Liestal
Im Labyrinth des Genusses: Mit einer Weinstrasse sind die Baselbieter Genusswochen eröffnet worden

Die Baselbieter Genusswochen finden vom 1. September bis 14. Oktober statt.

Daniel Aenishänslin
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In der Weinstrasse im Stedtli schenkt auch die Kellerei Siebe Dupf (im Bild Produktionsleiter Thomas Engel) ihre Tropfen aus.

In der Weinstrasse im Stedtli schenkt auch die Kellerei Siebe Dupf (im Bild Produktionsleiter Thomas Engel) ihre Tropfen aus.

Daniel Aenishänslin

Die Baselbieter Genusswochen sind eröffnet. Symbolisch taten dies Liestals Stadtrat Franz Kaufmann und Tobias Eggimann, Geschäftsführer Baselland Tourismus, in der zur Weinstrasse umfunktionierten Rosengasse. Die Weinstrasse wurde dem bereits etablierten Genussmarkt angeschlossen. Ein Markt, der letztlich aus den Genusswochen hervorgegangen ist. «Ich dachte nicht, dass so viel daraus entstehen würde», gestand Kaufmann, «der Markt geniesst hohe Priorität im Stadtrat.»

Aus dem Programm der Genusswochen: Burger-Festival, Bayerin küsst Baselbieter, und, und, und ...

Hurger muss nicht schnell sein. Burger geht auch anders. Mit genügend Zeit und viel Genuss. Bis zum 14. Oktober laden das Liestaler Restaurant Kaserne und das Restaurant Pantheon in Muttenz abends zum Baselbieter Burger-Festival. Zwischen den Brotscheiben aus der Hausbäckerei, zubereitet mit Mehl aus dem Maispracher Mühle, kommen Rindfleisch, Fisch oder Vegi pur. Wildschweinbratwurst kommt im Liestaler «Engel» auf den Teller, ein Wild-Menü im Arlesheimer Hotel Ermitage. Natürlich aus regionaler Jagd. Zwetschgenkreationen serviert der Waldenburger «Leue». Wer hats erfunden? Laufens Simply im Rössli verblüfft mit einem Ricola-Menü auf Basis der berühmten Mischung aus 13 Kräutern. Im Schloss Bottmingern wird kulinarischen Trends nachgegangen. Alles regional und eigens für die Genusswochen kreiert. Das Liestaler Kulturhotel Guggenheim beteiligt sich mit Bio-Abenden: Bio-Plättli, Bio-Wein, Liestaler Bier und Baselbieter Künstler mit Unplugged-Sound. Die Mineralquelle Eptingen lädt zum Betriebsrundgang. Anmeldung erforderlich. Das Hotel Restaurant Bad Bubendorf interpretiert die Baselbieter Küche neu. Serviert wird das «Menu di Stagione». Im Oberdörfer «Rössli» küsst die Bayerin den Baselbieter. Dabei werden zwei ländliche Kochtraditionen kombiniert. Und, und, und ...

Zwischen den Weinständen erzählte Eggimann, was er sich von den Genusswochen erhofft: «Wir sind dabei, den Binnentourismus stark anzukurbeln.» Im Umkreis von 30 Kilometer Luftlinie leben eine Million Menschen. Alles potenzielle Kunden und Touristen. Können diese Menschen von Baselbieter Produkten und Ausflugszielen überzeugt werden, strahle das ab. Die Leute in diesem Einzugsgebiet würden ihre positiven Erfahrungen an Freunde und Bekannte weitergeben. «So wird die Bevölkerung zu Tourismus-Botschaftern.»

«Menge himmeltraurig»

Angestossen wurde mit einer Cuvée von 2017. «Die Qualität ist sehr gut», sagte Kaufmann über den vom Frost heimgesuchten Jahrgang, «die Menge jedoch ist himmeltraurig.» Angestossen wurde unter anderem mit Stadtratskollege Daniel Muri. Dieser freute sich über Weinstrasse, Genussmarkt und -wochen. «Das belebt Liestal und zeigt, dass es sich lohnt, wenn man etwas gut macht», sagte Muri, «und es bringt die Menschen zusammen.»
Der ehemalige Kantonsarchäologe Jürg Ewald soll vor sechs Jahren den Anstoss gegeben haben, an den Genusswochen teilzunehmen. «Ich bin ein Geniesser», konstatierte er mit einem Glas Wein in der Hand. «Unglaublich, welch gute Weine heute hergestellt werden.» Der pensionierte Rebbaukommissär Ernst Schläpfer pflichtete bei: Die Klimaerwärmung komme den Baselbieter Weinen zugute. «Noch in den 1970er-Jahren war es schwer, die Qualität zu halten. Solchen Wein würde ich heute nicht mehr trinken.»

Unterwegs auf der Weinstrasse war auch Liestals Stadtentwickler Thomas Bretscher. Interessante Neuigkeiten über den Genussmarkt wusste er zu berichten. Der Genussmarkt soll für einmal an einem Sonntag geöffnet werden, und zwar am 23. Dezember. Weiter verriet der Stadtentwickler, dass am 6. Oktober parallel zum Genussmarkt ein Trüffelmarkt stattfinden werde. Und schliesslich: «Wir wachsen.» Der Marktperimeter kann vergrössert werden. Ab sofort befindet sich Bretscher auf der Suche nach weiteren Produzenten, die ihre Produkte auf dem Genussmarkt anbieten wollen. «Das Gewerbe ist zufrieden mit der Situation», sagte Bretscher, «es profitiert von der Frequenz, die der Markt ins Stedtli bringt.»

Micro Leaves sind Spezialität

Seit 2002 finden an mehreren Orten in der Schweiz Genusswochen statt. Bis 2017 und seiner 5. Austragung beschränkte sich die Baselbieter Genusswoche auf sieben Tage im September. Ab sofort gehen Leckerbissen und Köstlichkeiten in die Verlängerung. Neu dauert der Event für Gourmets vom 1. September bis zum 14. Oktober. Zur «Spezialität des Jahres» wurden die «Micro Leaves» gewählt. Es geht noch mehr. Unter dem Titel «Genuss aus Stadt und Land» läuft seit Oktober 2017 ein Projekt zur regionalen Entwicklung. Damit soll die Wertschöpfung gesteigert werden von regionalen Landwirtschafts- und Verarbeitungsbetrieben, von Tourismus und Gastronomie.

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