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Hunde bestimmen, ob sie wieder Kurse brauchen

Der Baselbieter Kantonstierarzt bedauert die Abschaffung der obligatorischen Hundekurse – eine kantonale Regelung ist möglich.

Andreas Hirsbrunner
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Halter von «normalen» Hunden müssen keine Erziehungskurse mehr besuchen – jene von Kampfhunden aber schon.

Halter von «normalen» Hunden müssen keine Erziehungskurse mehr besuchen – jene von Kampfhunden aber schon.

Hunde beissen im 2017 nicht anders, als sie im 2016 gebissen haben. Trotzdem kommen sie und ihre Meister ab sofort um eine Pflicht herum: Seit dem neuen Jahr müssen Hundehalter mit einer Ausnahme keine obligatorischen Kurse mehr mit ihren Vierbeinern besuchen und den sogenannten Sachkundenachweis erlangen. Das hat das Bundesparlament im letzten Herbst so entschieden. Alle Kantone haben den Beschluss – soweit bekannt – nachvollzogen.

Der Baselbieter Kantonstierarzt Thomas Bürge bedauert die Aufhebung des Sachkundenachweises per Ende 2016 zwar, fügt aber umgehend bei: «Wir bräuchten eine gesetzliche Grundlage, um die Ausbildungspflicht auf kantonaler Ebene weiterzuführen.» Und die habe man derzeit nicht, weil die Zeit zwischen dem Entscheid von National- und Ständerat und dessen Inkrafttreten «extrem kurz» gewesen sei.

Drei Hunde eingeschläfert

Will man die Grundlage denn schaffen? Bürge: «Das ist offen. Wir diskutieren das Ganze derzeit innerhalb der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion. Wir müssen die Situation jetzt auch beobachten.» Das heisst, mitentscheidend ist auch die weitere Entwicklung bei den Hundebissen.

Denn Tierärzte, Ärzte, Polizisten, Gemeinden, Zollorgane und Hundeausbildner sind weiterhin gesetzlich verpflichtet, der kantonalen Hundefachstelle zu melden, wenn Hunde Menschen oder andere Hunde «erheblich» verletzen oder ein «übermässiges Aggressionsverhalten» zeigen. Im letzten Jahr gingen überschlagsmässig folgende Meldungen ein: Rund 100 Hunde bissen Menschen, 120 Hunde Artgenossen, und zwei Dutzend fielen als besonders aggressiv auf. Drei von all diesen Hunden mussten eingeschläfert werden. Bei den Attacken sind keine einzelnen Hunderassen besonders negativ aufgefallen.

Die häufigsten Beisser sind laut Bürge aggressive Hunde, die von den Besitzern nicht unter Kontrolle gehalten werden respektive nach dem berühmt-berüchtigten Spruch «Mein Hund macht nichts, er will nur spielen» nicht richtig eingeschätzt werden. Bevor Bürge allerdings einen aussagekräftigen Vergleich über eine längere Zeitperiode machen kann, müssen die Zahlen aus den letzten Jahren aufgearbeitet werden. Eine solche Auswertung fiel in der Vergangenheit den kantonalen Sparanstrengungen zum Opfer.

Gemeinden werden entlastet

Bürge empfiehlt allen potenziellen Hundehaltern ohne Erfahrung, sich – analog dem bisherigen Theorieteil beim Sachkundenachweis – vor Anschaffung eines Hundes schlau darüber zu machen, was es heisst, einen solchen zu halten. Und wenn man ihn dann hat, auch einen praktischen Ausbildungsteil zu besuchen. Bürge: «Learning by doing ist bei der Hundehaltung nicht das beste Rezept.» Eine Erleichterung bringt die Abschaffung des Hundekurs-Obligatoriums übrigens den Gemeinden. Sie sind nun von der Überprüfungspflicht entbunden.

Eine Ausnahme gibt es aber noch: Die Halter von Hunden jener bewilligungspflichtigen Rassen wie Bullterrier, Rottweiler, Dobermann oder Dogo Argentino, die im Volksmund unter «Kampfhunden» subsumiert werden, müssen weiterhin obligatorisch eine Ausbildung absolvieren. Und danach müssen sie auch weiterhin ihren Hund vorführen. Das ist und bleibt auf kantonaler Ebene so geregelt; gleich übrigens auch im Kanton Basel-Stadt.