Lichtverschmutzung
Im Einsatz für das grosse Lichterlöschen

Wirksame Massnahmen gegen Lichtverschmutzung lassen in der Schweiz noch immer auf sich warten. Nun nimmt die Baselbieter SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer einen neuen Anlauf.

Daniel Ballmer
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Es ist nicht der erste Vorstoss in Bundesbern, der gegen Lichtverschmutzung angehen will. Per Motion fordert SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer sie den Bundesrat auf, Massnahmen gegen «unerwünschte und schädliche Lichtemissionen» zu ergreifen und einen Massnahmenplan zu deren Beschränkung vorzulegen. Zu prüfen seien unter anderem Grenzwerte sowie ein Verbot nicht notwendiger Beleuchtungen oder zumindest einer zeitlichen Begrenzung, aber auch einheitliche Beleuchtungsvorschriften.

Dunkelheit immer mehr verdrängt

Auch das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat bereits Ausmass, Ursachen und Auswirkungen von Lichtverschmutzung untersucht. Dabei sei festgestellt worden, dass das Kunstlicht einen negativen Einfluss auf Mensch und Tier habe, betont Leutenegger. So würden die Lebensräume nachtaktiver Tiere nachhaltig beeinträchtigt und beispielsweise die Orientierung von Zugvögeln gestört. Zerstört wird zudem die Nachtlandschaft: Die Lichter der Stadt Basel haben Auswirkungen bis zum Passwang. Hinzu kommt für Leutenegger die Energieverschwendung: «Umso gravierender ist die Tatsache, dass die Dunkelheit immer mehr von Kunstlicht verdrängt wird.»

Tatsächlich leben zwei Drittel der Weltbevölkerung und 99 Prozent der Menschen in Westeuropa und Nordamerika in Regionen, in denen sie nie einen wirklich dunklen Nachthimmel sehen. In der Schweiz gibt es keinen einzigen Quadratkilometer mehr, in dem noch natürlich dunkle Verhältnisse herrschen. Die rund 2800 Quadratkilometer grosse beleuchtete Siedlungsfläche der Schweiz hat eine Aufhellung der gesamten Landesfläche von 41000 Quadratkilometern zur Folge.

Das muss nicht sein: Die Lichtemissionen könnten ohne Einbusse an Lebensqualität und Sicherheit massiv reduziert werden, ist Leutenegger überzeugt. «Das bringt mehr Lebensqualität für Mensch und Tier und zugleich eine erhebliche Energieeinsparung.» Die Empfehlungen des Bafu zeigten technische wie rechtliche Massnahmen auf. Viele Beleuchtungsanlagen seien unnötig.

Das Problem ist auch den Behörden bekannt: «Wir haben immer öfter Klagen wegen nächtlicher Lichtverschmutzung», sagt Stephan Helfer vom Lufthygieneamt beider Basel. Das betreffe beispielsweise Leuchtreklamen auf Kränen, die in Wohnungen hinein leuchten. «Die Leute scheinen heute vermehrt auf das Thema sensibilisiert zu sein und fühlen sich gestört», sagt Helfer. Bisher aber hat im Baselbiet einzig die Gemeinde Pratteln rigide Vorschriften eingeführt: Seit rund einem Jahr ist nachts während fünf Stunden auf sämtliche Beleuchtung zu verzichten, ausser auf die Strassenlampen.

Kantone hoffen auf Bundeslösung

Doch auch sonst tut sich etwas: Mittlerweile sind beim Bund Bestrebungen für eine einheitliche Lösung im Gang. Das Bafu habe entsprechende Bedürfnisse abgeklärt. «Bei den Kantonen scheint durchaus Interesse an einer Bundeslösung zu bestehen», weiss Helfer. «Eine einheitliche Lösung wäre sicher besser, als wenn jede Gemeinde wie heute die Sache selber regelt.» So würde eine Bundeslösung nur schon die Umsetzung einheitlicher Vorschriften erleichtern. Noch aber sei kein definitiver Entscheid für oder gegen eine Bundeslösung gefallen. «Wir hoffen aber darauf», sagt Helfer, «damit die Lichtmenge, die jede Nacht in den Himmel strahlt, deutlich reduziert werden kann.»