Innovation
IFE-Geschäftsführer Knobel: «Visionär zu sein ist heutzutage ein Luxus»

Die Laufner IFE sieht ihre Aufgabe dort, wo anderen die Ideen schon ausgegangen sind: Optische Verfahren für Messungen, Fertigung, Überwachung oder in der Medizin sind eine Spezialität des IFE-Geschäftsführers Bruno Knobel.

Daniel Haller
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Optische Verfahren für Messungen, Fertigung, Überwachung oder in der Medizin sind eine Spezialität des IFE-Geschäftsführers Bruno Knobel.

Optische Verfahren für Messungen, Fertigung, Überwachung oder in der Medizin sind eine Spezialität des IFE-Geschäftsführers Bruno Knobel.

Nicole Nars-Zimmer

Elegantes Foyer, Glasarchitektur, Designermöbel: Solche Erwartungen an eine Firma, die seit 1993 erfolgreich am Markt ist, enttäuscht die IFE GmbH. Das Kürzel IFE steht für «Industrielle Forschung und Entwicklung», der sperrige Name ist Programm. Und das IFE-Büro im ersten Stock über einer Car-Garage beim Bahnhof Laufen signalisiert mit Messgeräten, Werkzeug, Bücherregalen und Prototypen Erfindercharme statt Repräsentationsfassade.

«Wir wollten gezielt nicht gross werden», erklärt Geschäftsführer Bruno Knobel. Entsprechend stehen bei der IFE auch nur zwischen zwei und - je nach Projekt - vier Personen auf der Lohnliste. «Wir machen nur das, was wir besser können als andere.» Für alles andere verfügt die IFE über ein enges Netz an Spezialisten, deren Wissen und Dienstleistungen sie jeweils einkauft.

Damit unterscheidet sich IFE von Konkurrenten, die mit einer dreistelligen Zahl an Ingenieuren, Softwareentwicklern, Wissenschaftern und Managementberatern die gleiche Dienstleistung anbieten: jene Probleme bei der Entwicklung neuer Produkte zu lösen, welche ein Unternehmen mit seinen eigenen Ressourcen nicht bewältigen kann oder will. «Wir müssen nicht zuerst jene berücksichtigen, die bei uns angestellt sind, sondern können gezielt die geeignetsten Spezialisten einspannen.» Er ist überzeugt, dass Innovation dort entsteht, wo es gelingt, «Lösungen ausserhalb der eigenen Erfahrungsräume zu suchen».

Unbeschwert Fragen stellen

Wie schafft es IFE als Kleinstunternehmen, in einem Markt zu überleben, der durch staatliche Innovationsfördersubventionen an Universitäten und Fachhochschulen verzerrt und von grossen Engineering-Firmen wie Zühlke oder Helbling dominiert wird? Knobel skizziert sein Geschäftsmodell: Da ist die enge Zusammenarbeit mit den Kunden, deren Kompetenzen in die Entwicklungsarbeit einfliesst. «Uns kommt oft die Rolle zu, jene Fragen zu stellen, welche die hauseigenen Spezialisten aus Angst vor Blamage nicht zu stellen wagen.» Dann sei es kostengünstig, wenn man als Projektleiter Spezialisten nur dann einbinde, wenn man sie für eine Lösung benötigt.

Auf Projektleitung lässt sich die IFE-Rolle aber nicht beschränken, vielmehr sieht man sich als Ideen-Lieferant: Nachdem das Team das Problem des Kunden angehört hat, setzt die kreative Phase ein. Die gefundene Lösung geht als Erfinderschrift ans Patentamt. «Ab Eingangsstempel haben wir ein Jahr Zeit, daraus ein Patent zu machen.»

Mit diesem Ideen-Schutz präsentieren die IFE-Leute ihren Lösungsvorschlag dem Kunden. Stimmt dieser zu, beginnt die Entwicklungsarbeit, an deren Ende nebst einem Prototypen oder einem Produkt das Patent steht. «Die Patente gehören immer den Kunden», betont Knobel. IFE erfinde nur als Dienstleister. Insgesamt komme man im Schnitt auf drei Erfindungsschriften und zwei Patente pro Jahr. Jede dritte Idee wird also nicht weiter verfolgt. «Sie wäre umsetzbar, aber oft wird das Geld nicht bewilligt, um daraus ein Produkt zu entwickeln.»

Freiheit als Motor

Mathematik, Mechanik, Optik und Elektronik mit integrierter Software sind das Handwerkszeug der Laufener Erfinder. Doch Knobel ist überzeugt, dass die Firmenkultur entscheidend ist: «Seit 20 Jahren kontrolliere ich nicht, wann, wie viel und wo meine Mitarbeiter arbeiten», erklärt er. «Das Ergebnis ist positiv.» Dieses Vertrauen auf die Eigenmotivation schaffe die nötige Freiheit. «Innovation funktioniert nicht, wenn man ins Tagesgeschäft eingebunden ist. Die Gedanken müssen kanalisiert und doch frei sein. Das ist der Motor. Doch: Visionär zu sein ist heutzutage ein Luxus.»

Zum Umsatz gibt Knobel nur preis, dass dieser stark schwanke. Eine Goldgrube sei IFE nicht. «Aber die Befriedigung bei der Arbeit ist ein Teil des Gehalts.»