Abtretender Kantonstierarzt
Ignaz Bloch: «Verfahren war Tiefpunkt meiner Tätigkeit»

Ignaz Bloch hatte als Kantonstierarzt und Jagdverwalter einen der schwierigsten Jobs in der Verwaltung. Während seiner Tätigkeit beim Kanton hat er viele Schwierigkeiten gemeistert, besonders das Verfahren gegen ihn bleibt in schlechter Erinnerung.

Andreas Hirsbrunner
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Das war ein häufiges Bild: Ignaz Bloch im Stall. Zwei Drittel seiner Arbeitszeit fiel auf seine Tätigkeit als Kantonstierarzt, der Rest auf jene als Jagdverwalter.

Das war ein häufiges Bild: Ignaz Bloch im Stall. Zwei Drittel seiner Arbeitszeit fiel auf seine Tätigkeit als Kantonstierarzt, der Rest auf jene als Jagdverwalter.

Kenneth Nars

17 Jahre lang hat Ignaz Bloch (60) die zahlreichen Minenfelder rund um seinen Job schadlos gemeistert, dann explodierte ein Sprengsatz nach dem andern: Zwei seiner Mitarbeiter schwärzten ihn mit Unterstellungen an, die sich später als falsch erwiesen; es wurde eine Administrativuntersuchung gegen ihn eröffnet; bei einer der Treibjagden der «Basler Zeitung» wurde er, der Jäger, zum Gejagten.

Und zuletzt versagten auch noch seine Nieren ihren Normaldienst. Letzteres gab für den Baselbieter Kantonstierarzt und kantonalen Jagdverwalter schliesslich den Ausschlag, dass er sich nach 19 Dienstjahren beim Kanton auf Ende Jahr in den vorzeitigen Ruhestand zurückzieht.

Nichts zu tun damit habe hingegen Thomas Webers Neuorganisation der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion, sagt Bloch. Ab nächstem Jahr wird die Leitung des Veterinär- und des Jagdwesens – wie früher – getrennt: Der Veterinärdienst kommt ins neue Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, die Jagdverwaltung ins Amt für Wald; die Stelle des Kantonstierarztes ist derzeit ausgeschrieben, die Rolle des Jagdverwalters wird interimistisch von Amtsleiter Ueli Meier übernommen. Diese Aufgabe wird laut Meier jetzt überprüft und dann intern besetzt oder ausgeschrieben.

Auseinandersetzungen mit Bauern

Bloch sagt zur Umorganisation: «Ich befürworte diese Neuausrichtung explizit. Insbesondere begrüsse ich, dass der Veterinärdienst der Gesundheit und nicht der Landwirtschaft angegliedert wird, denn das hätte zu Zielkonflikten geführt.» Man hört es heraus: Der Kantonstierarzt hatte es nicht immer leicht mit den Bauern, denn er war verantwortlich für die Einhaltung der Tierschutzgesetzgebung.

Und um diese stand es bei Blochs Amtsantritt offenbar nicht eben gut: «Mein Vorgänger hat mir beim Tierschutz ein Brachfeld hinterlassen. Mehr als 500 Tierhalter im Kanton wiesen Mängel wie zu kleine Standplätze oder zu wenig Auslauf beim Rindvieh auf.» Die Behebung dieser Mängel sei nicht reibungslos erfolgt, ergänzt Bloch.

Geholfen hat ihm dabei, dass relativ kurz nach seinem Amtsantritt die Direktzahlungen an die Einhaltung der Tierschutzvorschriften gekoppelt wurden. Damit hatte Bloch ein wirksames Mittel gegen renitente Tierhalter in der Hand. Ähnlich tönt es von Seiten des Bauernverbands beider Basel. Stefan Kälin, seit zwei Jahren dessen Präsident, sagt: «Es gab Konflikte zwischen Landwirten und Ignaz Bloch, vor allem rund um den Tierschutz.

Aber das liegt in der Natur der Sache, denn die Interessen sind nicht die gleichen.» Und bei der Schwarzwild-Jagd habe man seitens der Bauern von Bloch «mehr Biss» erwartet. Kälin: «Das Grundproblem war aber die Kommunikation. Man hat sich nicht immer ganz verstanden.»

Bloch bleiben aber nicht die manchmal heftigen Auseinandersetzungen mit Bauern als Tiefpunkt seiner langen Tätigkeit beim Kanton in Erinnerung, sondern der vorletzte Sommer. Damals deckte ihn die «Basler Zeitung» mit Vorwürfen von Willkür über Begünstigung bis zur Urkundenfälschung aus einer Administrativuntersuchung ein.

Beschädigter Ruf

Bloch konnte sich aber wegen des laufenden Verfahrens nicht wehren dagegen. Er sagt zu dieser Zeit: «Ich fühlte mich miserabel und vom Arbeitgeber ziemlich allein gelassen. In so einem Moment könnte man sich hintersinnen.» Er hätte sich damals einen Coach gewünscht, der ihm zur Seite gestanden wäre.

Ein paar Monate später machte eine externe Untersuchung aus dem Turm von Vorwürfen einen kleinen Steinhaufen mit Bagatellen wie etwa, dass Bloch seine Ebenrain-Parkkarte zu Unrecht an einen Kollegen weitergegeben habe. Trotzdem blieb Vieles an Bloch kleben: «Mein Ruf ist geschädigt. Das merke ich am Verhalten der Leute, die auf Distanz gehen, ohne die Dinge direkt anzusprechen.»

Im Jagdwesen beschäftigte Bloch vor allem die starke Wildschwein-Vermehrung. Diese werde begünstigt durch die Klimaerwärmung, die fast jedes Jahr zu einem Mastjahr mit haufenweise Eicheln und Buchennüssen und harte Winter zu Raritäten mache, aber auch durch landwirtschaftliche Kulturen bis an den Waldrand. Die vielen Säue führten zu vermehrten Schäden in der Landwirtschaft und damit zu Konfliktpotenzial.

Gleichzeitig relativiert Bloch: «Die Schäden betragen maximal 350 000 Franken, die Direktzahlungen an die Bauern 50 Millionen Franken pro Jahr. Da muss man sich schon fragen, ob Letzteres nicht auch die Schäden beinhaltet. Aber diese Frage muss die Politik beantworten.» Den Jägern müsse er aber ein Kränzchen winden, denn sie hätten die Abschüsse von Wildschweinen auf dem Feld massiv erhöht und Pirschkurse besucht.

Lob von den Jägern

Auch sonst hat Bloch wenig zu bemängeln an den Waidmännern: «Ich musste nur wenige Verzeigungen machen und Jagdpässe entziehen, denn die soziale Kontrolle innerhalb der Jägerschaft klappt gut.» Wenig Verständnis hat er allerdings für jene «Minderheit» unter ihnen, die den Luchs ins Pfefferland wünschen.

Die Raubkatze gehört für Bloch zur hiesigen Natur. Genau gleich übrigens wie der Kormoran, der bei vielen Fischern in der Kritik steht; die Fischerei unterstand ebenfalls Bloch. Positiv tönt es auch von Jägerseite zurück. Pascal Cueni, Präsident von Jagd Baselland, sagt: «Auch wenn wir nicht immer gleicher Meinung waren, was an den verschiedenen Rollen lag, haben wir gut zusammengearbeitet.

Positiv an Ignaz Bloch ist, dass er immer zum Dialog bereit ist.» Weniger Freude dürfte das Reh- und Schwarzwild im Revier Dittingen haben, wo Bloch selber jagt. Denn der Jungpensionär hat sich drei Dinge vorgenommen: «Ich werde mehr Sport treiben, von Basel nach Rotterdam laufen und vor allem mehr jagen.»