Ikone der Linke
Deutscher Polit-Star zu Gast im Baselbiet: Gregor Gysi besucht die Gysins

Vorfahren der Linken-Ikone stammen aus Läufelfingen. Gestern Donnerstag war der deutsche Politiker im Baselbiet zu Gast.

Dimitri Hofer
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Der deutsche Politiker Gregor Gysi zu Gast in Läufelfingen.

Der deutsche Politiker Gregor Gysi zu Gast in Läufelfingen.

Nicole Nars-Zimmer

In Läufelfingen leben laut Eintrag im Telefonbuch heute 20 Personen mit dem Namen Gysin. Auch ein Urahne von Gregor Gysi, der sich im frühen 18. Jahrhundert von der Gemeinde am unteren Hauenstein nach Berlin aufmachte, trug diesen Namen. Der deutsche Ausnahmepolitiker besuchte gestern die Heimat seiner Vorfahren. Das Interesse am Prominenten mit Baselbieter Wurzeln war gross.

Die Spannung im Saal der Dorfbäckerei Brot & So im Zentrum von Läufelfingen steigt von Minute zu Minute. Eigentlich hätte die Linken-Ikone schon vor einer Viertelstunde eintreffen sollen. Doch der Weg vom Flughafen Zürich ins Oberbaselbiet ist weit und der Feierabendverkehr verzögert die Ankunft des 73-Jährigen. Es ist schon dunkel draussen, als Gregor Gysi unter den Klängen des Blasmusikensembles Läufelfingen den Saal betritt. An den Tischen sitzen rund 50 Gäste mit dem Namen Gysi, Gisi, Gysin und Gisin. Darunter befinden sich auch der frühere Baselbieter Nationalrat und Direktor der Wirtschaftskammer Baselland, Hansruedi Gysin, sowie der ehemalige Basler Regierungs- und Nationalrat Remo Gysin. Auch sie freuen sich auf die Worte ihres entfernten Verwandten.

Gelassenheit der Schweizer sei eine Abwechslung

Was zu vermuten war, tritt ein: Als Gregor Gysi mit seiner Rede beginnt, hängen ihm alle Anwesenden an den Lippen. Humorvoll und eloquent wie in politischen Debatten tritt er auch im Saal der Läufelfinger Dorfbäckerei auf. Noch zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung sei ihm seine Schweizer Herkunft nicht bewusst gewesen. «Mein Vater zeigte uns später ein Foto des Bahnhofs von Läufelfingen mit dem Hinweis, dass wir von hier stammen.» Der Ostberliner war einst der letzte Vorsitzende der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) gewesen. Nach der Wende transformierte er die DDR-Einheitspartei zuerst in die PDS und danach in die Linke.

In der Region Basel war der Rechtsanwalt und Politiker schon in der Vergangenheit. «Den Schweizern wird Gelassenheit nachgesagt. Ich durfte feststellen, dass das stimmt», meint er süffisant. «Für jemanden, der im hektischen Berlin lebt, ist das eine willkommene Abwechslung.» Beim ersten Aufenthalt in Läufelfingen habe er festgestellt, dass dort viele Menschen mit dem Namen Gysin begraben seien.

«Irgendwann ist bei unserer Familie der letzte Buchstabe weggefallen.»

Gregor Gysis Vorfahre, der Seidenfärber Samuel Gysin, verliess die Region, da seine Fähigkeiten in Berlin gefragt waren.

Lobt die Baselbieter dafür, nicht fusioniert zu haben

Mit Läufelfingen fühlt sich Gregor Gysi verbunden, wie er betont. Das Geschehen im Raum Basel scheint er aus der Ferne durchaus verfolgt zu haben. Ein wenig überraschend sagt er: «Ich finde es wunderbar, dass Baselland nicht mit Basel fusioniert hat.» Ganz bestimmt hätte Läufelfingen so an Bedeutung verloren. Und auch über den Fussball hat Gysi, der Anhänger des 1. FC Union Berlin ist, einen Bezug zur Region. Dessen Trainer Urs Fischer war zuvor Coach des FC Basel. «Urs Fischer ist ein Segen für den Club.»

Am Schluss bleibt Gysi nur noch zu sagen:

«Es hat Spass gemacht hier. Das wird verbreitet.»

In den Applaus stimmen auch die Vorrednerinnen, die Läufelfinger Gemeindepräsidentin Sabine Bucher, die Baselbieter Regierungsrätin Kathrin Schweizer und Margrit Balscheit, frühere Gemeindepräsidentin von Läufelfingen, ein. Gregor Gysi verabschiedet sich nach Liestal, wo er in der ausverkauften Kantonsbibliothek aus seiner Autobiografie vorliest.

Dass er den Ort seiner Vorfahren wieder besuchen konnte, ist übrigens alles andere als selbstverständlich. Der Terminplan ist noch immer dicht: Nicht nur ist Gysi weiterhin gern eingeladener Gast in Talkshows. Bei der Bundestagswahl im September gelang ihm die Wiederwahl ins deutsche Parlament per Direktmandat.

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