Runder Geburtstag
Diese Ziefnerin hat gute Gene: 100. Geburtstage sind in ihrer Familie eher Regel als Ausnahme

Ihr grosser Tag naht: Am 29. November feiert Helene Moser-Furler ihren 100. Geburtstag. Wer ihre Familiengeschichte kennt, wundert sich kaum darüber.

Simon Tschopp
Drucken
Teilen
Helene Moser in ihrem Zimmer im Alters- und Pflegeheim Moosmatt, wo sie sich wohlfühlt.

Helene Moser in ihrem Zimmer im Alters- und Pflegeheim Moosmatt, wo sie sich wohlfühlt.

Simon Tschopp

Bereits drei Mitglieder erreichten dieses hohe Alter; ein Onkel mütterlicherseits wurde 100- (1984), Helene Mosers Bruder 101- und eine Schwester gar 102-jährig (beide 2015). «Unsere guten Gene stammen von der Familie Schlumpf», glaubt Helene Moser. Schlumpf, so der Geburtsname ihrer Mutter.

Geistig und körperlich fit

Die nun bald 100-Jährige ist in Ziefen aufgewachsen und hat fast ihr ganzes Leben dort verbracht. Bis Mitte Februar 2020 wohnte sie in den eigenen vier Wänden. Mit der Zeit wurde ihr der ganze Haushalt aber zu viel, auch das Alleinsein behagte ihr nicht mehr. Dann entschied sich Helene Moser, ins Alters- und Pflegeheim Moosmatt nach Reigoldswil zu ziehen. Dieser Schritt sei richtig gewesen, sie habe ihn zum eigenen Erstaunen gut geschafft.

«Ich habe mich hier gut eingelebt und fühle mich wohl.» Dies erzählt die Pensionärin, die von Familienangehörigen regelmässig besucht wird oder Telefonanrufe erhält. Helene Moser erfreut sich einer geistig und körperlich beneidenswerten Gesundheit. Ein Rezept dafür hat sie nicht – oder doch? Das mit Jahrgang 1921 jüngste von vier Geschwistern sagt: «Wir haben einfach gelebt und viel Bewegung gehabt.»

Krank war sie nie ernsthaft. Die Betagte wirkt fröhlich, interessiert, aber ruhig und zurückhaltend. Nach der Sekundarschule weilte Helene Moser für ein Jahr in La Chaux-de-Fonds, wo sie zur Schule ging und Französisch lernte. Unter kam sie in einer Bauernfamilie, die ihr rasch vertraut war. Sie erinnert sich:

«Ich wurde wie ihr eigenes Kind aufgenommen und durfte sogar Mutter und Vater sagen.»

Dieses Welschlandjahr hat ihr Leben geprägt. Zum 95. Geburtstag wünschte sich Helene Moser eine Fahrt in den Neuenburger Jura, um nochmals Haus und Leute ihrer damaligen Gastfamilie zu sehen.

Welschlandjahr war Voraussetzung für Lehrstelle

Ein Aufenthalt in der Romandie war Bedingung, damit sie danach im Konsumverein (heute Coop) eine Verkäuferinnenlehre absolvieren konnte. Da war noch Kopfrechnen gefragt, eine Rechenmaschine gab es keine. Helene Moser war nach ihrer Lehrzeit weiter als Lebensmittelverkäuferin im «Konsi» tätig; später stand sie hin und wieder als Aushilfe im Einsatz.

Die Oberbaselbieterin hat zusammen mit ihrem Mann Alfred zwei Töchter und einen Sohn grossgezogen. Das Paar war 56 Jahre verheiratet. Seit 2003 ist Helene Moser verwitwet. Ihre Familie ist auf fünf Enkel- und acht Urenkelkinder angewachsen. Stolz zeigt die baldige Jubilarin ein Foto. Darauf hält sie den jüngsten Spross in den Armen, der im Sommer das Licht der Welt erblickt hat – ein Altersunterschied von fast einem Jahrhundert.

Für den 29. November wäre hoher Besuch angesagt gewesen. Dann hätte Regierungsrat Anton Lauber mit Landschreiberin und Staatsweibel in der «Moosmatt» in Reigoldswil bei Helene Moser vorbeikommen sollen. Wegen Corona fällt dieser Besuch nun ins Wasser. «Ich werde aber sicher auch ein wenig nervös sein.»

Aktuelle Nachrichten