zum Beispiel auf dem sattgrünen Rasen vor dem Einfamilienhaus ein Mann in einer Blutlache, während eine Frau seelenruhig den Rasen mäht und dabei eine rote Spur hinter sich herzieht.

Hoppla: Christoph Moor baut Dioramen mit makabren Szenerien.

Hoppla: Christoph Moor baut Dioramen mit makabren Szenerien.

Roland Schmid

Oder: Auf der Rückseite des verschneiten Hügels, wo sich kleine und grosse Schlittlerinnen vergnügen, zerfleischen Eisbären einen der Schlittler, der offensichtlich die falsche Route wählte. 40 Dioramen, 40 Tatorte. Moors brüchige Idyllen erzählen Krimis, deren Handlungsstrang sich die Betrachtenden selber ausdenken können.

Für die Ausstellung mit dem Titel «To go» übernahmen das die Schülerinnen und Schüler von vier Sekundarklassen. Mit ihren Texten und mit den Bildern der dazugehörigen Szenen aus Moors Dioramen liess das Museum ein Buch gestalten. Auch das gehört zum Konzept: Oft gibt es zusätzliche, die Ausstellungen begleitende Angebote und Veranstaltungen. Bücher, Lesungen, Konzerte, Performances.

Bilder vom «Meister des bösen Strichs»

Passend zu der aktuellen Ausstellung von Moors morbiden Dioramen zeigt das Museum auch Werke von Christoph Gloor, der sich als «Meister des bösen Strichs» weit über die Region hinaus einen Namen gemacht und bis zu seinem Tod 2017 in Birsfelden gelebt hat.

Das Birsfelder Museum ist Teil der Gemeindeverwaltung und wird von der Gemeinde auch finanziert. Der Besuch der Ausstellungen ist kostenlos. Geführt und betrieben wird es von den Mitgliedern der Museumskommission. Eines davon, die Volkskundlerin Andrea Scalone, ist explizit für die Pflege und Verwaltung des kulturhistorischen Archivs zuständig.

Damit dieses Archiv nicht in den Kellerräumen verstaubt, organisiert das Birsfelder Museum nebst den Kunstausstellungen immer wieder einmal eine thematische Ausstellung, in denen die vielen Facetten dieses städtischen Dorfes anschaulich dargestellt werden. Im letzten Jahr war das beispielsweise die Ausstellung zum Flugplatz Sternenfeld, auf dem ab 1920 Flugzeuge von und nach Basel starteten und landeten – bis zum Glück für Birsfelden ab 1950 der EuroAirport in Mulhouse die zunehmende Verkehrslast übernahm. Weitere Infos unter www.birsfeldermuseum.ch.

*Diese Reihe entsteht in Zusammenarbeit mit dem Museumsverbund Baselland. Die Autorin ist Mitglied der Museumskommission. Weitere spannende Museumsobjekte finden Sie im Kulturgüterportal www.kimweb.ch.

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