Hochwasserschutz
Unter Druck aus Liestal: Biel-Benken versucht einmal mehr, den Birsig zu bändigen

Kanton und Gemeinderat sahen vor einem halben Jahr keine Möglichkeit mehr, das Dorf vor Überflutung zu schützen. Denn die Stimmbürger hatten zu allen Projekten Nein gesagt. Jetzt soll ein Ingenieurbüro doch noch Alternativen aufzeigen.

Michel Ecklin
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Der Birsig kann in Biel-Benken bei Hochwasser aus seinem Bett treten und Schäden anrichten.

Der Birsig kann in Biel-Benken bei Hochwasser aus seinem Bett treten und Schäden anrichten.

Kenneth Nars

Ein Aufhaltebecken, um die Fluten des Birsig bei Hochwasser aufzufangen, will Biel-Benken nicht; die Landeigentümer und auch die Gemeindeversammlung waren 2014 dagegen. Daraufhin wurde die Idee, dass die Gemeinde anstelle des Kantons selber für Hochwasserschutz sorgen sollte, als zu teuer verworfen.

Und im vergangenen September lehnte die Gemeindeversammlung ein Projekt des Kantons ab, das entlang des Birsig hohe Betonmauern vorsah. Denn die Anwohner befürchteten eine Verschandelung des Dorfkerns.

Kredit von 180'000 Franken

Das erneute Nein verärgerte den Kanton, der alle Varianten für ausgeschöpft hielt. Der ratlose Gemeinderat erhielt im September vom Souverän den Auftrag, doch noch nach neuen Möglichkeiten des Hochwasserschutzes zu suchen.

Zu diesem Zweck setzte er eine breit abgestützte Arbeitsgruppe (AG) «Alternativer Hochwasserschutz» ein, und diese hat sich jetzt auf ein Vorgehen geeinigt.

«Wir haben das abgelehnte Kantonsprojekt abschnittsweise angeschaut und geprüft, wo Alternativen möglich wären»,

sagt Irene Fiechter, Gemeinderätin und Präsidentin der AG. In einer Ausschreibung fand man ein Ingenieurbüro, das untersuchen soll, welche Varianten machbar wären und welche wie viel kostet. Dafür beantragt die AG einen Kredit von 180'000 Franken, über den im Juni die Gemeindeversammlung befinden soll.

Einzelne Häuser vor dem Wasser schützen

Christoph Jäggy, Mitglied der AG und Präsident der IG Birsig, die das Kantonsprojekt im September zu Fall gebracht hat, sagt:

«Die Ingenieure haben den Auftrag, Alternativen zu finden, die das Dorf nicht verunstalten.»

Und er hat recht genaue Vorstellungen, in welche Richtung das gehen könnte: «Wir beharren darauf, dass der Objektschutz genauer angeschaut wird, also Massnahmen an einzelnen Gebäuden.» Damit, so seine Hoffnung, erreiche man für wenig Geld viel Schutz.

Allerdings hat der Kanton schon früher festgehalten, dass er das nicht für kompatibel mit dem angestrebten Schutz gegen ein hundertjähriges Hochwasser hält. Und eine solche Schutzstufe ist Bedingung, damit sich Bund und Kanton finanziell beteiligen.

Ingenieurbüros sagten ab

Heikel ist es zudem für die Gemeinde, die Planung eines Projekts zu weit auf eigene Faust voranzutreiben. Denn dann läge es auf der Hand, dass sie (und nicht mehr der Kanton) für die Kosten aufkommen muss – und das kann teuer werden. Solche Überlegungen könnten bereits an der Gemeindeversammlung im Juni Kritik an den 180'000 Franken für das Ingenieurbüro aufkommen lassen.

Zudem macht Liestal Druck. Fiechter sagt:

«Uns liegt eine Aussage des Kantons vor, wonach er sein bisheriges Projekt weiter verfolgen will, wenn wir nicht bald eine valable Lösung präsentieren.»

All diese Überlegungen zu berücksichtigen, wird für die Ingenieure keine leichte Aufgabe sein. Manche Büros hätten es sogar abgelehnt, sich bei der Ausschreibung des Auftrags zu bewerben, sagt Gemeindepräsident Peter Burch. «Sie empfahlen uns, lieber eine Mediation durchzuführen. Und sie meinten, hauptsächlich gehe es darum, Alternativen dem Kanton gut zu verkaufen.»