Biel-Benken
Im Osten Biel-Benkens stinkts - Anwohner wollen sich wehren

Bewohner Biel-Benkens klagen über Gestank. Im Verdacht steht eine Nahrungs-Recycling-Firma. Doch objektiv ist die Geruchsbelästigung nicht messbar. Anwohner wollen eine Bevölkerungs-Umfrage. Der Gemeinderat stellt sich quer.

Michel Ecklin
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An der Hauptstrasse in Biel-Benken stinkt es manchmal. Die Anwohner verdächtigen die Firma Nahrungsmittel-Recycling.

An der Hauptstrasse in Biel-Benken stinkt es manchmal. Die Anwohner verdächtigen die Firma Nahrungsmittel-Recycling.

Juri Junkov

Die Bewohner südlich der Biel-Benkener Hauptstrasse beklagen sich über üble Düfte. Im Verdacht haben sie die Firma Nahrungsmittel-Recycling, die alte Lebensmittel verarbeitet und Schweine hält. Nur: Ob ein Geruch stört, ist eine subjektive Empfindung. Die Luftreinhalteverordnung (LRV) kennt für Gerüche keine Grenzwerte, sondern stützt sich auf das Geruchsempfinden Betroffener.

Im Rahmen periodischer Kontrollen des Lufthygieneamtes beider Basel (LHA) überprüften Probanden die Abluft der Firma. Ihr Fazit: Die Emissionen sind so tief, dass man nicht mit Geruchsbelästigungen in der Umgebung rechnen muss.

Nicht objektiv messbar

Stephan Helfer vom LHA räumt aber ein: «Es ist schwierig, eine Geruchsbelastung objektiv festzustellen.» Die Luftreinhalteverordnung (LRV) schreibt für Stoffe ohne Immissionsgrenzwert vor, dass sie nicht zu einer übermässigen Belastung in der Umgebung führen dürfen. Die Übermässigkeit abklären möchte ein Vorstoss an der Biel-Benkener Gemeindeversammlung am 10.Dezember. Heinrich Tschudin will in den betroffenen Strassenzügen Befragungen über die subjektive Geruchsbelästigung durchführen lassen. Davon hält aber der Gemeinderat wenig. «Die Umfrage wäre nicht repräsentativ», so Burch. Mit «Befindlichkeitsbekundigungen» könne niemand etwas anfangen.

Dem widerspricht Tschudin. Er beruft sich auf die LRV, in der es heisst: «Bestehen für einen Schadstoff keine Immissionsgrenzwerte, so gelten die Immissionen als übermässig, wenn (...) aufgrund einer Erhebung feststeht, dass sie einen wesentlichen Teil der Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden erheblich stören.»

Deshalb darf die Gemeinde dem Recycling-Unternehmen Auflagen machen. Burch meint hingegen, dem Gemeinderat seien die Hände gebunden. «Wir können nichts unternehmen, weil wir immer Fachleute holen müssen, sobald es übel riecht.»

Protokolle brachten wenig

Helfer erinnert an die kantonale Gesetzgebung, wonach es Aufgabe der Gemeinden sei, die Übermässigkeit der Geruchsbelastung festzustellen. Eine Umfrage als Momentaufnahme hält er nicht für zielführend, da sie schwierig zu interpretieren sei. Langfristige Geruchsprotokolle brächten mehr Objektivierung.

Solche Protokoll-Formulare durften die Biel-Benkener Bürger letzten Sommer ausfüllen. Tschudin hielt sie für unbrauchbar, da die Fragen ungeschickt gestellt waren. «Da machten die Bürger nicht mit.»

Tatsächlich erhielt die Gemeinde nur vier ausgefüllte Protokolle. «Ich hätte schon mehr Rücklauf erwartet», sagt Burch. Er glaubt nicht, dass Tschudins Vorstoss an der Gemeindeversammlung Erfolg hat, «falls die Geruchsgeplagten so schlecht mobilisieren wie bei den Protokollen».