Frenkendorf
Hoffentlich wird die Frenkendörfer Fasnacht so gut wie ihr Vorfasnachtsanlass

Der HC Plausch 2019 war eine Reise wert. Nicht ein Auftritt, der abgefallen wäre.

Daniel Aenishänslin
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Brillant: «Arzt» Markus Wälterlin (links) vergrault absichtlich einen Patienten.
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Frenkendorf Vorfasnacht
Das gibts nicht alle Tage: Die Güllepumpi mit Sängerin Seraina Kistler.

Brillant: «Arzt» Markus Wälterlin (links) vergrault absichtlich einen Patienten.

Daniel Aenishänslin

Die beiden Guggen überzeugten mit Qualität einerseits, andererseits mit der Wahl ihrer Stücke. Die Füllinsdörfer Elbisrugger schränzten ein leidenschaftliches «Sarà perché ti amo» von «Richi e Poveri», ein Hit der frühen 80er. Die heimische Güllepumpi überraschte mit ihrer Originalität. Das Intro zu Leonard Cohens «Hallelujah» besorgte Beatboxer Sascha Dietrich. Danach übernahm Sängerin Seraina Kistler vor einer Wand von Bläsern und Schlagwerk. Eine Gugge mit Beatboxer und Sängerin – das gibts nicht alle Tage.

Sehr gelungen war der erste Auftritt der Halbmondclique. Gelungen, wegen der Atmosphäre, die sie zu erzeugen vermochte. Licht aus, Kopfladärnli an, Morgestraich, vorwärts marsch. Sehr nahe am Original. Die Junge Garde präsentierte sich mit einem Disney-Medley. Gut gewürzt mit «Probiers mal mit Gemütlichkeit» aus dem Dschungelbuch oder dem Thema aus Fluch der Karibik, «The Black Pearl».

Das Haar in der Suppe des 48. HC Plauschs war die Werbung. Vor wirklich jedem einzelnen Programmpunkt musste noch vom Band eingespielt werden, dass Tele-sowas, ein Trommelbauer und ein Metzger dem Anlass als Sponsor beistehen. Gegen Ende der Veranstaltung sprachen einige im Saal des Restaurants Wilden Mann die penetrante Werbebotschaft scherzeshalber mit.

Brigitte, eine Gilet jaune?

Mit Stechpalme und Tam Tam holte sich die Halbmondclique zwei renommierte Schnitzelbänke ins Haus. Beide erhielten viel Zuneigung vom Publikum in Form von Lachern und Applaus. Die Stechpalme liess sich aus über politische Korrektheit, die einige Fasnachtsteilnehmende dank ihres Namens nicht erreichten, und über politische Unkorrektheit, die ein Genfer Staatsrat und Beinahe-Bundesrat mittels gesponsertem Abu-Dhabi-Reisli problemlos bewerkstelligte. «Im Genfersee stoht blutt e Herr, nom de dieu, dr Maudet Pierre», drückte es die Stechpalme bildlich aus. Obwohl dieser mit allen (See-)Wassern gewaschen sei, werde er dennoch nicht ganz sauber.

Neben Brigitte Macrons Drohung an ihren Emmanuel, wegen seines gockelhaften Tons, künftig im Bett Gilet jaune zu tragen, waren die Fussballer ein Thema. Ganz ornithologisch: «Doppeladler, Pleitegeier und au allenthalbe, uff em griene Rase wunderschöni Neymar-Schwalbe.» Und zur vielleicht überwundenen konzeptuellen FCB-Misere: «Doch vo 40 Ma si 20 verletzt, acht chrank, fünf schiile – und die, wo nit us Basel si, die dörfe jo nit schpiile.»

Burgeners Reinkarnation

Fussball spielte auch für Tam Tam eine gewichtige Rolle. Unter die Lupe geriet das Engagement des FC Basel in Indien. Nach der Investition befürchtete das Duo vor allem eine einst mögliche Reinkarnation von FCB-Präsident Bernhard Burgener: «Stell dr vor, was wird uss ihm, e Haas, e Fuggs, e Reh – mir hoffe er wird eifach nümm Präsident vom FCB.» Ein bisschen Häme wurde zudem über den Rhein hinweg gesandt. Man labte sich am frühen Ausscheiden der Deutschen an der Fussball-WM in Russland.

Wie überall durfte Basels Polizeidirektor Baschi Dürr seine Tesla-Pointen einstecken. Der Ski-Unfall von Gemeindepräsident Roger Gradl wurde filetiert, und schliesslich musste noch ein Frenkendörfer Landrats-Kandidat seinen Kopf hinhalten. «S Sprochrohr vom liebe Gott, dr Fraueheld, de vo dr SVP», beschrieben sie den ehemaligen Polizeisprecher Meinrad Stöcklin. Der eine Tam wollte vom anderen Tam wissen, was denn SVP bedeute. «Hesch du pennt? SVP heisst, Stöcklin vordert permanent.»

Die Rahmenstückli waren aus viel lokalem Teig geknetet. Selbstverständlich durfte das Frenkendörfer Donnschtig-Jass-Fieber nicht unerwähnt bleiben. Die von Claire Ochsner und Toni Kummli gestalteten Kreisel sorgten für Aufsehen sowie die Reisen des Gemeinderats in die österreichische Partnergemeinde Franking: «Do seit dr eint zum andere bimene Stückli Sachertorte, wenn dr Gmeinroot nach Öschtrich reist, stiigt d Intelligenz an beidne Orte.» Markus Wälterlin als williger Steuerzahler, der an der Willkür der Gemeindeverwaltung scheitert, und als Arzt, der seine männlichen Patienten verscheucht, indem er ihnen eine Schwangerschaft andichtet, brillierte.

Im Epilog schlugen Barbara Freiermuth und Anna Arnold schliesslich noch gekonnt die Brücke von der Vorfasnacht zur Fasnacht.