H2
IG Rheinstrasse will zuerst Auto zählen, erst dann rückbauen

Der Rückbau der Rheinstrasse könnte sich um Jahre verzögern: Die «IG Rheinstrasse vernünftig» verlangt vom Kanton, dass er zuerst eine Verkehrserhebung durchführt, bevor er die Strasse neu erstellt.

Benjamin Wieland
Merken
Drucken
Teilen
Die Rheinstrasse in Frenkendorf.

Die Rheinstrasse in Frenkendorf.

Nicole Nars-Zimmer

FDP-Landrat und Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser verleiht der Forderung mit einem am Donnerstag eingereichten Postulat Nachdruck.

Die IG sowie Buser stellen sich bei ihrem Begehren auf den Standpunkt, dass eine «gesicherte Faktenlage» für die Berechnung des zukünftigen Verkehrsaufkommens fehle. So sei nicht klar, ob die Eröffnung des H2-Abschnitts Pratteln – Liestal (HPL) die vom Kanton erwartete starke Abnahme der Fahrten zur Folge habe. Die Mitwirkung des Kantons am Rheinstrassen-Rückbauprojekt bezeichnet die IG als «Zeitverschwendung», das Gewerbe sei zu spät in die Planungen eingebunden worden.

Rückbau würde verzögert

Die Forderung der IG könnte das Tiefbauamt in Zeitnot bringen. Bisher ging dieses von folgendem Zeitplan aus: Im Dezember wird die H2 eröffnet, für das Frühjahr 2014 ist die öffentliche Planauflage für den Rheinstrassen-Rückbau vorgesehen, mit den Arbeiten könnte noch im selben Jahr begonnen werden. Müsste das Tiefbauamt zuvor noch eine Erhebung durchführen, so würde der Baubeginn in weite Ferne rücken. Denn: Die Zählung nähme ein ganzes Jahr in Anspruch: Zwölf Monate lang habe die Regierung den Verkehr zu zählen, fordert Buser in seinem Vorstoss.

Das Tiefbauamt stellt den Nutzen der Erhebung infrage. «Verbesserung im Kommastellenbereich» stellt Kantonsingenieur Oliver Jacobi in Aussicht, dabei dränge die Zeit: «Seit zehn Jahren werden auf der Rheinstrasse nur Löcher geflickt. Dies, weil wir damit rechneten, dass die Strasse nach der H2-Eröffnung rasch neu gebaut wird. Warten wir nun noch länger zu, so müssen wir Geld verlochen, dass wir besser für die neue Strasse ausgeben.» Er beziffert die dringend notwendigen Arbeiten an Belag und Infrastruktur auf sieben Millionen Franken, der Aufwand der Gemeinden für deren Werkleitungen nicht mit einberechnet. Die Kosten für das Rückbauprojekt waren in der HPL-Endprognose mit 35 bis 40 Millionen angegeben.

Christoph Keigel, Präsident der IG und Inhaber einer Garage an der Rheinstrasse, argumentiert ebenfalls mit finanziellen Aspekten: «Wir sprechen beim Rückbau der Rheinstrasse von einem Millionenprojekt. Der Kanton soll nicht ohne klare Faktenlage und nur gestützt auf theoretische Annahmen eine neue Strasse planen, sondern erst einmal abwarten, wie sich die Eröffnung der H2 auf den Verkehr auswirkt – und dann handeln.»

Angst vor Kundenabwanderung

Schon bei früheren Gelegenheiten warnte die IG, dass sie es nicht hinnehmen würde, wenn der Verkehrsfluss durch «künstliche Hindernisse» gestört werde. Ihre Befürchtung ist offensichtlich: Durch eine unattraktive Strasse könnte (motorisierte) Kundschaft wegbleiben. Für Jacobi ist hingegen klar, dass das Tiefbauamt mit dem Umbau einen Auftrag des Stimmvolks ausführe: «Der Zeitpunkt der Realisierung ist nicht beliebig verhandelbar. Seit dem doppelten Ja zur H2 in den Jahren 1995 und 1997 besteht ein klarer Auftrag des Volks und seit der öffentlichen Planauflage im Jahr 2002 ein Zwang aus der Umweltverträglichkeitsprüfung, die Rheinstrasse anzupassen, sobald die H2 fertiggestellt ist.»