Maitag
«Ich bin immer schon ein Tanzfüdli gewesen»

Gabriella Schwald ist seit 25 Jahren in der Trachtengruppe Sissach aktiv und an diesem Wochenende stark beschäftigt. Das Maitanzen ist für sie ein Höhepunkt des Jahres.

Andrea Mašek
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Bloss keinen «Knopf» tanzen: Die Sissacher Trachtenfrau Gabriella Schwald.

Bloss keinen «Knopf» tanzen: Die Sissacher Trachtenfrau Gabriella Schwald.

Kenneth Nars

Bei einem Mazurka oder einem Walzer geht Gabriella Schwald das Herz auf. «Ich bin immer schon ein Tanzfüdli gewesen», erzählt das Mitglied der Trachtengruppe Sissach lebhaft. Diese beiden Tänze sprechen sie aber besonders an. Vielleicht wegen ihres südländischen Naturells, überlegt sie.

Schwalds Vater stammt aus dem Tessin. Geboren und aufgewachsen ist sie – zweisprachig – in Sissach. Und inzwischen ist sie auch Bürgerin des Oberbaselbieter Ortes. Über ihr Engagement in der Tanzgruppe sowie in der Theatertruppe der Trachtengruppe sagt sie: «Ich habe Freude daran, dass Leute daran Freude haben. Das ist das Wichtigste.» Es ist selbstverständlich für sie, nicht nur zu tanzen, zu schauspielern und seit zwei Jahren Regie zu führen, sondern auch im Vorstand tätig zu sein, einst mehrere Jahre als Aktuarin und nun seit längerem als Beisitzerin. Sie half darüber hinaus eine Weile lang beim Kindertanzen aus. «Das ist mein Beitrag an ein aktives Vereinsleben», sagt sie.

Jedes Detail stimmt

Schwald fackelt eben nicht lange, wenn Not an Frau ist. Anlässlich der Vereinsreise im vergangenen Jahr nach Flüelen wurde festgestellt, dass es den Kirschbäumen am Baselbieter Abschnitt des Wegs der Schweiz nicht gut ging. Im Februar dieses Jahres fuhr auf Initiative von Schwald eine Gruppe in den Kanton Uri, um die Bäume zu schneiden. Vor Ostern war die Detailhandelsangestellte, die Teilzeit bei Interio arbeitet, beim Ostereierfärben und -verkaufen dabei und momentan hilft sie, die Maibäume vorzubereiten.

Am Banntag tritt sie in der Tracht an, und in dieser ist sie zudem regelmässig in der aktuellen Ausstellung des Heimatmuseums anzutreffen. «Ich bin eine Trachtenfrau», betont sie. Das heisst, sie ist jeweils bis ins letzte Detail traditionsgemäss gekleidet. Ihre Sonntags- und Wintertracht hat sie sogar selber genäht, die Festtracht hat sie sich machen lassen. Sie liebt die Traditionen, die damit verbunden sind. «Ich kann dahinter stehen und sie vertreten, das stärkt mich».

Deshalb geht die 60-Jährige – die zu ihrem «Runden» neue Fahnen gesponsert hat – jeden Mittwochabend in die Tanzprobe. «Wir haben das Glück, dass wir sieben bis acht echte Paare sind», erklärt Schwald und klärt auf: «Ein echtes Paar besteht aus einem Burschen und einem Meitli. Ja, so werden wir als Mitglieder genannt.» Der Tanzpartner von Schwald ist eine Woche später als sie dazu gestossen, ebenfalls vor 25 Jahren.

Höhepunkt des Jahres

Als Kind habe sie sogar ohne Tracht einmal beim Maitanzen mitmachen dürfen, erinnert sie sich noch genau. Über ihre beiden Kinder, die in der Trachtengruppe mitmachten, stiess sie dann später selber definitiv dazu. Ungebrochen ist ihre Begeisterung für das Maitanzen, einem der wichtigsten Auftritte von Chor und Tanzgruppen jeweils am ersten Sonntag im Mai. Krönender Schlusspunkt dabei ist der Bändertanz, der von Tänzern und Publikum stets mit Spannung erwartet wird. Schwald meint schmunzelnd, es habe seit 15 Jahren keinen Knopf mehr gegeben.

Übers Jahr tritt die Trachtengruppe an verschiedensten Anlässen und Umzügen sowie oft in Altersheimen auf. Vor den Sommerferien wird in einem anderen Baselbieter Dorf gesungen und getanzt. Dieses Jahr ist Maisprach dran. Im November findet jeweils der Heimatabend statt. Besonders in Erinnerung geblieben sind Schwald die beiden Unspunnenfeste in Interlaken. «Auch an den eidgenössischen Trachtenfesten wird mein Herz verwöhnt. Wir Trachtenleute sind eine Familie.»

Maitanzen: Am 3. Mai um 11 Uhr, in Sissach, in der Begegnungszone.