Tiefenbohrung
Hoffnung auf Strom aus dem Fels: In der Region soll wieder gebohrt werden

Das Letzte, was man der Liestaler Genossenschaft Elektra Baselland vorwerfen könnte, wäre, sie sei eine Dünnbrettbohrerin - im Gegenteil: Das nächste Loch soll durch 4,5 Kilometer Stein in die Tiefe gehen, dahin, wo der Fels 150-200 Grad heiss ist.

Daniel Haller
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Beim Basler Tiefen-Geothermie-Projekt erzeugte man grosse Risse am Stück. Dies führte zu Erschütterungen, die an der Oberfläche fühlbar waren und die Bevölkerung erschreckten. Im neuen Projekt will Geo-Energie Suisse statt eines einzigen grossen Risses viele kleine erzeugen. Deshalb seien viel kleinere Erschütterungen zu erwarten.

Beim Basler Tiefen-Geothermie-Projekt erzeugte man grosse Risse am Stück. Dies führte zu Erschütterungen, die an der Oberfläche fühlbar waren und die Bevölkerung erschreckten. Im neuen Projekt will Geo-Energie Suisse statt eines einzigen grossen Risses viele kleine erzeugen. Deshalb seien viel kleinere Erschütterungen zu erwarten.

Keystone

Die Hitze soll zukünftig in Strom umgewandelt werden und Atomenergie sowie Öl, Gas und Kohle ersetzen. Um diese Technologie zu entwickeln, hat der Verwaltungsrat der EBL vergangene Woche einen Kredit von 8,6 Millionen Franken für die nächsten vier Jahre gesprochen.

Ein grosser Durchlauferhitzer

In der Geothermie nutzt man die Hitze im Erdinneren als Wärmequelle. Dabei kommen vor allem zwei Verfahren infrage:

• Bei der hydrothermalen Methode zapft man Schichten mit heissem Wasser an. Solche Schichten findet man in der Schweiz nur in einem schmalen Voralpengürtel. Die laufenden Bohrungen in St. Gallen suchen nach hydrothermalen Energiequellen. In Bayern funktionieren bereits Kraftwerke nach dieser Methode.

• Bei der petrothermalen Methode bohrt man in heissen Stein und erzeugt dort durch Wasserdruck Risse. Durch diese presst man Wasser zu einer zweiten Bohrung. Wegen der grossen Oberfläche der schmalen Risse kann das Wasser relativ viel Wärme aufnehmen. Diese Methode bringt höhere Temperaturen und ist somit auch für die Stromproduktion interessanter. Sie ist zudem weniger abhängig von speziellen Gesteinsformationen und besitzt deshalb laut Experten für die Schweiz das grössere Potenzial. (dh)

Akzeptanz trotz Basler Beben

Geo-Energie Suisse benötigt für die nächsten vier Jahre 60 Millionen Franken, um einen geeigneten Standort zu finden und eine erste Probebohrung vorzunehmen. Als einer von sieben Aktionären hat nun die EBL ein Siebtel dieser Summe zugesagt.

«Derzeit haben wir von ursprünglich 40 überprüften Standorten in der Schweiz noch rund 10 im Auge», berichtet Geo-Energie-CEO Peter Meier. Bis im Herbst wolle man sich auf drei Standorte festlegen, die dann intensiver untersucht werden. Am geeignetsten Ort will man später das Erkundungsloch bohren, das im Idealfall für eine spätere Pilotanlage dienen wird.

Zu den Standortkriterien gehört nicht zuletzt die lokale Akzeptanz: «Nachdem die Erschütterungen in Basel hohe Wellen geworfen haben, hätte mich Ablehnung nicht erstaunt. Doch die Behörden zeigen sich offen, da werden keine Türen zugeschlagen», berichtet Meier. Er weist auch auf die Unterschiede zum Basler Projekt «Deep Heat Mining» hin: Dort presste man das Wasser so in den Untergrund, dass grossflächige Risse entstanden.

Entwicklungsarbeit eventuell umsonst

Bei der künftigen Pilotbohrung sind in 4,5 Kilometern Tiefe zwei Horizontalbohrungen vorgesehen, zwischen denen kleine Risse im Fels mit Wasserdruck erweitert werden sollen: «Deshalb sind viel kleinere seismische Erschütterungen zu erwarten», betont Meier. Auch wenn Geo-Energie Suisse die ganzen Daten und Erfahrungen des sistierten Basler Projekts zur Verfügung stehen, ist dies keine Garantie, dass sich die Entwicklungsarbeit in absehbarer Zeit auszahlt.

Bund soll mitfinanzieren

CEO Peter Meier zweifelt, ob Geo-Energie Suisse die Investitionen bis zur Erkundungsbohrung allein stemmen kann. Bisher habe die Hälfte Aktionäre ihre Beteiligung zugesagt.

Doch er hofft auf Unterstützung vom Bund: Am 7. März nahm der Nationalrat die Motion des Zürcher FDP-Ständerats Felix Gutzwiller an, die den Bundesrat verpflichtet, eine Geothermie-Taskforce einzusetzen und mit einer Charmeoffensive die Akzeptanz der Erdwärmegewinnung in der Öffentlichkeit zu steigern. Weiter sollen Pilotprojekte eine rückzahlbare Anschubfinanzierung erhalten, und der Bund soll sich an Forschungs- und Pilotprojekten beteiligen.

Energieministerin Doris Leuthard hatte sich vor allem dagegen gewehrt, dass der Bund für die Geothermie die schweizweite Erkundung des Untergrunds vorantreiben soll. Die Kosten für die notwendige «Bohr-Offensive» schätzt sie auf 1 Milliarde Franken. Trotzdem wurde die Motion im Nationalrat mit 125 zu 45 Stimmen angenommen. (dh)

Dies sehen nicht alle so: Die Basler IWB sind zwar auch Aktionär der Geo-Energie Suisse, «um am Know-how dranzubleiben». Doch Kommunikationsleiter René Kindhauser erklärt, die IWB werde kein zusätzliches Geld einschiessen.

Steiner hingegen meint: «Es sind jeweils die Kleinen, welche die Innovation vorantreiben, die dann von den Grossen übernommen wird. Aber jemand muss ja schliesslich die Energiezukunft bauen.»