Der Landbasler
«I bi halt e Baselbieter»

Der in Füllinsdorf lebende Thomas Schweizer ist ein ehemaliger Lehrer am Basler Gymnasium Bäumlihof und heute als Buchautor und Literat tätig. In seinem Gastkommentar denkt er über einen Satz des Künstlers Walter Eglin nach.

Thomas Schweizer
Thomas Schweizer
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Ausschnitt aus einem Selbstporträt des Baselbieter Künstlers Walter Eglin.

Ausschnitt aus einem Selbstporträt des Baselbieter Künstlers Walter Eglin.

ZVG/Verlag Johannes Petri

Was wollte Walter Eglin mit dem gern geäusserten Bekenntnis «I bi halt e Baselbieter» bloss sagen? Der Satz ist vieldeutig und so rätselhaft wie manche Kunst an der Art Basel. Kunst! Könnte es vielleicht etwas mit den Baselstädtern zu tun haben? 1938 hatte man ihm übel mitgespielt, als Basler Politiker und Künstler indigniert die Nase rümpften, weil einer aus dem als bäurisch verschrienen Oberbaselbiet mit dem künstlerischen Schmuck im Haupteingang des Kollegienhauses unserer Universität beauftragt wurde.

Im Klartext: Eine hochkarätig besetzte Jury erkor Walter Eglin als Sieger eines Wettbewerbs, an dem eine Reihe von namhaften Künstlern aus Basel und der übrigen Schweiz teilgenommen hatten. Wie richtig der Entscheid war, zeigte sich später: Walter Eglin gilt heute mit seinen markanten, expressionistisch scharf gezeichneten Holzschnitten als Erneuerer der in reiner Reproduktionsgrafik erstarrten Holzschneidekunst. Später wurde er zum ausdrucksstärksten Mosaikkünstler der Schweiz, der auch in Deutschland eindrückliche Spuren hinterlassen hatte. Aber als bescheidener und leiser Oberbaselbieter musste er lange um Anerkennung kämpfen. Sein Handicap.

Zurück zu 1938. Missgunst und Zweifel aus Politiker- und Künstlerkreisen waren so gross, dass es zu einem hässlichen Kesseltreiben kam, das in einer Interpellation im Grossen Rat gipfelte. Damit aber gehörte Walter Eglin plötzlich zum erlauchten Kreis von Künstlern, die anecken, von Politikern kritisiert und mit Misstrauen bedacht und damit abgelehnt werden. Keine schlechte Reverenz. Doch die Regierung stützte den Juryentscheid, auch dank der Fürsprache von auswärtigen Künstlern wie Cuno Amiet oder Ernst Morgenthaler. So konnte Walter Eglin mit den Arbeiten am geplanten monumentalen Mosaik noch im gleichen Jahr beginnen. Er wählte als Thema «Volk und Universität». Acht Jahre später war er fertig, und die Freude jetzt (fast) einhellig gross. Damit hatte er seinen Durchbruch ausgerechnet in Basel geschafft. Ironie oder tiefere Bedeutung?

Was aber war Eglins Botschaft im zitierten Satz? Vielleicht wollte er seine Bodenständigkeit, Naturverbundenheit und Heimatliebe betonen. Ist Ihnen aber das Wörtchen «halt» auch aufgefallen? Irgendwie entlarvend. Sah er sich als Nachkomme der einstigen Rebellen gegen Basel oder steckte noch der verhasste Untertanengeist in seinen Knochen? Ist dieses einschränkende «halt» heute noch berechtigt?

Wie dem auch sei. Dem eigentümlichen, unergründlichen, aber für viele paradiesischen Zustand des Baselbieter-Seins will ich in meinen Kolumnen ein bisschen nachgehen. Aber Obacht: Das Zelebrieren liegt mir nicht, dafür ist mein Horizont zu weit. Zudem habe ich keine Bretter vor dem Kopf, die mir die kritische Sicht auf meine engere, aber liebenswerte Heimat - es ist die Region Basel - nehmen liessen. Diese Sicht versuche ich weniger mit heiligem Ernst als mit sprachlicher Unbekümmertheit und Flair für zärtliche Nachsicht zu beschreiben. Mir wei luege!