Verkaufspläne
Hofgut Humbel könnte aufgeteilt werden

Mehrere Interessenten wollen nur das Herrschaftshaus des Hofguts Humbel übernehmen. Der Naturschutz schränkt die landwirtschaftliche Nutzung auf dem Areal ein.

Michael Nittnaus
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Das Herrschaftshaus des Hofguts Humbel stammt von 1936 und ist wie der ganze Hof etwas in die Jahre gekommen. Dennoch gibt es viele Interessenten.

Das Herrschaftshaus des Hofguts Humbel stammt von 1936 und ist wie der ganze Hof etwas in die Jahre gekommen. Dennoch gibt es viele Interessenten.

Roland Schmid

Eigentlich sollte es ganz einfach sein: Der Kanton Baselland möchte nach dem Tod des langjährigen Pächters Daniel Arn das Hofgut Humbel oberhalb Langenbrucks verkaufen, um sich das Geld für Unterhalt und dringend nötige Investitionen sparen zu können. Und wie der Leiter Immobilienverkehr des Hochbauamts, Andreas Bhend, schon in der bz sagte, gibt es bereits rund zehn Interessenten. Zwei davon legten auf Anfrage ihre Absichten offen: Jeremias Hitz und Martin Ott, die Pächter der nahe liegenden Höfe Holznacht respektive Schönthal. Und doch wird es schwierig, den richtigen Käufer zu finden.

Pläne fürs Gästehaus

Der Grund sind die Besonderheiten des Hofguts sowie des dazugehörigen Areals. So umfasst das Hofgut nicht nur ein Wohn- und Ökonomiegebäude aus dem Jahr 1672 samt Nebenbauten, sondern auch noch ein markantes Herrschaftshaus von 1936. Letzteres ist nicht bloss für Landwirte interessant. So bestätigt Martin Ott Informationen der bz, wonach der Besitzer des Klosters Schönthal, John Schmid, das Herrschaftshaus des Humbel als Erweiterung des Kloster-Gästehauses nutzen wollte. Dieser Plan habe sich unterdessen allerdings zerschlagen. «Die Idee wurde geprüft, doch letztlich für nicht praktikabel befunden», sagt Ott. Es habe sich gezeigt, dass die Gruppen, die zum Kloster kämen, auch nachts lieber zusammenbleiben würden. Zudem würde der nicht befestigte Weg hinauf zum Humbel den Gästen im Winter wohl Schwierigkeiten bereiten.

Auch Bhend vom Hochbauamt sagt, dass mehrere Interessenten derartige Ideen für das Herrschaftshaus hätten. Doch wäre eine Nutzung im Bereich der Hotellerie überhaupt erlaubt? Schliesslich gibt der Bund vor, dass der Käufer des Hofgutes aktiver Landwirt sein muss. «Ein separater Verkauf des Herrschaftshauses ist nicht ausgeschlossen», sagt Bhend. Dafür bräuchte es eine Abparzellierung und es müsste ein separates Baurechtsgrundstück gebildet werden. Doch auch hier gibt es Einschränkungen. So bliebe der Käufer des Herrschaftshauses über das Baurecht mit dem Käufer des Hofes verbunden, da das Herrschaftshaus nicht über die für ein selbstständiges Grundstück nötigen Erschliessungsleitungen verfüge. Auch die Privatstrasse gehört laut Bhend zum Hof. Und Christian Hanselmann, der beim Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain fürs Boden- und Pachtrecht zuständig ist, weiss: «Der Hof müsste auch ohne Herrschaftshaus noch ausreichend Wohnraum aufweisen, damit man es abtrennen darf.» Und der Bauer dürfte dann nicht einfach ein neues Wohnhaus dazu bauen.

Einige der Interessenten möchten tatsächlich nur das Herrschaftshaus erstehen, andere nur den Bauernhof und wieder andere haben Pläne für das Gesamtpaket, sagt Bhend. Er will noch nicht vorgreifen, sagt aber auch, dass «es für uns natürlich schon am besten wäre, wenn alles in einer Hand bleiben würde». Demeter-Landwirt Ott interessiert sich auf alle Fälle fürs Gesamtpaket: «Das Herrschaftshaus könnten wir gut als zusätzliches Wohnhaus für Projekte mit Schulklassen gebrauchen.»

Areal teilweise in Naturschutzzone

Welcher Interessent letztlich den Zuschlag vom Kanton erhält, wird aber auch davon abhängen, ob die Art Landwirtschaft, die der Bauer betreibt, die speziellen Auflagen des Humbel-Areals erfüllt. Bhend: «Der gesamte Grundbesitz des Hofguts Humbel ist rechtskräftig dem Landschaftsschutzgebiet der Gemeinden Langenbruck und Waldenburg zugeordnet – zum Teil sogar als Naturschutzzone.» Das Gebiet sei ein wichtiger Mosaikstein im Biotopverbund der Magerwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung dieser Gegend, da es verschiedene Objekte ergänze und miteinander verbinde. Bhend betont zwar, dass es keine Vorgaben gebe, die eine bestimmte Art der Landwirtschaft hier von vornherein ausschliessen würden. Aber: «Natürlich bringt es Einschränkungen.»

Der im Mai verstorbene Pächter Daniel Arn betrieb konventionelle Landwirtschaft, für die etwa auch Jungbauer Jeremias Hitz vom benachbarten Hofgut Holznacht einsteht. Am anderen Ende des Spektrums steht Martin Ott vom Schönthal, der schweizweit als Aushängeschild der anthroposophischen biodynamischen Landwirtschaft gilt.

Amt für Wald erhob Einsprache

Beim Entscheid des Kantons mitreden wird neben dem Hochbauamt und dem Ebenrain auch das Amt für Wald beider Basel. Dies, weil zum Humbel-Grundstück auch 20 Hektaren Wald gehören. Und Staatswald zu verkaufen, ist nur mit der Zustimmung des Amts für Wald möglich. Gemäss Informationen der bz war dies neben dem tragischen Unfalltod von Pächter Arns Sohn ein weiterer Grund, weswegen der bereits Ende 2014 vermeldete Verkauf an Arn nie umgesetzt wurde. Das Amt für Wald hatte Einsprache erhoben.

«Für uns ist entscheidend, dass die Waldbewirtschaftung im bisherigen Sinn sichergestellt ist und die Zufahrt zu den restlichen Waldungen des Kantons gewährleistet bleibt. Das war bei Daniel Arn nicht der Fall», bestätigt Kantonsförster Ueli Meier auf Anfrage. Arn habe nicht mit dem Forstrevier Oberer Hauenstein zusammenarbeiten wollen, das die Gemeinden Waldenburg und Langenbruck umfasst und das auch die 20 Hektaren des Humbel betreut. «Der Kanton Baselland ist vertraglich gebunden», sagt Meier. Dieser Vertrag könne natürlich gekündet werden, doch warnt Meier: «Der neue Eigentümer muss klare Vorstellungen haben, wie er mit dem Wald umgeht.» Eine Variante wäre – ähnlich wie beim Herrschaftshaus – das Waldstück vom Restareal abzutrennen, doch dies wäre für den Kanton sehr teuer. Meier: «Es ist sicher gut, haben wir eine grosse Auswahl an potenziellen Käufern.»