Moulin-Rouge-Brand
«Ich bin die Treppe nie hochgegangen»

Am zweiten Prozesstag hatte der Experte das Wort. Viele Details des Brandes bleiben unklar. Der Angeklagte behauptet entgegen früheren Angaben er habe lediglich im Untergeschoss des Gebäudes Benzin vergossen.

Patrick Rudin
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Das «Moulin Rouge» an der Augster Hauptstrasse brannte am frühen Morgen des 15. November 2008 lichterloh.

Das «Moulin Rouge» an der Augster Hauptstrasse brannte am frühen Morgen des 15. November 2008 lichterloh.

bz Basellandschaftliche Zeitung

Beim Mordprozess um die Brandstiftung im Augster Nachtclub Moulin Rouge geht es meistens nüchtern zu, und auch gestern Nachmittag bei der Befragung des forensischen Brand-Experten war das Klima im Gerichtssaal trocken. Die Tatwaffe: ein unscheinbarer schwarzer Plastik-Benzinkanister mit grünem Stutzen.

Doch als der 39-jährige Angeklagte Murat K. am zweiten Prozesstag damit begann, den technischen Experten relativ selbstbewusst ins Kreuzverhör zu nehmen, platzte einem der fünf Richter der Kragen. «Kennen Sie die Akten?», fragte Richter Andreas Faller zuerst, um daraufhin den Angeklagten direkt mit den Folgen seiner Zündelei zu konfrontieren. «Haben Sie sich auch die Fotos der beiden verkohlten Leichen angesehen?» Murat K. schüttelte langsam den Kopf. «Nein, das konnte ich nicht. Ich habe die Frauen gekannt.» «Und haben Sie die Fotos der Frau gesehen, die im Spital an ihren schweren Verbrennungen gestorben ist?», hakte Faller nach. Auch hier sagte der Angeklagte kleinlaut, dass er diesen Anblick nicht hätte ertragen können. «Wir vom Gericht mussten uns diese Bilder ansehen», kommentierte Andreas Faller trocken.

Benzin nur im Untergeschoss?

Im zweiten Stock des Dancings schliefen eine 21-jährige Marokkanerin und eine 23-jährige Russin. Sie starben an einer Kohlenmonoxidvergiftung. Eine 26-jährige Frau aus der Ukraine hingegen konnte von der Feuerwehr mit schwersten Verbrennungen gerettet werden, sie starb jedoch später im Spital.

Der Angeklagte hatte früher jeweils behauptet, er habe den Club zusammen mit der 39-jährigen Geschäftsführerin angezündet, um die Versicherung zu betrügen. Damals zeichnete er eine Karte, wo er über-all Benzin vergossen hatte - und die forensische Spurensicherung kam zu übereinstimmenden Ergebnissen. Doch inzwischen behauptet der Mann, er habe lediglich im Untergeschoss das Benzin vergossen, die Treppe ins Erdgeschoss hinauf habe er gar nicht betreten. «Ich bin die Treppe nie hochgegangen. Nicht mal eine Stufe», betonte er gestern.

«Das kann nicht sein. Dann hätte sich an den Wänden, Decken und am Geländer ein ganz anderes Spurenbild ergeben», meinte dazu der Experte. Er räumte allerdings auch
ein, dass der gesamte Brand kaum glimpflicher verlaufen wäre, wenn die Version des Angeklagten zutreffen würde. Wie der Experte weiter ausführte, habe er über zwei Monate gebraucht, um mit der Hilfe von Spürhunden die Benzinspuren sowie die völlig verkohlten Leichen der beiden Frauen in dem Gebäude zu finden. Der Angeklagte hatte ein brennendes Papiertaschentuch in die Benzinlache geworfen, und bei der Verpuffung verletzte er sich selbst sogar leicht, weil er weggeschleudert wurde.

Morgen Donnerstag beginnen die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

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