Hochwasserschutz
Die Naubrücke in Laufen wird abgerissen – doch wo soll sie künftig sein?

Vor fünf Jahren haben die Laufnerinnen und Laufner an der Urne die Verlegung der Naubrücke abgelehnt. Nun bringt der Kanton sie wieder aufs Tapet.

Dimitri Hofer
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So oder so muss die Naubrücke in Laufen abgerissen werden, um Hochwasserschutzmassnahmen umzusetzen.

So oder so muss die Naubrücke in Laufen abgerissen werden, um Hochwasserschutzmassnahmen umzusetzen.

Juri Junkov

Eines ist in Laufen klar: Die Autobrücke über die Birs im Gebiet Nau, die von der Baselstrasse zum Bahnhof führt, wird abgerissen. Um im Städtchen umfangreiche Hochwasserschutzmassnahmen umzusetzen, muss die Brücke weichen. In diesen Tagen rauchen allerdings die Köpfe, ob sie am aktuellen Standort neu gebaut oder verschoben wird.

Die Verantwortlichen der Stadt Laufen haben bis Ende Jahr Zeit, um dem Kanton ihren Entscheid über die künftige Position der Brücke mitzuteilen. Die mögliche Verlegung der Naubrücke weckt beim einen oder anderen im Städtchen Erinnerungen an den Herbst 2016. An der Urne bodigten die Stimmberechtigten damals das Jahrhundertprojekt Arealentwicklung Nau. Die Pläne aus der Feder der Basler Stararchitekten Herzog & de Meuron sahen ein neues Quartier an der Birs vor. Teil der gescheiterten Arealentwicklung war eine Verlegung der Naubrücke flussabwärts oberhalb der Laufner Eishalle.

Brücke käme an anderen Standort als im Jahr 2016

Mit dem kantonalen Hochwasserschutzprojekt, das im Jahr 2023 in Angriff genommen werden soll, taucht die Verlegung nun wieder auf. In Laufen drückt man sich auch aufgrund der Vorgeschichte sehr vorsichtig aus. Der Laufner Stadtverwalter Thomas Locher sagt:

«Sollte ein alternativer Brückenstandort weiterverfolgt werden, versteht es sich von selbst, dass Direktbeteiligte und mögliche Betroffene von Anfang an miteinbezogen und aus erster Hand verlässlich informiert würden.»

Für die damalige Verlegung der Brücke hätten einige Einfamilienhäuser weichen müssen, was zu heftiger Kritik am Projekt führte.

Im Gegensatz zur Arealentwicklung von Herzog & de Meuron würde die Naubrücke beim Hochwasserschutzprojekt noch weiter flussabwärts unterhalb der Eishalle verschoben. «Die Situation ist nicht dieselbe wie damals. Der Kanton hat im Rahmen des Hochwasserschutzprojektes das Areal der ehemaligen Spilag AG gekauft. Auf diesem würde die Brücke gebaut, falls sich Laufen für eine Verschiebung entscheidet», erklärt Philipp Meyer, der für das Baselbieter Tiefbauamt das Hochwasserschutzprojekt in Laufen leitet. Er stellt klar:

«Für den Kanton sind beide Brückenvarianten denkbar. Der Entschied liegt letztlich bei der Stadt Laufen.»

Bei Verlegung wird es wohl wieder Gegenwehr geben

Das 62 Millionen Franken teure Hochwasserschutzprojekt des Kantons Baselland kommt am kommenden Donnerstag in den Landrat. Im Bericht der landrätlichen Umweltschutz- und Energiekommission, die sich bereits mit dem Projekt befasst hat, steht, eine Verlegung der Brücke biete gemäss Regierungsrat raumplanerische Chancen. Aber: «Das aktuelle Hochwasserschutzprojekt in Laufen ist von der Variante der Strassenführung unabhängig», sagt Katja Jutzi, Generalsekretärin der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion. Ob die Brücke am bestehenden oder einem anderen Standort neu gebaut werde, tangiere das Projekt nicht.

Entscheidet sich der Laufner Stadtrat für eine Verschiebung, müsste die damit einhergehende neue Strassenführung in einem separaten Projekt aufgegleist werden. Laufen will sich noch nicht in die Karten blicken lassen: «Die Informationen seitens Kantons an die Stadt Laufen werden in den nächsten Wochen stattfinden. Entsprechend hat die Meinungsbildung, geschweige denn die politische Entscheidfindung, noch gar nicht stattgefunden», betont Stadtverwalter Thomas Locher. Erst die Gespräche mit dem Kanton werden Grundlage für die Meinungsbildung sein.

In Laufen gibt es derweil Befürworter und Gegner einer Verlegung. Der Laufner SP-Landrat Linard Candreia, der dem Kanton vorwarf, beim Hochwasserschutz zu trödeln, findet:

«Die neue Naubrücken-Variante gibt uns wahrscheinlich mehr raumplanerische Möglichkeiten und scheint zukunftsträchtiger zu sein.»

Einwohner Lukas Reinhard, der die Arealentwicklung Nau kritisierte, sagt hingegen: «Gegenwehr ist erneut wahrscheinlich, wenn sich Laufen für eine Verschiebung entscheidet. Eine Verlegung ist für mich wegen der engen Platzverhältnisse nicht denkbar.»

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